Jahrgang 
auf das Jahr 1883 (CFM 1132)
Seite
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Ueber die Lebensart des Toggmburgers wird zunächst günstigberichtet:Sie ist sehr einfach. Ihre Speisen bestehen meistens nur inHabermuß, Zugemüs, Erdäpfeln, Rüben, Bohnen, Kraut, Milch undSchotten. So sah ich selbst Begüterte unter meinen Gemeindsgenossensich mit ihrer Familie und etwaigem Gesinde um den Tisch Herumsehen,auf dem eine Schüssel mit gesottenen Erdäpfeln stand; nachher kam eineSchüssel mit Habermuß; dann fragte der Hausvater: Wer will Brod?Wer Lust hatte, schnitt eine Scheibe ab, Mehrere ließen es vorbeigehen;zum Trunk kam frischgeholtes Brunnenwasser, das in einem Gätzi herum-gcboten ward so ist's am Mittag, so am Abend. Oefters Mehlklößezu essen, wäre Anzeige eines Weichlings, und wer alle Tage Most trinkenwürde, hätte bald den Namen eines Trunkenboldes. Fleisch ist in meinenGemeinden (es gibt solche, wo dies bald alle Tage auf den Tisch kommt)eine seltene Speise und kommt nur an Kirchweihtagen, Festzeiten und etwabei Beendigung einer Feldarbeit auf die genügsame Tafel und zwar in sogeringer Portion, daß 1'/- Pfund Fleisch an einem Kirchweihtage fürfünf Personen zureichten. Auch die tägliche Kleidung ist einfach undsparsam." Nun kommt aber auch die andere Seite: Am Sonntag wirdder größte Luxus getrieben:Silberne Hemd-, Knie-und Schuhriemen-schnallen müssen gekauft sein, dort ein neu Mied, eine Goldporte, dortfeine Spitzen um die neue, schwarzsammtne, feine Haube, bald anstatt dermessingenen Hacken am Mieder und der beinernen Haarnadel Alles vonSilber und öfters noch vergoldet. Bald hängt gar über den halben Rückenund Vorderleib eine schwere, silberne Kette nebst Schloß und andere Zier-rathen herunter, 23 Fingerringe an einer Hand mangeln niemals.Kurz, man würde an Sonn- und Festtagen die Jugend des Lands fürhordrciche Bauernsöhne und -Töchter ansehen, ungeachtet oft die Elternkeinen Pfennig Geld im Hause und kaum ein ungestilltes Hemd auf demLeibe haben."

Der Junge, vorzüglich der reformirte, findet sich, wenn er einmalder Unterweisung zum hl. Abendmahl entlassen ist, fleißig im Wirths-haus ein und muß an den festgesetzten Trinktagen der Katholiken, deren