Durch diese und andere nicht ungleiche gründe, aber nochmehr durch das ansehen der Personen, von welchen dieselbigeangeführt, und der darauf gegründete rath ist ertheilet wor-den , hat man sich zuletzt nicht ungerne bewegen lassen, nochdas, was anjetzo dem Leser für äugen liegt, zu abfertigungder Leipziger censur aufzusetzen. Allein, wie man nrcht min.der wichtige beweg - Ursachen zu haben glaubet , sich inskünftige von dergleichen streit zu entfernen; so geschiehet auchjetzt dieserwegen allhier die deutlichste erklarung: Die Ver-fasser , sowol der gantz neuen artickuln, als der ausbesserung-nnd Vermehrungen , welche in den alten, schon zuvor in demWercke befindlichen berichten sind gemacht worden , hegenzwar gantz keine besondere gedancken von ihren stndien: Je-doch dörfen sie noch wohl so viel glauben, daß ihre zeit et-was besser könne angewendet werden , als auf beantwortungdergleichen vorwürffen, wie die gegenwärtige gewesen sind.Auch wird jeder billiche Leser von selbsten urtheilen, W wä-re niemand zuzumuthen, der einmal seinen nahmen selbst anden tag giebt, mit einem verborgenen Gegner, nach dessenbelieben schriften zu wechseln. Dieser letztere kan immer aufgut glück hin tadeln und censiren, ja sich dabey, wo er will,der grösten vermessenheit gebrauchen, so oft ihm nur einigerargwohn bevfällt , es möchte hier oder dort gefehlet seyn.Trift ers wohl, so dünckct er sich dadurch fein groß. Bege-het er aber bey solchem anlas noch selbst die schändlichstesehler; giebet er in seinen censuren zu erkennen, daß er diesachen, worüber er anderer arbeit hat wollen tadeln, den-noch gar schlecht verstehe ; Oder bestehet auch die nach sogrossem aufheben vorgebrachte anklage in lauter elenden klei-nigkeiten , so bleibet er doch imnier durch seine dunckelheit be-decket, und hat einmal bey solchem gefechte , wie schlecht ersich auch darinu aufführet , und wie übel ihm seine Unter-nehmungen gerathen , gleichwol nie das geringste zu ver-lieren.
Über diß alles mag auch anjetzo schon das einige für dieVerfasser der Baselischen zugaben und Verbesserungen genugseyn, daß die Leser durch die vorhergehende Untersuchungenziemlicher Massen auf den weg sind geleitet worden; um hin-künftig von der schwäche oder stärcke dergleichen censurendurch sich selbst zu urtheilen. Selbige haben sich nun all-mählich angewöhnen können, zuförderst auf das gewicht unddie beschaffenheit eines jeden vorwurfs zu sehen; so dennauch die sehler der vorigen Leipziger ausgaben, so man zuBasel nicht, gleich so vielen andern, ausgebessert, von den-jenigen zu unterscheiden , welche in den Baselischen vermehr-und Verbesserungen erst neu sollen begangen seyn. Diese letz-tere allein mögen mit biüichkeit der gegenwärtigen ausgäbezu last gelegt werden. Wiewol doch auch dabey jeder verstän-diger siehet , daß , wo nur die sehler nicht in allzugrossermenge, oder von besonderer Wichtigkeit sind, annoch wohleinige entschuldigung platz haben könne; als die .etwan beyviel leichterer arbeit , und zu deren bessere zeit und gelcgen-heit ist gelassen worden , von billichen Richtern nicht gewei-gert wird.
Im übrigen, wie also unser gekehrte Herr Gegner, oder,wo sich noch jemand anderer auf gleiche art, als er gethanhat, wollte heraus lassen, von jetzo an keine antwort mehraus Basel erwarten dörfen; also will man solchen hingegenbey diesem anlas eine andere arbeit versprechen, die auf der-gleichen fall noch wol börste unternommen werden, und ge-wißlich dem llublico weit angenehmer und ersprießlicher seynsollte, als die abfertigung einiger mit so wenigem gründe,als vieler vermessenheit, aufgeworffenen censuren. Es istan dem, daß mehrere Personen aus verschiedenen orten inTeutschland, so die vorige Leipziger ausgaben des Histori-schen Lexici besitzen, schon längst geklagt haben, wie dievon ihnen so theuer bezahlte Leipziger auffage des Histori-schen Lexici wegen der grossen menge nahmhaffter fehlern,sowol als wegen der so gar magern und unvollkommenenberichten , welche sich in vielen der wichtigsten artickuln fän-den , mit so gar geringem nutzen und weniger sicherheit kön-ne gebraucht werden. Von mehrern aus dieser zahl ist baldnach herausgebung unserer zwey ersten bänden ein sonderba,res verlangen bezeuget worden, daß doch die Baselische ver-mehr - und Verbesserungen in einen besondern tomum nachordnung der artickuln möchten verfasset werden, der sich den
vier Leipzigern als einen fünsten Theil beylegen ließ, umdenseldigen also noch mit ziemlicher bequemlichkeit zu einemnöthigen correctif zu dienen. Nun ist dieses begehren in an-sehung derjenigen, von welchen, und für welche es geschie-het , der billichkeit gantz gemäß; und mögen die noch woleinigen danck von dem kublico verdienen, welche je zu des-sen erfüllung Hand anlegen wollten. Auch mangelt es allen-falls nicht an aufgeweckten und geschickten jungen leuthen,welche sich schon zum voraus gantz willig und bereit erzei-gen , vermittelst einer kleinen anleitung und direction, wel-che sie noch dabey verlangten, das werck zu stände zu brin-gen.
Bishero hat man zwar nicht gut befunden, für sich selbstdarein zu willigen , und wünschet noch jetzo die edle stundenvielmehr etwas anderm zu wiedmen. Allein, wo von demgegentheil mit dergleichen tollem geschrcy und ungcgründetenanklagen sollte fortgefahren werden, so würde gewißlich die-ser verlangte fünfte band, oder zugäbe zu der Leipziger auf.jage des Historischen lexici, nicht lange ausbleiben. Dievon dem Herrn Gegner nun neuerdings verhcisseue ausgäbewürde vielleicht noch wol einigen beytrug dazu darliefern. Andem fleiß der Untersuchung , nachdem man sich anjetzo einigerMassen in dergleichen arbeit geüdet hat, sollte es auch nichtermangeln. Die gelehrte weit bekäme da auf einmal ein nichtallzu kleines Fehler - Lepiccm, welcher art wercke schon ehe-mals von verständigen kennern ist verlanget worden; um somehr, als jeder eben auf diese weise am besten lernen mag,sich vor fehlern zu hüten, wo man ihm vorweiset, wie hieroder dort von andern wichtige verstöffe sind begangen worden.Wie grosser Verachtung auch unser gelehrte Herr Gegner sichgegen der Baselischen schreib - art anmaßet; so darf man ihndoch gewiß versichern, dergleichen buch werde, derselbigenohngeacht , ohne einige schwierigkeit mitten durch Sachsen ,und bis an die Ost - See durchdringen. Wo es denn hicdurchgeschehe, daß man auch alldort denjenigen gar schlechten danckwissen möchte, welche in so reiner und netter Teutschen Mund-art , als sich in den Leipziger auflagen soll blicken lassen,einem Wissens - begierigen Leser die grosse menge der schlech-ten , fehlhafften und mangelbaren berichten, das ist, gleich-sam unter dem feinsten und weissesten zncker schädliches giftund arsenic dargeboten und zum theil würcklrch beyzubrin-gen unterstanden; so werden auf solchen fall die intereßirtealles ledialich ihnen selbst zuzuschreiben haben.
Es ist gleich von ansang lediglich bey denseldigen gestan-den , sich der Baselischen arbeit vollkommlich zu ihrem bestenzu bedienen. Sie hätten auch gewiß mögen versichert seyn,daß man sich dieser seits gar gerne würde vergnüget haben,alle die so wichtige verstösse ihrer auflagen in der grösten stil-le auszubessern, und also ihnen selbst gelegenheit an Hand zugeben, das gegenwärtige Werck ohne deren mühe und kostendem curiösen Teutschen Leser in einem weit bessern ständemitzutheilen; wo nicht die mit fleiß ausgesprengte widrigegeruchte, von denen in der ersten Vorrede pag, 5. ist gemeldetworden, die klare erweisung und vorlegung der aus den vo-rigen ausgaben gehobenen fehlern von einer ohnumgängli-chen Nothwendigkeit gemachet hätten. Nun da man sichauch mit demselbigen beweise sehr gerne ein für allemalhätte begnügen, wollen , muste wiederum unsere paßronirteLeipziger censur dazwischen kommen, und die jetztbeschehenenoch klarere entdeckung der blösse von den vorigen ausgabendes Historischen Lexici veranlassen. Fürs künftige hat denndas gegentheil abermal die fache in seinen Handen; undwird fichs zeigen , ob man die grosse mängel des eigenenWerckes noch ferner auf die zuvor angedeutete weise wolleans licht gebracht, und immer weiters ausgebreitet sehen.Wie billich es sonst an sich selbsten ist, sich gegen unbefug-te vorwürffe und bescheltnngen zu schützen; so begehret mandoch dasselbige von Baselischer feite nie anders zu thun, alsauf solche art, welche zugleich dem kublico noch einigennutzen bringen möge. Das vorerwehnte Fehler - Lexiconscheinet bey gegenwärtiger beschaffenheit der sachen ein sehrbequemes Mittel zu seyn, das eine mit dem andern zu ver,binden. Mein eben deswegen muß es jetzt lediglich aufdas gegenseitige bezeigen ankommen, ob den» künftighinetwas desgleichen soll ins werck gerichtet werden, odernicht.