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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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tus IV. (III.) Hertzog der Normandie .) Er machte hierauf sei-nen ältesten söhn Wilhelmzum Hertzoge der Normandie , wel-ches nachgehends eine beständiae gewohnheit blieb, daß nemlichdie ältesten söhne der Könige in Eogclland zu Hcrtzogen der Nor­ mandie gemacht wurden, bis endlich die Normandie an. raöo.an die Franzosen kam, und hingegen die provintz Wallis vonden Engelländern völlig croberi wurde,da denn die älteste Prin-tzen der Könige jederzeit Printzen von Wallis genennet worden.Sonst erhielte Henricus durch seine gute regierung die liebe al-ler Unterthanen. Seinen eigenen Hof reformirte er so , daßalle seine Unterthanen daran ein exempel nehmen konnten. Den-jenigen, die vor seiner zeit der Cron etwas schuldig gewesen,schenckte er alles, setzte die Engelländer wiederum in den fteyengebrauch des feuers und lichtes, und führet« die gewohnheitder nächtlichen wachten ein. Den erben des hohen Adels gaber das privilegium, ihre erb-güther frey zu besitzen, ohne daßsie selbige erst von ihm lösen dürsten, und verpflichtete sie, der-gleichen auch ihren lehens-leuthen zu verstatten. Dem unternAdel erlaubte er, in Heuraths - fachen nach eigenem gefallen zuverfahren, ohne daß sie gehalten wären, bey ihm erstlich erlaub«nis zu suchen, jedoch daß sie nicht mit seinen feinden sich verheu.ratheten. Er verordnete auch ein gewiß maas oder elle nach derlänge seines eigenen arms, die durchgehends im kauffen undverkauffen gebrauchet werden sollte. Dasjenige aber, womiter sich sonderlich bey seinen Unterthanen in gunst setzeke, war,daß er die qcsetze Königs Eduardi Lonkelloris wiederum inschwang brachte; desgleichen, daß er sich mit Mechtild, KönigsMalcolmi in Schottland tochter, t deren mutter von den ohn«längst verstorbenen Sächsischen Königen herstmnmete, vermäh«lete, wodurch das Normännische und Sächsische geblüt mitein-ander vereiniget wurde. Die Bischöfflichm sitze zu Carlisle undEly nebst den Abteyen von Hithe, Reading und Cirencester , wieauch die Probstey von Dunstable wurden von ihm aufgerichtet,und mit cinkünflen begäbet. Er brachte auch die Universitä-ten zu Cambridge und Oxford , welche unter den Dänischen Königen qantz darnieder gelegen, wiederum in ihren vorigenglantz. Mit den Päpsten hatte er nicht weniger, als die da-maligen Kayser, wegen der investitur der Bischöffe grossenstreit, muste sich aber seines rechts ebenfalls wie die Kayser bege-ben. Es ward auch der cölibat der Geistlichkeit unter ihmin Engelland eingeführt. Mit dem Könige in Franckreich führ-te Henricus bey 20. jähren krieg, und ob gleich etliche mal frie-de gemacht wurde, ward solcher doch allemal wieder gebrochen.Der streit betraf theils die vestung Gisors in der Normandie ,theils den lehens-eyd, den Henricus wegen dieser provintz anFranckreich leisten muste. Henricus erhielt endlich seinen zweckwegen dem ersten, aber von dem vssallsgio konnte er sich nichtstey machen, (siehe den artickul Ludovicus VI. König inFranckreich, da alles umständlich erzehlet worden.) Nachdemer an. 112,. endlich einen beständigen frieden gemacht, ward eretliche jähr hernach wegen andern Ursachen wieder genöthigt,nach der Normandie zu gehen, starb aber daselbst den i. dec.an. n;e. und ward in Engeüand begraben. Er hakte 2. ge-mahlinnen, die obgedachre Mechtild, eine sehr abergläubischeDame, und Alir von Löven, Mit dieser letzter» hatte er keineerben, von der erster» aber 2. söhne, Wilhelm und Richard,nebst einer tochter, mit nahmen Äathilbis. Seinen söhn Wil-helm vermählete er mit des Hertzogs von Anjou tochter. Duaber dieser mit seinem jüngern bruder Richard wieder zurücknach Engelland gieng, wurden sie mit allen bey sich habendenverschlagen, und ersoffen. Mathildis wurde zuerst an denKayser Hcnricnm V. und hernach an Gottfried Plantagenet ,Grafen von Aniou in Franckreich vermählet. Nach des Kayserstobe ließ sie ihr vatter Henricns nach Engelland holen, und ihr,als seiner rechtmäßigen und einigen erbin, von allen Untertha-nen , und insonderheit von Stephans, feiner fchwester söhn,den eyd der treue schwören. Nichts destoweniger riß dieser Ste«phamis nach Henrici tode die Cron an sich. Matthaus Mai.mesbur. Rogerius. Du Chine , hist. dAngl . Larrey , hist. dArv-glet. tom. I. p. jo;. seqq. The compleut hijlory of England,tom. I. p. 119. seqq.

Henricus II. sonst Henry Fitz - Emprefs , desgleichenCourt Mantel genannt, weil er die mode mit den kurtzenmänteln aus Anjou nach Engelland gebracht, war ein söhnGottfrieds Plantagenet, Hertzogs von Aniou, welcher chn mitder Mathilde^ Henrici I. tochter, gezeuget hatte. Drey dinge sindvon dieses Königs regierung sonderlich merckwürbig : Erstlich,daß in seiner Person das Normännische und sächsische geblütvereiniget wurde, indem seine mutter eine Normännin von vät»terlicher linie, eine Sächsin aber von der mütterlichen war; zumandern, daß mit ihm das Plantagenetische geschlccht anfieng,welches sich hernach mit Richards III. endigte; drittens, daßdurch ihn die schöne landjchasstcn in Frankreich Anjou, Tou»raine und Maine, und hernach durch eine Heurath Poirou,Samtonge, Gliyenne und Gascogne an die Cron Engeüand (o°wen. Denn er heurathete Eleonoram, eine erbin von Poitouund Guyenne, die zwar bereits an König Ludwig den VII. inFranckreich vermählet gewesen, und mit demselben auch 2. toch-ter gezeuget, aber hernach des ehebruchs beschuldiget, und vonihm geschieden worden. Nach dem tode Henrici £ in Engel-land hatte er das beste recht zur Cron; (siehe den vorhergehen-den artickul.) daher», ob gleich sein vetter Stephaous, GrafHistor. Lexic»» iv. Theil.

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von Bloss, ihm zuvor gekommch, und die regierung an sichgerissen, verfolgte er doch sein recht, landete auch würcklich da-selbst an, und nachdem sowol er, als seine mutter Mathildis,eine zeitlang mit adivechselndem glücke wider Stephan um ge«krieget, auch dessen einziger söhn Eustachius mit tode abgegan-gen war, so wurde ein vergleich getroffen > und darinnen Hen-ricus von Slephano zum söhn und erben angenommen, wel,cher auch seinen andern söhn Wilhelmum, den er noch hatte,Henrico schwören ließ, wiewol Stephanus und Wilhelmusselbst bald darauf starben. Henricus ließ sich also den 19. dec.an. 1154. durch Thibaldum , Ertz-Bischoff von Canterbury,crönen. Kaum saß er ruhig auf dem throne, giengen diekriege mit Franckreich an, welche bis an seinen tod wahreren.Henricus wollte wegen den Französischen provintzen, die er be-sässe , und die fast halb Franckreich ausmachten, Ludovico VII.die lehens-huldignng nicht leisten , und weil er diesem an macht,und vornemlich an der klugheit z» regieren überlegen war, somachte er demselben viel zu schaffen, (siehe Ludovicus VII.König in Franckreich.) Nichts destoweniger maintenirle Ludovi-cus seine ober-lehns-herrlichkeit, worzu ihm zwey affairen, in dieHenricus verwickelt war, favorisirten, nemlich der streit mitdem Ertz-Bischoffe von Canterbury, Thomas Becket , lind dieempörung seiner eigenen söhne. Henricus hatte, da er die Cro-ne überkommen, ermeldten Thomam zum Cantzler, und nachTheobaldi tode gar zum Ertz-Bischoffe von Canterbury gemacht.Er zerfiel aber nachgehends mit demselben, weil er die weltlichenrechte der Cron, und der Ertz-Bischoff die aewalt des Papsts inweltlichen dingen init allzu grossem eifer behaupteten, und die-ser sonderlich nicht leiden wollte, daß die geistliche Personen vorweltliche Richter gezogen würden. Der Ertz - Bischoff ward

K auf einem von dem Könige angestellten Loncilio vielerbeschuldigt, und aller würden beraubet; er entkam abernach Franckreich, und fände daselbst bey Ludovico VII. astenschütz, that auch Henricum II. etliche mal in bann. Nach lan-gem strett kam es endlich zum vergleich, und der Ertz-Bischoffwar bereits wieder in Engeüand angekommen. Als aber derKönig bald hernach wegen einigen neu-entstandenen schwierig,ketten ohngefehr in biest worte heraus brach: Hilff GOtt!ist denn niemand, der mich von dem unruhigen Pfaf-fen erlöse 1 unternahmen sich einige von dessen Hos-leuthen,ohne desselben vorbewußt, dieses zu bewerckstelligen, und er-mordeten den Ertz-Bischoff in der Dom-kirche zu Canterbury ,glerch da er vor dem altar stund und messe las, am Christ-ta-ge an. 1170. Da der Komg von der geschehenen Mordthatuachricht bekam, wurde er darüber sehr betrübet, und pro-testirte, um die schuld von sich abzuwältzen, daß er die facheden Päpstlichen Legatis zu untersuchen überlassen wollte. Dar-auf ordnete der Papst ihrer 2. ab, welchen der König bis indie Normandie entgegen gieng , von denselben aber keine ab-solution erhalten konnte, bis er gewisse bussen übernommen,darunter sonderlich war, daß erMeilen nach Canterbury barfuß gehen, und allda bey dem Cayitul - Hause ?o. streichemit ruthen von den Mönchen empfahen , auch einen creutz»zug, wenn und wohin es dem Papst gefallen würde, vorneh-men sollte. Dieser streit hat zu den Unruhen der söhne Henrickgelegenheit gegeben. Dann weil Henricus von dem Ertz-Bi«schösse und von dem Papst in bann gethan worden, entschloßer sich, seinen söhn Henricum zu crönen, und ihn neben sichdie regierung antreten zu lassen, um seine fticceßion desto ve.ster zu setzen, woraus ihm aber hernach grosse ungelegenheitzuwuchs, indem der König in Franckreich dem jungen Hensrico, der seine tochter zur gemahlin hatte, einbildete» der vat.1er hätte die regierung abgedancket, und an ihn übertragen.Die Schvttländer geselleten sich gleichfalls darzu, in meynungbeute in Engelland zu machen. Ja, die gemahlin Henrici II.selbst, welche wegen seinen maitreffen eifersüchtig war, unddie zwey andern söhne Richardus und Galfredus, liessen sichwider den vatter aufbringen, und machten ihm sowol in En«gestand als in der Normandie viel zu schaffen. Mein derKönig Henricus machte durch den glücklichen fucceß seiner Waf-fen ihren anschlag zu nichte. Den König in Franckreich nö-thigte er um friede,: zu bitten; William, der Königin Schott,land, wurde an. 1174. zu Alnwick in einer schlacht gefangen,und um seine freyheit wieder z» bekommen , genöthigel -, demKönige Henrico wegen seiner Crone (wie die EngeüändischenHistoriei bejahen, die Schottländer aber verneinen) zu huldi.gen, und Cumberland und Westmorland , 2. nördliche Graf.sthafften, welche bey 200.jähren, nemlich stit Malcolnu I. zeiten,in Schottischen Händen geweftn waren. . Der Graf Rober.tus von Leicester, welcher der rsbeven radelsführer gewesen,wurde überwunden und gefangen genommen, die stadt Lei.erster aber verbrannt. Ehe noch dieses geschahe, halte derKönig Henricus an. 1171. Jrrland erobert. Denn weilsich die kieim« Könige, worein Jrrland vertheilt war ,nicht vertrage» konnten, auch einer davon aus dem iandegelrieden wurde, und Henricum um hülffe bat, schickte derKönig erstlich Richardum, den Grafen von Peinbroke, mitgar weniger mannschafft demselben zu hülffe. Ais aber die-ser mit grosser tapserkeit den vertriebenen König ivicder ein.

ß , und desselben tochter heurathete, auch gar von deme meister zu werden gedachte, gieng Henricus selbst nachJrrland, da ych der Graf gutwillig unterwarf, und deswe-gen von Henrico das land Leinster , wo Dublin lag, geschenckt

E bekam,