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merkwürdigerweise war auch diese mit einem der Reformation durchausergebenen Fürsten, Albrecht, Markgraf von Brandenburg-Ansbach'). Ob-gleich dieser durch die religiösen und politischen Wirren, an denen Preußenlitt, nach allen Seiten in Anspruch genommen war, fand er doch nochZeit, sich mit der Kunst zu beschäftigen. Er Pflegte und schützte die erstedeutsche Tonschule, als deren Haupt Eccard gilt, und setzte sich mit denersten Musikern des Auslandes in Verbindung, um von ihnen Kom-positionen zu erhalten. So hatte er sich schon im Jahre 1531 an Senslgewandt, und als Geschenk für das von diesem Geleistete ihm 22 Ellenpreußischen Damast's versprochen. Doch beim Versprechen scheint es ge-blieben zu sein; denn unterm 1. August 1532 schreibt Sensl an HerzogAlbrecht:
„Durchleuchtiger hochgeborner Fürst und genedigister Heer. Mirzweiffelt gar nit Ewer fürstlichen Gnaden tragen genedigs wissen, daßich aufs derselben zuschreiben »erschwer Jar etlich Motetten und gesangzu untertenigen gefallen in sechs eingeplanten piechten ^) überantwurten hablassen. Dargegen mir in namen E. F. G. durch Michln Spilberger da-zumall derselben Cantzler ain erung (Ehrengabe) und zweiundzwaintzigkkellen preissischen tamast zugesagt." Diese seien ihm nicht zugekommen,und bitte er demnach unterthänigst, er wolle die Ordre erneuern. Umüber nicht gar zu unverschämt zu erscheinen, sende er anbei dem Herzog.„am claine music". Was ihm nun der Herzog senden wolle, möge erdurch Vermittlung von Jörgen Vogler, Cantzler zu Annoltzbach, (alsowieder eine Mittelsperson!) ihm schicken. Unterschrieben ist der Brief:E. F. G. Undertheniger Ludwig Scnnfsl genannt Sweytzer FürstlicherKomponist zu München.
Ein zweiter Brief stammt aus dem Jahre 1535 und ist wieder einköstliches Denkmal der Bescheidenheit des Meisters.
>) Ueber ihn vgl. herbst a. a. O. Seite 86.
2) Nach dem Gebrauche der Zeit war jede Stimme in einem eigenenBand. es sind also sechsstimmige Motteten gemeint.