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digen Spielen und Uebungen höre; denn er weiß, „daß es nicht daherkommt, daß man in edlcrm Zeitvertreib angenehmere Gcistesunterhaltungsucht."
Hier haben wir also ein Bild, das vom Idyllischen des frühernschon viel verloren hat. Noch dunkler werden die Farben, wenn wir dasBild einer eigentlich industriellen Gemeinde betrachten. Ichführe den Leser zu diesem Zwecke in's Loggen bürg, da die Be-schreibungen zürcherischer Fabrikgemeinden erst aus der Zeit nachder Revolution herrühren und da ich aus diesen, wie aus Reflexionenfrüherer Zeit schließen muß, die Folgen der Industrie seien in allen Ge-meinden ungefähr dieselben gewesen, so daß, was von Toggenburgcr-Gemeinden damaliger Zeit gesagt wird, auch auf Zürcher-Fabrikgemeindenmehr oder weniger Anwendung findet.
Zuerst macht der Verfasser (Simmler in Hennau) die werthvolle Vor-bemerkung: „Ich muß mir die Freiheit auskitten, im Verfolg meinesAufsatzes nicht allein von den Reformirten, sondern auch von den Römisch-Katholischen reden zu dürfen, und das um desto mehr, da in diesen Ge-genden — wenn nicht die Pfarrer beider Partheien bigotte Leute sind,und deren gibt es, soweit ich sie selbst oder auch durch Erzählungen kennengelernt, beinahe keine — der Unterschied zwischen Religionspartheien jedemFremdling im täglichen Wandel ganz unmerkbar ist und Toleranzanekdotmin Menge zu liefern wären."
Ueber die Beschäftigung ist zu bemerken: „Jeder Toggenburger istbeinahe ein geborner Weber, der sich, so bald der Herbst da ist, in seinenWebkeller, wie der Dachs in sein Loch, eingräbt und da so lange bleibt,bis die wärmere Frühlingssonne ihn wieder auf's Feld ruft. Der Toggen-burger hat da einen prächtigen Verdienst, den noch hin und wieder Einerzu vermehren sucht, indem er Thurgäuer in Dienste nimmt, ihnen Speisund Trank und etwas Weniges Lohn gibt, oder gar noch den kleinenHerrn spielt und 5—6 andere Webstühle in Bewegung setzt, ungeachteter selbst kaum ein Pfund Baumwolle zu kaufen vermag."