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Senfl hat ohne Zweifel sofort dem Wunsche Luthers entsprochen,die Antiphona componirt und an ihn gesandt. Denn am 1. Januar 1531schreibt Luther wiederum an Baumgartner.
Gnade und Friede in Christo. Ich habe dir eigentlich nichts zuschreiben, mein Hieronymus, als dich zu bitten, daß du dieses Packet anHerrn Ludwig Senfl bringen lassest, was du mir nicht übel nehmenwollest. Denn er selbst hat mir dich genannt als Mittelsperson, wennich ihm schreiben wollte. Ich sende ihm einen Brief') und als Zeichenmeiner Dankbarkeit einige Büchlein. Was es neues giebt, erwarte ichvon euch zu vernehmen. Lebe wohl in Christo mit all' den Deinen.Wittemberg am Fest der Beschneidung des Herrn 1531. Es grüßt dich-ergebenst mein Herr Käthe (Lulutut ts rovsrsntor Lowinus rasnLotstn) dein Martinus Luther.
Luther war jedenfalls sehr zufrieden mit der Arbeit Senfl's. Dennin Selneker's Listorion orntio vom Leben und Wandel Luthers heißtes: „Es hat auch Lutherus zu Coburg das güldene und himmlischePoema, welches er selber genennet hat, das schöne Oonsttoinini ge-schrieben, in welchem er als ein Symbolum den Verß gebraucht hatUon inorinr, Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HerrnMerck verkündigen, welchen Verß sampt den Worten In pnoo in iäi-xsnill oto. ihm der weitberühmbte Ludouicus Senfel, des von BaiernComponist, mit etlichen Stimmen componirte und schenkte auf seine Bitteund beger. Ist jhm derhalben Senfel auch allezeit lieb gewest." Und-als einmal an der Tafel des Herzogs von Coburg eine Mottete Senfl'sgesungen wurde, rief Luther: „solch ein Muteten wie der Senfl könntich nit machen, und wenn ich mich zerrisse."
Eine andere Korrespondenz ^) Senfl's ist uns noch aufbewahrt, und-
') Dieser Bries ist verloren gegangen. Auch ist nicht bekannt, was fürBücher Luther dem Senfl schenkte.
2s Allgemeine Musikalische Zeitung 1863, Nr. 33, Seite 564 ff., vonMoritz Fürstenau.