Jahrgang 
auf das Jahr 1883 (CFM 1132)
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Diesen ausführlichen Mittheilungen über das häusliche Leben, dieKindcrzucht rc. in verschiedenartigen Gemeinden unsers Vaterlandes fügeich nur noch wenige allgemeine Bemerkungen über weitere Punkte bei, diefür Beurtheilung des damaligen religiös-sittlichen Zustandes in Betrachtkommen.

Aus allen Gemeinden wird übereinstimmend die Gefälligkeit,D i en st f er t i g k e i t und Wohlthätigkeit auch unbemittelterLeute gerühmt. Was also in dieser Hinsicht früher aus Kloten berichtetwurde, ist als allgemein gültig zu betrachten. Anderseits wird auch wiederMangel an gemeinnützigem Sinn beklagt, besonders beiWohlhabenden. Häuslicher Sinn artet mancherorts in Geiz aus undöfters, doch durchaus nicht allgemein, fällt dem berechnenden Haschen nachVortheilen die Ehrlichkeit zum Opfer.

Ikcberall ohne Ausnahme scheint jenes kleine und doch so gefährlicheGlied viel Schaden angestiftet zu haben: Klatschsucht, Verleum-dungssucht, rohes Reden und Schwören waren allgemeineSünden, und besonders das weibliche Geschlecht (chariptsächlich im Winter)stiftete mit seiner Zunge allerorts viel bedenklichen Schaden an. Es be-darf hiefür keiner besondern Beispiele.

Die Schule übte in dieser Zeit noch wenig moralischen Einflußaus. Aus allen Berichten geht hervor, wie die Geistlichen sich Mühegaben, sie zu heben, aber selten mit viel Erfolg. Beim Volk stießen sieauf Widerstand oder Gleichgültigkeit, und tüchtige Schulmeister warenhöchst selten. Wo ein solcher war, wie z. B. in Seuzach, stand er inhohen: Ansehen und das Interesse an der Schule erwachte.

Fast in keinem Berichte fehlt bei Aufzählung der Lichtseiten der Ge-meinde das Lob, daß keine Neigung zum Separatismus undPietismus vorhanden sei und daß allfällige Eindringlinge von Außenkeinen Boden fanden. Leider zeigt's sich aber dem Beobachter bald, daßdieses Lob insofern sehr zu reduziren ist, als jene Abneigung vorwiegmdin religiöser Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit ihren Grund hatte. Lesen,