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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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Vorrede.

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Lcntuli war angetroffen worden. Hier wird denn ein zwevfa-cher fehler begangen, i.) Daß man den vornahmen in etnknzunahmen, oder gar in ein agnomen , oder gedoppelten bey-nahmen , wie es etwa« kan genennet werden, verändert hat;maffen Lentulus schon selbst ein zunähme gewesen. 2.) Daßmau die zween buchstaben Ti. gelesen hat Titus , an statt selbi-ge nach Römischer gewohnheit immer so viel als Tiberius heis-sen, und man hingegen das T. allein gesetzt hat, um TUnsauszudrucken; welches alles so gemeine und bekannte fachensind , daß man sich schier schämen muß, dieselbige hier zu er-

Im artickul petronius Arbiter verfällt der Verfasser zuletztauf das gefchlecht der kecronlorum , und gebrauchet da unterandern diese worte: Das gefchlecht der Petroniorum warsehr berühmt ZU Rom . Die Turpilii, Mamertini, Scptimiiund Volusii , lauter Römische Bürgermeister, stammtenvon denselbigen her. Hier ist gewißlich schwer zu sage», wieviel irrthümmer in den wenig Worten stecken, und wie elendig-lich darinn wider alle regeln, so man wegen der Römischennahmen und geschlechter zu beobachten hat, gefehlel werde,i.) Ist das schon gar unrecht, wenn man alle die sthlechter-dings von den Petroniis will herstammen machen, in derennahmen , da sie auch unter den spätesten Kaysern gelebt, nuretwas von der benennung Petronius oder Petro'nianus angetrof-fen wird. Die gründe hievon sind schon in der ersten vorredeausgeführet worden. 2.) Streitet diß eben wider die Römischegewohnheit aller zeiten, daß jemand zwey nomina gentilitia,wie Turpilius, Septimius , Petronius , und Volusius sind,zugleich hätte führen sollen, ohne den einen davon in ein cogno-men oder zunahmen zu verwandeln. 3.) Ist diß letztere würck-lich von denjenigen Römern , auf welche in dem arlickul ge-deutet wird, also geschehen, und haben derowegen die einenicht Turpilii , als welches für sich eine gantz besondere gentemoder Haupt-stamm anzeigte, sondern Petronii Turpiliani , sonun nach Römischer gewohnheit gantz was anders bedeutete,geheiffen; der zweyte nennte sich auch nicht Septimium, son-dern aufdie gleiche art M. Petronium Septunianum; der drit-te nicht Volusium, sondern Petronium Äolusianum. Allwodenn alle diese aus nominibus gentilitiis hergenommene zunah-men (wann nur in so späten zeiten, da die gedachte männerlebten, annoch die alle gewohnheit platz gehabt hätte, wie scl-biae bis unter Augustum aufs fleißigste war beobachtet worden )gar nicht nach dem sinne des Herrn Verfassers andeuteten, daßbte Turpilii, Septimii und Volusii von den Petroniis hcrge-stammt; sondern lediglich dieses: daß diejenige, so man in denfolg-reihen der Römischen Lonstilum angetroffen, und die sichmit ihren zunahmen der eine Turpilianum, der andere Septi.mianum, und der dritte Volusianum genennet haben, da übri-gens das nomen gentilitium Petronius diesen zunahmen vor-her stunde; daß solche zwar ursprünglich eben von den 8eptimiis,Volusiis und Turpiliis abgestammt, aber durch besondereadoptiones in die gentem Petroniam wären aufgenommenworden. 4.) Bleibt es immer gar fehlerhafft, um einiger Per-sonen willen, welche aus andern gentibus in die gentem Pe-troniam möchten adoptirct worden seyn , oder die aus andernUrsachen sich die vorangezogcne zunahmen etwa» beygelegt, wiees würcklich mit den obgedachten Consulibus die bewa»dnis ha-ben muß, also gleich die völlige gentes oder Haupt-stämme, soihnen den Ursprung gegeben , ebenfalls unter die Petronios mi-schen wollen , und also die erstere schlechterdings von diesen letz-tern abstammen machen. 3.) In Mamertinus wird zwarkein cognomen in ein nomen gentilitium verkehret; Massen dasWort würcklich der zunähme eines Petronii Mamertini gewesenist. Allein da wird an statt dieses sogleich ein anderer gedoppel-ter fehler begangen; 1.) indem man ein gantzes gefchlecht ausden von der gente Petronia abstammenden Mamertinis machenwill, da man keineswegs im stände ist mehr als einen einigenPetronium Mamertinum anzuführen, welcher unter KayserCommodo A. R. 934- zu Rom das Bürqermeisterthiim verwal,tet hat. 2.) Weil man auch nicht beobachtet, daß ein zunähme,wie Mamertinus, nach art aller anderer zunahmen, zu gleicherzeit unterschiedlichen geschlechtern habe können beygelegt wer-de» , ohne daß solche darum mit andern von gleichen zunahmen,wo nur einmal die nomina gentilitia unterschieden waren, diegeringste verwandtschaffl gehabt. Nichts ist in den RömischenHistorien gemeincrs, als gantz diffcrente gente; anzutreffen,welche aus allerhand Ursachen einerley eognomina geführet, unddennoch,nie die geringste verbindnis zusammen gehabt haben.Um bey dem zunahmen Mamertinus selbst zu bleiben, findetsich A. R. 1114. unter den Kaysern Constanlino und Juliansein Flavius Mamertinus in den gleichen reihen der Römische»Coniulum , aus welchen man uns die odgedachte Hergeholet.Doch würde solcher darum eben nicht allzu geschickt für einenunverwandten des obigen Petronii Mamertini gehalten.

Eine andere Veränderung des zunahmens in ein nomen gen-tilitium findet sich im artickul Rulilius (Cajus Martins.)Da stecket der fehler gleich in dem litul oder Haupt-wort scldsten.Man hat schon in der ersten vorrede die erinnernng gethan , wiekein Römischer zunähme niemals in ein ius ausgegangen, son-dern diese endigung icweilen der nominum gentilitiorum eigengeblieben sey. Daher kan denn Rutiliuö nimmermehr ein zu-nähme weder der gentis stlatci® , noch irgend eines andernRömischen Haupt-stammes seyn ; sondern es ist vielmehr ein ei-

genes nomen gentilitium eines besondern Hauses oder gentis,so davon gens Rutilia hiesse; eben wie die Mären eine gentemMurciam ausmachten. Aus obigem kan der lejrr schon se-hen , wie schlimm die Vermischung Rutiltus mit Rutilus sey,welche unser gelehrte Verfasser an gemeldtem orte gemachethat. Wie wenig aber das erstere bey den Römern einen zu-nahmen abgeben konnte; so bequem war dazu das letzte, undHat sich auch in der that ein äst von der gente Marcia , Mar-cios Rutilos gcnennt; um sich von andern asten des gleichenHaupt-stammes als von den Mareiis Philippis, Marciis Re-gibus, Marciis Censorinis zu unterscheiden. Doch wird derso viel Verwirrung mit sich führende fehler zum zweyten malbegangen , und ein gedoppelter C. Marcius Rutiltus ange-bracht. Eine kleinere irrung, so mit eingelauffen, ist diese,daß beydemal Martins geschrieben stehet, an statt Marcius,zwischen welchen beyden Wörtern wenigst die Römer einen ziem-lichen unterscheid zu setzen gewohnt waren. So wird auchendlich, gleich als wollte man das maas der fehlerhafften nah-men in dem einigen artickul recht voll machen, der Collegades letztem C. Marci Rulili genennet Q. Fabius Rutilianus,an statt dessen wahrer zunähme Rullianus gewesen ist.

Aus der Griechischen antiquität kan uns für ein muster die-nen , was wir im artickul Neocori antreffen. - Die ehre,welche sich die alte Griechische städte mit diesim titul zu ma-chen gepflegt haben, ist ja so gar unbekannt nicht. Ortpflegten dadurch anzudeuten, wie in derjenigen stadl, welcherdieser beynahme gegeben ward, ein solcher tempel befindlich wä-re , den die benachbarte, oder sonst mit solcher stadt verbünde-te octec auserwehlet hätten, um darinnen einer gewissen golt»he»t, oder auch einem vergötterten Römischen Kayser in allergemeinem nahmen die gewohnte gottesdienstllche ehre zu crzei.gen. Aus dieser beschaffenheit der fache mag man'schonschlressen, daß eine einzele stadt, wo dero nur die nächstgele-gene dergleichen ehre gönnen wollten, auch rn ansehung meh.rerer von ihren tempeln und goktesdiensten habe die ehre sol-cher Neocorie geniessen können; welches denn eben die Ursacheist , warum sich einige zwey, drey und mehr mal Neocorosgenennet haben. Weil die fache vvrnemlich unter den Römi-schen Kaysern sehr gemein worden, so finden wir auch garan vielen orten davon Meldung, so daß sich die städte leicht-lich zu gantze» dutzeten anführen liessen, welche sich derglei-chen tituls bedienet haben. Wo der Herr Verfasser des ärti»üuls die fache anderswo nicht gelesen hätte, fo war doch sel-bige ihm von Hofmanno und Pilisco klar genug angezeigetworden. Und doch ist schier nicht zu degreiffen, wie sehrman sich darüber vcrstossen habe. Weil Hosmann die städteNaupactus und Ephesus , als excmpcl der örlcr, welche dergedachte» ehre theilhafflig worden, vermeldet, auch anbey derbenennung , bis vel ter Neocorus gedacht hatte, jedoch mitgenügsamer anzeigung, was es mit einem jeden dieser stückenfür eine bewandnis gehabt; so ist uns doch aus den gedachtenumständen der wunderbarste und sehlhaffteste bericht zusammengeschmiedet worden; nicht anders, als hätte der Verfasserden arlickul beym Hofmanno nur im träum gelesen. Dieworte der Leipziger ausgäbe sind folgende: Hernach hiessenauch diejenigen städte also, welche das recht hatten,den tempel der Diana zu Ephefo, oder, wie anderewollen, zu Naupactus , zu bewahren. Daher findetman auf den munyen der Afiatifchen städte diese worteb. oder r. ywk . das ist, die stadt sey zum zweytenoder dritten mal Neocorus gewesen.

Da ist dann 1.) überaus seltsam, daß man gleichsam zumgründe legt, die jetztgemcldte ehre hätte zu einer zeit nur einereinzeln stadt gedcyen können, und daher als aus einer noth-wendigen folge, diejenigen, so Ephcsum zur Neocoro derDiana machen, worunter ja der Evangelist Lucas in denApostel Geschichten selbst zu zehlen ist, denen entgegen setzet,welche der stadt Naupactuö die gleiche würde zugeschriebenhat. 2.) Hat ja gar kein scribent niemals von dem letzter»orte gemeldet, solcher wäre eigentlich der Dianä Neocoros ge-wesen ; und ziehet Hofmannus allein so viel aus PhlegonleTralliano an, daß solcher eines gemeinfamlichen tcmpels allerGriechen Meldung thue, der sich zu Naupactus befinden sollte,jedoch ohne zu nennen , welcher gotthcit derselbige tempel, undalso auch der darinn haltende gemeinsamliche dienst gcwied-metsey. 3.).Die »mwechsclung selbst, daß eine stadt umdie andere gewisser gollhciten Neocorus geworden sey, ist ohnegründ , und haben die Gelehrten schon längsten das gegentheilklar gezeiget: dahero denn auch gewiß irrig ist, was man dar-aus folgert, die städte werden bis vel ter Neocori genennet,weil etwan die reihe der ehre zum zweyten oder dritte» malan feldige kommen iväre. Wo dem also, hätten manche städ-te sich zu dreißig, fünfzig, ia wol hundert malen Neocoros be-titeln mögen. 4.) Da man sich sonsten eine umwcchselunghat einbilden wollen, ist jetzt ferner gar angenehm, daß die-selbige eben zwischen den städten Naupactus und Ephesus gel-ten muß. Es ist ja aus der alten Historie genug bekannt, daßdiese beyden orte nicht die geringste gcmeinschafft mit einandergehabt haben; um so mehr, als der erstere in Aetosien andem Corinthischen mcer-dustn, der zweyte hingegen sehr fernedavon in Klcin-Asien gelegen war. 3.) Noch viel fremdermuß einen, der das alterlhum zu kennen anfängt, bedüncten,