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solle/ auch dem angeben desselben / wiewol ohne nutzen/ folgte; daer rieth/man solle canonen-schüffc inS blind hinein aufdie Häu-ser der stadt thun; so wurde sich dieselbtge ergeben. In kleinigkcitenund in fällen / da eS einem König nicht anstehet / war er sehr eigen-nützig und gcitzig. Seine schwachheit machte/ daß er sehr mißtrau-te/ und leicht alles böse glaubte/waS man von einem sagkc/wiewoler nickt im stand war / jemand vor sich zu schaden oder zu helffen.Sonst wäre seine Neigung von natur nicht böse / deßwegen er auchden beynamen des gerechten bekommen / ob er ihn gleich durch wer-cke zu behaupten nicht fähig war. Der unmäßigkeit und unzuchtwar er sehr feind / und wenn rhm ja zuweilen ein frauenzimmeraufferseiner gemahlin gefiel / blieb eS bey einer plnloli-pkischen lie.br / dabey die sinne nicht viel genossen. Er war in der jugend sehrversäumt worden/ daß er nicht viel gelernet / ausservogeistellen/darinnen er ein Meister ward. Erbrachte er auch bey mehreren jäh-ren gar wert in der jagd/ und hat die namen seiner Kunde auswen-dig gekunt/ auch mit denselben besser / als mit menschen reden kön-nen / denn es ihm zuweilen an der spräche und Materie fehlte. Inder kricgs-daukunst und -reiuerie-wiffenschafft hat er eS durch diefeld-züge / denen er beygewohnt / auch wett gebracht gehabt. Sei-ne regierung ist vornemlich deßwegen merckwurdig / weil in dersel-hen der gründ zu der folgenden gröffe vvn Frarickreich gelegt wor-den. ?-»tirli. cie I.ouis Xlll.
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rlien vv»s rur tüNoric 6er krickclieu getiürk. Lc. *
^udooicus XIV/ König in Frankreich . Er war ein söhnLudwigs Xlll und Anna von Oesterreich , welche denselben nachlangwieriger Unfruchtbarkeit den; sept. -6;8 gcbohren. Den Kö-nig seinen Herrn vatter vergnügte die geburt dieses Printzcn derge-stalt , daß er ihn aacolizwio nennte / und durch die
freude an einem schleichenden fieber gesund ward. Man trägt sichzwar in gewissen länderen, mit einer besonderen erzehlung , einigeHerren vom Hofe hätten einen berühmten aus
Teutschland kommen lassenden stand des Himmels bey der geburts-stunde des Printzcn wahrzunehmen, worzu ihm neben der Königinihrem zimmer ein c-bm-r eingeräumet worden, der aber hernachmit der spraache nicht heraus gewolt, und endlich nach langemweigern nur die Worte gesagt: <lurs, /eiici-e-. Allein wie
das mährgen gar weit von Franckreich zu erst ist ersonnen worden;also verdienet es auch nicht die geringste wiederlegung. Dis ist hin-gegen gewiß, daß dieses Königliche kind zähne mit sich aufdie weitgebracht,des,vegen fast keine jaug-amme bey ihm ausdaurcn konte,und daher der berühmte Grolius, der eben zu selbiger zeit in Paris war, gelegeoheit genommen, in seinen bliesen von ihm zu weissa-gen, daß er dereinst gewaltig um sich fressen werde, oder wie seineWortlauten ; kclon ssne luc,,,-« r2pLc,c.ic,z ; wobey doch keinzweiffel daß jeder andere in allen dergleichen fällen solche urtheil,doch mehr in schertz, als ernst wurde gefallet haben; wie sich dannauch Grotius dieserwegcn sicherlich für keinen Propheten ge-halten haben solle , wann er gleich erlebt hätte, daß dieser Könignachmahlen seine nachbaren noch so scharf herum genommen, alsvon ihme geschehen ist. Der Printz ward kurtz vor seines Vaterstobe, den 21 apr. 164; getaufft, da er den nämcn Ludwig em-pfieng,und verursachte bey dieser gelegeoheit unschuldiger weise demalten Könige noch einen empfindlichen Verdruß. Denn als ihn der-selbe nach der tauffe fragte, wie er nun heisse? antwortete derPrintz:Ludwig XI V , welches dem vater sehr mißfiel, da ihn solcher ge-stalt auch diß kind als einen todten mann ansähe. Er kam bald dar-aufzur regierung, die aber wegen seiner jugend von seiner mutierund dem Cardinal Mazarin verwaltet wurde, der durch seine kün-ste, ob ihm gleich dieje stelle nach der Verfassung des verstorbenenKönigs nicht zugedacht gewesen, und sonderlich die verwiltibte Kö-nigin anfangs wieder ihne, als eine Creatur ihres Verfolgers desRichelieu einen zimlichen wiederwillen bezeugt hatte, dannoch eheman sichs versähe, das helft in die bände bekam , und alle andereentfernte, die zum theil mit besserm rechte auf solche gewalt hättenansprach machen können, wiewohl auch noch in mehrern stückendas von der verwitlweten Königin gewonnene oder vielmehr derenzur Vormundschaft! ihres sobns nach denen ältesten Reichs-satzun-aen und aewobnheiten habendes Vorrecht erkennende Parlament,Ludwigs Xlll sein testament hindansetzte. Der junge König wardnach zurückgelegtem siebenden jähre mit einemHofmeister versehen,dazu man den Marquis von Villeroy erwählte. Die völlige auf-ßcht über stine erziehung aber ward dem Cardinal Mazarin anver-trauet. Die unruhigen zeiten, welche in des Königs Minderjährig-keit einfielen, hinderten seine zucht sehr. Denn man muste den jun-gen Herrn stets von einer provintz zur andern herum führen, friedezu erhalten. So hatten auch die Regentin und der Cardinal immermehrvor ihre eigne erhaltung zu sorgen. Dahero geschahe es, daßdieser Herr zwar zum kriege lust bekam, den er stets vor äugen sahe,und allerley leibes-üdungen, als reiten, tantzen,schießen,ball-spielenin grosser Vollkommenheit begriff, in wissenschafften hingegen nichtso geistig qeüdet wurde. Es ist eine Übersetzung von einem stück desCäsars unter seinem namen gedruckt, von welcher gewiß ist, daß ersolche stückweise / als kleine -bemcr unter seinem p^cepcorPerefireerkläret, und Nachwahl vsrci-ret, wie dann das von des KönigsHand geschriebene -xempi-r sowohl als andere aufsähe, die ihme ab-gedachter ^ont. Perefixe inFrantzöstscher sprach aufgegeben,er aberhernach lat. gemacht hak, annoch in der Königlichen bibiiorkec zusehen sind; wiewohl nicht verholten ist zu glauben, daß an der trsns.t-rion des Cäsaris, ehe sie in druck käme, ein und anderer ort mögeverbesseret sein worden. Einmahl hat man in diesen jungen jährendes Königs schon wahrgenommen/ baß er eine besondere ernsthaft»
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tigkeit besitze, asiermassen er an keinem kindischen zeit-vertreibe krsthatte, sich schämte,wenn er je zuweilen über dergleichen angetroffenward, und seinen bruder, der viel lebhaffter und lustiger war, des.wegen zum öfftern erinnerte, der ihn deswegen nur x°ne p-p, zunennen psiegte. Der ansang von seiner regierung war glücklich,weilder Printz von Enguien die Spanier bey Rocroi dergestalt schlug,daß sie es den gantzcn krieg über gefühlet, weilen daselbst ihre alteund diß dabin fast unüberwindlich gewesene wksm-rie völlig um-ringet, und niedergehauen worden. So erlangten auch die Frau«höfischen Waffen in diesem und den folgenden jähren anderwärtswichtige vertheile, welche durch den Westfälischen frieden 1648zum theil behauptet wurden. Denn in demselben ward den Frantzo»sen Elsaß von dem Kayser abgetreten, und sonst vieles eingeräumet,so sie vor ihre bundes-genossen suchten. Mit Spanien aber kuntensie damals noch zu keinem frieden gelangen, worauf der krieg zwi-schen beyden cronen diß iüzy fortgesetzt ward. Indessen hattensich mit dem jähr 1647 gefährliche innerliche unruhen in Franck-reich angesponnen. Das Parlament war mit dem Hofe öffentlichzerfallen, wegen einiger befehle, die dasselbe als schädlich nicht regl-striren wolle; daher die parthey der kro-ill-ur- oder Schleidererentstund, welchen namen sich diejenigen gaben, die der gewalt desCarbinals zu wieder waren, die denn zu ihrem zeichen schleudernauf den hüten führten. Es kam -648 zum öffentlichen ausiauf, weilder Hof etliche Parlaments-Herren halte lassen in arrest nehmen.Die Regentin und der Cardinal machten sich mit dem jungen Kö-nige aus der stadt, gaben aber bald darauf dem Parlament nach,in Hoffnung, solcher gestalt die mißvergnügte vor dißmahl zu besänf-tigen. Allein da das Parlament dadurch nur ungestümer ward,ver-ließ der Hof, der indessen den Printzen von Conde aufseme feite ge-bracht , Paris abermahls den s jan. 1649 , und beschloß diese stadtmit gewalt zum gehorsam zu bringen. Es entstund darüber einegrauliche spallung, indem sich die Printzen vom geblüte und andreGrossen durchgebends theilten und ihrer viele den Parisern beytra.ten. Der ort ward gleich nach dem abzuge des Hofes durch denPrintzen von Conde eingeschlossen, und da die bloquzcje fast em vier-tel jähr gewährt, friede gemacht, wiewohl die Spanier die fachengern ln der Unordnung erhalten hätten, inmassen sie dem Parlamentihre hülffe anbieten liessen. Jedoch gicng der König nicht gleichwieder nach Paris , sondern erst nach Compiegne , unter dem vo»wande, dem feld-zuge in Flandern näher zu seyn, nach dessen endi-gung der Printz von Conde dengantzen hofund auch den Cardinalwieder nach Paris führte. Das folgende jähr gerietb schon alleswieder in neue Verwirrung, indem die Königin und der Cardinaldie Printzen von Conde, Conti und Longveville gefangen nehmenliessen, weil Conde ihnen zu gebieterisch zu werden anfieng. Diefreunde der Printzen ergriffen darauf auf allen feiten die Waffen,und da muste der König noch in demselben jähre nach Burgund und der Normandie reisen, diese länder durch seine gcgcnwart imzäum zu hallen, und endlich auch Bourdeaux belagern, welche stadtsich vor die Printzen erklärt hatte. Am anderen theile fiengen dieSchleuderer wieder an über den Cardinal zu schreyender durch denfall der Printzen zu mächtig zu werden schien. Sie thaten solchesmit solchem Nachdruck, daß der Cardinal auf seine ficherheit zu den-cken anfieng, sich den 6 fedr. is; 1 heimlich aus Paris wcg begab,und die regierung muste sich daraus erklären, daß die Printzcn'mfreyheit gesetzt werden und der Cardinal aus ewig von dem Köni-glichen Rathe ausgeschlossen seyn solle. Aus verdroß über diesenHändeln war die Regentin entschlossen, denKönig edenfals heimlichaus Paris zu führen. Aber ob gleich schon alles dazu fertig war,ward sie doch durch die Schleuderer, die es erfahren und dagegenansialten gemacht hakten, verhindert. Die Printzen waren wiederauf freyen fuß gesetzt, und Conde kam nach Paris , welches uuver-muthet zu neuen Händeln anlaß gab, indem er sich weder mit denSchlcuderern noch mit dem Hofe vertragen kunte, und weil ermeinte, daß ihm die Regentin aufs neue nach seinem leben odernach seiner freyheit stehe, auf gewallhätigkeiten bedacht war, undsich deshalben mit den Spaniern einließ. Indem sich nun alles zumausbruch der bißherigen zwistigkeiten schickte,trat der König in seini4tes jähr, wcßwegen er den 7 sept. iü; 1 im Parlament zn Paris die regierung selbst übernahm, und zum anfange derselben schärfstbefehle wieder die Zueile und gotteslästerungen gab. Ob es nungleich so hieß, daß der König selbst regiere, hatte doch seine mutierund der Cardinal Mazarin , welcher auch abwesend durch brichtnoch alles am Hofe ordnete, den meisten gewalt. Bald daraus men-gen die feindseligkeiten zwischen dem Hofe und dem Printzen öffent,lich an. Beyde theile brachten völcker auf,und der König zog selbergegen ihn zu selbe. Das Parlament zu Paris erklärte sich zugleichgegen den Printzen und gegen den Mazarin . Diesen aber ruffte dieRegentin unter desKönigs nahmen bey solcher gelegenheit als einenunentbehrlichen mann wieder an den hos,ließ ihn zu seiner ficherheitmit einer armee einhohlen, und der König vernichtete alle sondernParlament wieder ihn gemachte satzungen. Des Königs vetter, derHertzog von Orleans , schlug sich hieraufauch zum Printzen, undward zum Reichs-verweser erklärt, der Printzrufftc dicSpanier zuhülffe, welche denHertzog von Lothringen mit etlich tausend mannnach Franckreich schickten, der aber, ohne daß er hin und wiederplünderte und verwüstete, nichts sonderliches that. Beyde armemkamen endlich bey Paris zu stehen , da die Königlichen den Printzangriffen und ihn über den Haussen gemorsten hätten,wenn nicht dirPariser , so biß dahionoch "-uirzi gewesen , sich unter wehrendemhitzigsten geftcht, da man sich vor ihren äugen in der vorstadl St.Antoine schlüge, sich sonderlich durch demühung der kis-l-mmi-ii,des Hertzogs von Orkans tochter,plötzlich aus des Printzen feite ge-schlagen , die stucke aus der Bastille aufdes Königs armee ftlirea