Vorrede.
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zweiftll», daß vielgedachter Demeneclius ebenfalls unter denvon Pompejo eingesetzten, folglich allbereit ybasyj(. oder von VierfürAlichem geblüt, gewesen sey? Woaber jetzo jenes erstere gewiß, und Adiatorix nicht nur einen Te-trarchen tum vatter gehabt, sondern auch noch ferner aus einemalten Trtrarchischen geschlechte abgestammet; so lä,K sich zu-letzt auch noch dieses gar wahrscheinlich schüessen : M. Anto-nius , welcher dem manne ohnstreitig eine Herrschafft ertheilethat, so den nahmen eines Vierfürstenthums schon mehr als ge-nug verdiente, werde ihm denn auch anbey den titul, den allbc-reit sein vatter und mehrere Voreltern getragen, nicht verweigerthaben. Wer das grössere gegeben, soll vermuthlich auch indem geringern nicht sparsam gewesen seyn; sonderlich da einerseits Adiatorix so vielfältige nrsach gehabt, auch dieses gerin-gere zu fordern; andern theils aber Antonius in seiner gunst undfrevgebigkeit, wo er jemand wohl gewollt, ebensowenig maasund'ziel zu halten gewußt hat, als in seinem haß und Verfol-gung, wann er je anfienge einem menschen gram zu seyn.Nun kan der unparteyifche Leser urtheilen, ob man nicht be-fugt gewesen, dem gedachten Galatier den vormals in Leipzig mitgetheilten Vierfurstlichen titul zu lassen; und ob hinge-gen unser gelehrte Gegner so gar weislich thue, wann er jetztdarüber gegen seinen eigenen Mitarbeiter streit anfängt, nur inder schwachen Hoffnung, durch dessen feite auch die Baselischezu verwunden?
Was selbiger noch ferner bey diesem artickul vorwirft: manhätte zur ungebühr ausgemacht, welcher theil von der stadtHeraclea dem Adiatorix eingeräumet worden, indem Stra-bonis text zweiselhafft sey; darauf antwortet n,an: Der Grie-chische text in der schon zuvor grmeldten ausgäbe Xylandri,welche man zu Basel gebraucht, enthalte den erzehlten um-stand so klar und natürlich in sich, daß ohne mcrckliche Ver-änderung der Worte kein anderer verstand heraus gebrachtwerden möge. Hat je ein Criticus , weil ihm schwer schiene zubegreiffen, wie M. Antonius diesem Adiatorix , als einemfremden, habe können die Römische colonie scheuchen , den ortfür zweiselhafft angesehen, (als worüber man jetzo weder zeitnoch tust hat, sich durch langes nachsuchen zu erläutern, daeinmal die noch erst an. 1707. von Älmelovenio heraus gege-bene edition und deren beygefügte anmerckungen so vieler Ge-lehrten nichts desgleichen vorbringen) so kan doch dein HerrnGegner mehr als genug seyn; i.) daß, insonderheit in einemHistorischen Lexico , die blosse muthmassung eines gelehrtenmanns dem heitern und wohl zusammen Hangenden text einesalten scribenten nicht so leicht müsse vorgezogen werden.
Daß M. Antonius , nachdem er einmal alle Römische sitten«nd gedancken, so zu reden, abgelegt, und ein vollkommenerEgyptier und Aster geworden , noch wol gröbere und frecherestücke begangen habe, als das eingebildete ist. ;.) Daß maneben nicht alauben darf, die colonie von Heraclea sey aus ge-hobenen Römischen bürgern bestanden; Massen ohnedem garoft freygelassene oder sonst fremde, welchen das bürger - rechtneu geschenckl worden , an solche orte hinzuziehen pflegten , umderen zustand das Römische vvlck sich eben nicht allemal zumhöchsten bekümmerte.
7.) Der siebende vorwurf soll jetzt den artickul JEdiles tref-fen. Da will der Herr Gegner, man hätte über das ange-führte noch ferner aus Dione melden sollen: da dieser Ldilivman der zahl sechse geworden, wären viere davon Plebeji gewe-sen. Nun ist biß freylich also geschehen. Allein man kan dabeyden Herrn Gegner, wo ers je bisher noch nicht gewußt hat, ge-nau versichern , diese anmerckung sey von so gar geringer Wich-tigkeit , daß, wo man solche in dem artickul würcklich gemeldethatte, und zugleich von ihm dem Herrn Gegner die fache etwasbesser wäre eingesehen worden, selbiger wol mit grösserm scheinmochte geklagt haben, weil man von solcher kleinigkeit gedacht,als er nun klaget, weil man unterlassen davon zu gedenckcn.Der beweis hievon ist sehr leicht, und beruhet hauptsächlich dar-auf, daß die gantze Verordnung von den sechs iEdilibus nichtunter währendem freyen regiment der Römer, sondern ererstvon Jullo Cäsare in seiner Dictatur also gemachet worden. Nunaber »st von selbiger zeit an das ansehen und die gemalt aller Rö-mischen ämter, nur das Bürqermeifterlhum ausgenommen,Dergestalt qesuncken; und hingegen der unterscheid der Römi-schen valricischen und bürgerlichen geschlechter immer so geringegewesen, daß eS fast auf keine weift der mühe lohnet, noch lan-ge anzumercken, wie viele Plätze in solchen niedrigen ämtern vonDen Patriciis , und wie viele hrnwiederum von Plebejis habenbesetzet werden dörfen. Mehrere Gelehrte, welche von beschaf.fenheit sowol der Römischen Rcpublick überhaupt, als abson-derlich der bey selbiger in Übung gewesenen ämter, in eigenenschriften gehandelt, haben es deswegen nur nicht der mühewerth geachtet, ihre beschreibungen weiter» als bis zu den zei-len Casaris und Augusti zu bringen. Nun läßt man zwar diesesan seinen ort gestellct seyn, wie wohl oder übel diese hierinn geur-Iheilet haben. Aber ein anders ist das noch übrige ansehen derämter, und deren einfluß ins regiment unter den Kaysern;ein anders die qualität oder geburt, so man zu selbiger zeit andenjenigen erforderte, welche dazu haben gelangen »vollen. Dißletztere verdienet einmal bey einem amte, so damals ohnedemnicht mehr gar hoch geachtet worden, gar schlechtlich, daß mandavon viele Worte mache.
8.) Wo dieser siebende vorwurf klein gewesen; so ist gewißoer letzt folgende achte gar nicht wichtiger. Es heißt da : InAeschmes n. 2. ist der umstand, der in der Leipziger aufjage zur ungebühr unter dem ersten Aefthine gestanden.b»U,g hrcher gezogen. Aber warum hat man nicht densutvorem beygesetzt, da er zumal bey keinem, die unterbeyden Aeschmes angeführet sind, sondern bey Seneca,de denekciis lib. I. c. 8. zu finden ? Was antwonen die Ba-seler hierauf? Sie vergnügen sich i.) mit dem, daß der HerrGegner selbst gestehen muß, es wäre hier ein nahmhaffler fehlerder Leipziger ausgäbe verbessert worden; Massen einmal in allengeschlchten und lebens - beschreibungen nichts mehrere und unan-genehmere Verwirrung machet, als wo sich einambor durch diegleichhett der nahmen verführen läßt, und daher wichtige um-stände falschen Personen zuschreibet. 2.) Erinnern sie den HerrnGegner, daß er sich irre, wann er vermeynet, Seneca wäreder einige, welcher den umstand , um welchen es zu thun, anqe-mercket habe. Diogenes Laerkius im leben Socratis c. u. thutdavon gleiche Meldung. Der Verfasser des artickuls Aeschi .ne» , eben wie jetzt auch unser gelehrte Herr Gegner, haben nurdenjenigen ort in Diogene Laertio über Aeschinem gekannt, dader nähme Aeschinis voran stehet, nemlich wo ausdrücklich devi.ta ffischinis gehandelt wird. Aber dennoch hätte auch der mö-gen genug seyn, denselben abzuhalten, damit er nicht so gar sicherführe, in Verwechselung Aeschinis des Redners mit Aefchinedem weitweisen. Alles was an besagtem orte gemeldet wird,gehet ja lediglich dahin, selbiger wäre ein getreuer lebrjüngerund gar beständiger anhängn des Socratis gewesen. Wie batman es denn von Aeschine dem Redner verstehen mögen ? 4.)Weil also der Herr Gegner siehet, wie man zu Basel diese gantzefache, auch nachdem er solche mit allem seinem angewandtenfleiß vermeynt studirt zu haben, dennoch besser und genauer be-sitze , als ers gerne zeigen wollte; so wird er jetzt endlich die Ver-geßlichkeit noch wohl zu gut halten, wo man je die örrer, welcheman so klar vor äugen gehabt, und aus benftlbm allen nöthi-gen bericht gezogen, letztlich am ende des artickuls anzuziehenversäumet hat. Dergleichen versehen mag ja niemals keinen sol-chen schaden bringen; als wo der verstand und die berichte derautborum , nur »veil man ihre spräche und redens-arten nichtrecht innegehabt, so gar fälschlich angezogen werden; wie in denvorigen auflagen an mehr tausend orten geschehen ist. Doch,wie schon zuvor gemeldet, man kan jetzt dem Herrn Gegner sogewiß nicht sagen, ob man selbst »vegen allzugrosser eil und über»hausier arbeit den Diog. Laert. in vita Socratis , und Se-nse. de benef. am ende des artickuls zu citiren vergessen, oderob solche citation die Herren drucker übersehen habe»».
Der neunte vorwurfvergleichet sich mit dem dritten, da manSalmasio allzuleicht sollte gefolgt haben , und schlägt auch ge-wißlich für den Herrn Gegner nicht besser aus, als jener. Erspricht: „ In Aganice ist der zusatz, daß diese Person durch „raach und strafe der göttin Nemesis in groß Unglück kommen, „gantz ungegründet, und allein aus einer übel verstandenen re- „dens-art in Erasmi Adagiis entsprungen, da die Alten bey die- „ser geschichte der göttin Nemesis nicht mit einem Worte erweh- „nen. „ Die antwort ist: i.) Erasmus hat das aufs allerdeut-lichste gesagt, was man ihm zuschreibet: Eam vocem tarn ar-rogantem (cum Aglaonice jactasset, feie lunam e coelo dedu-cturam in terras) audivit Nemesis, moxque peenas fumpsit.Chii. IV. Ad. ;y. Wann also je hier Erasmus verfehlet hätte;so »väre es doch andern noch »vohl zu verzeihen, wo die endlich invertrauung auf den ungemeinen fleiß , welchen dieser mann son-sten in nachschlagung aller örter der alten scribenten gebrauchthat, aufweiche seine Adagia, oder deren erklärungen gegründetsind, ihm ohne genaueres nachforschen glauben beygemessen hät.ten ; sonderlich in einem Wercke, wie das allgemeine HistorischeLexicon ist. 2.) Allein man kan nichts destoweniger den HerrnGegner versichern, daß Erasmus gar vernünftige Ursachen ge-habt, den »vorten des Scboliastis über Avollonium , welchen erwegen des streitigen umstandes anführet, diejenige bedeutung zugeben, welche auch in Basel ist beliebet worden. Man darf sichzu dem ende nur dessen erinnern, was »a in der antiquität be-kannt genug ist,daß die alten Griechen sowol,als viele andereHey-den, diese beständige meynung gehabt haben : Wo jemand aufeine begangene übellhat, auch noch absonderlich, auf bezeugtestrafwürdige frechheit oder aufgeblasenheit einiges schweres Un-glück, und diß noch zufälliger weise, begegnete; da so müsse sol-ches Unglück schlechterdings von der göttin Nemesis herkom-men , und zur strafe des vorhergegangenen Verbrechens a>,fge-legt worden seyn. Von dieser einbildung kam es , daß , »verauch etwas an sich oder andern, die »hm sonderlich lieb waren,n'ihmete; solcher immer dabey fügte : ne aodiat Nemesis.Nun aber pflegten die Griechen diese gotthcit am alleröftestenAiW zu nennen, und schrieben auch derftlbigen unter diesemnahmen in den angedeuteten fällen die strafe und raache bestän-dig zu. Und hievon wurde denn noch ferner die in Griechen land si> gemeine rcdens - art hergeleitet, /ixnv oderMcvm, für: wohlverdienter weise gestraft werden. Nunmochten wol diese worte nicht allemal eine gar genaue abilchtaus die göttin selbst haben, wo man offenbar sahe und wußte,daß dergleichen strafe etwan ordentlicher welst nach erforderungder qefttze einem aufgelegt worden. Aber wann lemand einUnglück auf eine gantz besondere und zufällige weise begegnete,
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