Vorrede.
machen können. Das unparteyische Publicum wird nach anhö,rung beyder theile den besten ausschlag geben. Diejenige hin-gegen , welche erst nach vestgestellter aufläge stch haben bewegenlassen, ihre mühe an das Werck zu wenden , und nun endlichdie so nothwendige vermehr-und Verbesserungen zum stände ge-bracht; die mögen ja deswegen von keinem billigen menschenverdacht werden. Und wann der allzuheftige Verfasser derLeipziger censur , wie er auch gegen seine ausdrückliche er*klärungen allbereit nicht undeutlich zu thun getrachtet, diesel-ben ins künftige , sonderlich da er ihnen in andern stucken nichtnach wünsch beykommen könnte, einiger Massen Hiebey in glei-chen verdacht der gewinnsucht ziehen wollte; so giebt man ihmschon jetzv zum voraus folgenden dreyfachen bericht: i.) Daßseinem , das ist, dem Leipziger Herrn Verleger genugsam be-kannt sey, auch allenfalls mit unwidertreiblichen zeugnissenkönne erwiesen werden, wie dieser noch weit mehr Vortheil an,geboten , als man zn Basel nur hat begehren oder fordern mö-gen ; wobey denn die beweg-ursache: daß Baselische Professoresden Baselifchen Buchführern in ihren sonst nicht unbilligennoch dem Publico »»nützlichen Unternehmungen vor allen an-dern behülflich seyn sollten, nothwendig hat vortreffen müssen,a.) Daß eben dir, über welche der Herr Gegner jetzv am meisten«rboßt seyn mag , durch auflegung der conten und briefe vielernahmhafften Buchführer in Teutschland, Franckrcich, Hol.land und Engelland auf einmal klar machen tonnen, wie sienoch wol mehr geld an die zu vermehr-und Verbesserung des Le-xici nothwendige bücher gewendet haben, als ihnen nur hatmögen in den sinn kommen, für ihre dabey geleistete arbeit ;ufordern. Und z.) endlich, daß man auch von ansehnlichenPersonen, die solches unschwer gestehen werden, was sie etwanin ansehung der bey ihren artickuln genommenen mühe zu eini.ger erkänntlichkeit angeboten , ja gar zum theil haben aufbrin,-gen wollen, beständig ausgeschlagen hat. Welches alles gleich-wol der gelehrte Herr Gegner gar nicht dahin ausdeuten soll,als ob man andern , oder auch ihm selbsten das recht streitig zumachen begehrte , in dergleichen fällen noch kräffttgere zeichender danckbarkeit anzunehmen, oder von freyen stücken zu for-dern. Genug , daß er feiner seits in gegenwärtiger fache, wiegerne er auch wollte, an den Baselischen nichts mit einigem fu-ge anzutasten findet.
Die zweyte klage betrift den stylum oder die schreib-art, wel-che in den gemachten zugaben gebraucht wird, und gar un-gleich , unrein und unteutsch seyn solle. Hier ists fernevon denen, so an vermehr-und Verbesserungen des Lexici, undzwar jeder für sich selbst und an seinem orte gearbeitet, daß sieehre schrcik^art selbst gut heissen, und also , da solche anjetzo ge-tadelt wird, durch eine weitläuftige schutz-schrift rechtfertigensollten. Man begnüget sich also, dem Herrn Gegner nur etli.che ivenige allgemeine erinnerungen darüber vorzustellen :
1. ) Weil er in der so vesten zuversicht gestanden , daß sich dieBaselische ausgäbe durch diesen einigen vorwurf gäntzlich zer-nichte» lasse, und allen liedhabcrn der reinen Teutschen Mund-art , deren anzahl, wo ers je bisher nicht gewußt, auch in derSchwcitz selbsten mercklich groß ist, auf einmal ein gäntzlichereckcl davor müsse erwecket werden ; so hätte er für seinen HerrnVerleger wohl gethan, wann er den so wichtigen satz deutlicherwiesen, und entweder eine genügsame anzahl artickul genen-net, in welchen der Leser dergleichen unreine und unteutscheredens-arten oder eonünEiones und zusammenhänge von selb-ften antreffen könnte, oder auch , wo er >ie so fehlbare redens-arten selbst angezogen hatte. Nun aber bringet er allein vondem artickul des Schweitzerischen flnsses Aar etwas vor; da erdoch schon aus der vorrede des ersten theils ersehen mochte, wiedie zu der Evdgenoßschafft gehörende berichte von gar vielen dievatterländische geschichte z» erläutern begierigen Personen einge-sandt worden seyn: So daß, wer auch an dem bedeuteten orteweiß nicht wie viel äuszusetzen fände, darum noch nicht wußte,ob nur zehen aus gleicher feder geflossene beschreibungen sich indem Baselifchen Lexico antreffen lassen ? Dann was der HerrGegner sonst noch für unrichtige constructionen hat anführenwollen, wird sichs gar bald bey der absonderlichen Untersu-chung aller und jeder gemachten vorwürffe zeigen, ob solchesnicht vielmehr theils offenbare druckfehler, theils gar geringeÜbersetzungen seyen , denen jeder allzu fertig schreibender unler-worffen, und welcher gleichen eben in den zwey vorhergegange-nen Leipziger ausgaben des Historischen Lexici , ohne mühcsa-mes nachsuchen, gar viele können gesunden werdest ; wie da-von der Herr Gegner an seinem orte die proben sehen soll.
2. ) Was die beschreibung der Aar ins besondere betrift, wel-che der Herr Gegner poetisch heisset; so hat man verschiedeneder Teutsche sprachen sehr wohl kundige und gar in Sachsen ge-dohrne Personen, weil ia auch dieses hiez» dienen soll, gebäten,ihre meynungcn davon zu sagen : Welche aber den artickul nichtnur von ansang bis zu ende gar leicht verstanden, sondern auch^ bannn bey ausbrückung der verschiedenen krümmungen,anstoßen , und in die Aar einflieffender wasser gebrauchteverastderungen oder veränderte reden eben so wenig ungewohntoder unteutsch haben befinden können, als die in den beydmLeipziger auflagen in gantz gleichen fällen angebrachte Wörterund veranderunqen sind. Das einige Wort rutts, so den laufdes flusseS anzudeuten einmal gefetzt ist, war nrcht allen gleichbekannt. Allein da es unstreitig ein uraltes Alemannischeswo«, und in der gegend, wo der fluß durchläuft, sowol,
als noch an andern orten Obcr-Teutschlands in gemeinem ge-brauch ist; so werden die besten kcnner solches in dem gedachtenartickul am wenigsten verwerffen. Es hat damit eben die be-schaffenheit, wie etwan mit denen bey besondern künsien undhandwerckern, oder auch bey verschiedenen nur in gewissen län-dern befindlichen fachen ; da ja die unter den handwerckern,künstlern oder landleuthen von solchen ordentlich gebrauchte,und durch lange bestückte redens-arten und ausdrückungcn , obschon die sonsten nicht durchaus bekannt sind, nicht allein vonverständigen keinesweges getadelt oder verachtet, sondern viel-mehr vor andern gut geheissen , und von freyen stücken erfor-dert zu werden pflegen. Doch es lohnet in Wahrheit der mühenicht, von dieser kleinigkeit so vieles zu sagen.
Eine dritte erinncrung, so man hier dem Herrn Censorizu geben hat, ist diese: Er wolle sich ja nicht gar zu sehr aufdas so gemeine vorurtheil einiger meist ungelehrter oder doch ge-wiß nur halbgelehrter Personen steuren, welche sich und ihremlande immer gewisse besondere Vortheile gantz allein und mitausfchiiessung aller andern zuzuschreiben gewohnt sind. Eswäre sicherlich nicht allzu klüglich von ihm gethan, wo er sichhier zur ungcbühr mit der betrieglichen Hoffnung schmeichelte;als ob sich ein in Ober-Teutschland, oder, wann es ihm ge-fällt , auch mitten in der «Lchweitz verfertigtes buch auf einmalzu gruude richten, oder für allezeit unter die banck stecken liesse,wo nur ein aufgetretener Censor, entweder mit grossem schnau-ben und pochen, oder durch eine angemaßte höllische Verach-tung , desselben schreib-art für unrein und unteutsch auszu-schclten unterstehet. Auch hak unser gelehrte mann allenfallszu gedencken , daß, wo nach so grossem gemachten aufsehen,und nach einem ohne angeführten beweis auf sein blosses an-sehen hin gesprochenen allerschärfsten urtheil, anfänglich nurwenige leser, die schreib-art solchen buchs gleichwol noch ziem-lich erträglich finden werden, seine hochtrabende Worte hinfüh-ro eben wenig mehr gelten, und also auch dessen übrige Versiche-rungen einmal allen glauben verlieren müssen. Ohne demHerrn Gegner jetzt vom bekannten Jesuiten Bouhours zu mel-den ; so mag er wol auch etwan gehöret haben, wie sehr dieie-nigePariser unter ihren eigenen lands-leuthen pflegen verlachet zuwerden, welche bey sich den vesten schluß machen : daß ausserParis niemand ein artiger geist oder ein bei esprit seyn könne,und denn nach dieser saubern grund-regel von allen, die ihnenvorkommen, das urtheil fällen, so bald sie nur wissen, wo sel-bige gebohren oder auferzvgen sind. Von dem bei elprir, wel-cher ohnedem hauptsächlich in artigen einfällen und netten aus-drückungen bestehen soll, ist der Ursprung nicht so weit, alsder Herr Gegner wol meynet, zu der fchreib-art. Die Teutschespräche floriret freylich in Sachsen gar fürtreflich; allein diegeistreichen und gelehrten männer dieses edlen landes, welche inder Teutschen beredtsamkeit den grösten rühm davon tragen,werden sich wol nie mit dem angezogenen vonirtheil groß ma-chen , und alles, was ausser ihrem vatterlande geschrieben,darum gleich so höllisch und verächtlich ansehen wollen.
Viertens , hat unser Herr Gegner, indem er schlechter din-gen , was zu Basel aufgesetzt worden, für gantz ungleich,unrein und unteutsch ausschicket, seinem Herr» Verlegerwider vermuthen einen gar schlechten dienst gethan. Dann daeinmal die Baselische vermehr-und Verbesserungen anjetzo einengar nahmhafften theil des Teutschen Lexiri ausmachen; sofolget nothwendig daraus, daß bey der vorhabenden neuenLeipziger aufläge eines der folgenden drey stücken geschehen müs-se. Entweder muß man alles, was zu Bafel dem Wercke istbeygefügt worden, gäntzlich weglassen , oder man ist gezwun-gen , solches durchgehends umzugiessen, und aus der Barbari-schen Schweitzer-sprache in recht nettes und reines Teutsch zuübersetzen; oder man wird ungeachtet des erregten geschreycs,dennoch alles, so von den Baselifchen zusätzen und ausbesserun-gen soll behalten werden, in dem stände, wie es jetzv ist, las-sen. Auf den ersten fall darf man dem Herrn Gegner ohne dasgeringste vertrauen auf die eigene arbeit gleichwol noch so vielvermelden, daß durch dergleichen weglasiung der Baselifchenzusätze und Verbesserungen seiner erwartenden neuen Leipzigeraufläge kein geringer schade beschchen, und deren vertrieb garmercklich gehemmet werden sollte. Auf den andern fall wirddie arbeit gewißlich nicht geringe seyn , fondcrlich da sich einmalein sehr nahmhaffter unterscheid zwifchen der so heftig ausgc-scholtenen Baselischen , und der im gegentheil für so rein angc.priesenen Leipziger schreib - art zeigen muß. Bey erivchlungdes dritten endlich könnte man nicht ausweichen, eines dieserzwey stücken zu gestehen: der Herr Gegner habe entweder denmund ohne Ursache allzuweit aufgethan, und sich mit seiner be-scheltung breiter gemacht, als er hätte thun sollen; oder manhabe gegen ein so wichtiges versprechen,dennoch den fehlhafftenttylmn der Schweitzer, nur um etwas weniges zu ersparen,mit fleiß beybehaltend Und hier mag sich der Herr Gegner zumvoraus gewiß versichern, daß es ihm, auch bey gäntzlichem still-schweigen der Baftlischcn, an curiösen Lesern nicht mangelnwerde, welche die beyden ausgaben zusammen hallen, und vonder Wichtigkeit der gemachten ausbessernngen in der schreib - artsich genau erkundigen sollen. Wann dann in grossen stückender Basellschen neuen zugaben keine oder gar wenige und ge-ringe Veränderungen gefunden, oder, wie man damit allbe-reils in der jetzt vor Handen habenden censur den ansang qcma-chet hat, die blosse ausmusterung einiger offenbarer bruck.odcr
schreib.-