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Concordien das blut - urtheil abgelesen, welches denn alle rmdjede/ so bey dem Conclsto zugegen waren, Eichten , der ein-zige Graf, Caspar Schlick, so des Kaysers Slglsmundi Cantz-ler war, widersprach solchem , sagende : Er könne dieses mrtgutem gewissen nicht unterschreiben. Huß redete zwar die Ver-sammlung an , und fragte: warum sie seine ducher verdamm-ten , die doch kein mensch noch widerleget, und die auch sie we-der gesehen noch gelesen hätten ? endlich fiel er auf seine knie,und batcte dergestalt: HErr IEsu Christe, ich bitte dichdurch deine unendliche barmhertzigkeit, vergib meinenfeinden, welche mich durch falsche und darzu bestelltezeugen angeklaget, vieler irrthümmer beschuldiget, undnun unschuldig verdammet haben; worüber aber fast die
K Versammlung lachte. Hierauf wurde er auf einen erha-ort gestellet, und ihm die gewöhnlichen Priester-kleiderangezogen , wobey er sich des weiffen kleides, worein Herodes Christum kleiden lasse» , erinnerte. Hier wurde ihm nun durchden Ertz - Bischoff von Mayland und andere nochinals zugere-det , er sollte widerniffen, allein er sagte öffentlich: Er stundenun vor GOttes angesichr, ohne dessen fchmach und Ver-legung des gewissens er nimmermehr thun könnte, wassie forderten. Darauf muste er von seiner bühne absteigen,und nahmen ihm der Ertz-Bischoff von Mayland und der vonBssantz den kelch, den sie ihm in die Hand gegeben hatten, mitdiesen Worten: O du verfluchter Judas, der du den rathdes friedens verlässest, und mit den Iüden rathschlagest,siehe - wir nehmen dir diesen kelch. Worauf er antwortete:Ich aber traue auf den allmächtigen GOtt und meinenHErrn IEfum Christum, daß er den kelch des heyls nim-mermehr von mir nehmen werde, und glaube ungezwet-felt, daß er mir ihn heute in feinem Reiche geben wird.Alsdenn nahmen sie ihm fast mit eben solchen formalien die übri-gen Priester - kleider ab, wobey sich Huß der Verspottung Chri-sti erinnerte. Indessen waren sie auch lange nicht einig, ob sieihm die platte mit der scheer oder dem scheer - Messer verderbensollten, daß auch Huß deshalben zum Kayser sagte: Ich wun-dere mich, daß, da alle so grausam sind, sie doch in ih-rer graufamkett nicht mit einander überein kommen kön-nen. Endlich verderbeten sie ihm die platte mit der scheer, undschoren ihm ein creutz über den köpf, erklärten ihn auch »unmeh-ro der Priestcrlichen würde verlustig. Ferner satzten sie ihm einevon papier gemachte mütze < einer elle hoch, auf, woran z. teu-fe! gemahlt waren, mit den Worten: Dieser ist der ertz - ke-tzer; worbey sich Huß abermals mit der dornen -cron Christitröstete. Endlich übergaben sie ihn der weltlichen Obrigkeit, mitden Worten: Jetzt liefern wir dich dem weltlichen Gerichte,und deine seele befehlen wir dem teufel. Aufdiese wertewandte sich Huß zu Christo, und bälete: O HErr JEsir , indeine Hände befehle ich meinen geist , den du erlöset hast.Alsdenn übergaben ihn dieBifchöffe mit folgenden Worten demKayser: Die Versammlung ZU Coftnitz überlässet Huffen ,als welcher an der kirche keinen theil mehr hat, der ge-walt weltlicher Gerichte. Worüber der Kayser aufstund, undHertzvg Ludwigen von Bayern , der neben ihm mit dem blossenfthwerdt in der Hand stund, dergestalt anredete: Dieweil wirdas schwerdt haben, so nehmet diesen verfluchten keyer,und strafet ihn, wie es einem ketzer zukommt. Dieserrief dem Richter zu Costnitz, und übergab den Huffen mit fol-genden Worten: Im nahmen des Raysers Srgismundiübergebe ich euch den ertz - ketzer Huß, nehmet ihn hin,und verbrennet ihn. Dieser nahm ihn sofort an, und ließihn durch Hertzvg Ludwigs soldaten gebunden führen. Vor undhinter ihm giengen 2. Häscher, auch folgten 3000, bewafnetemänner, welche ihn dergestalt zu dem richt-platze führten. Alser vor der kirche vorbey geführt wurde, sahe er seine bücher nebstder Böhmen interceßions - schreiben verbrennen, worüber erlachte. Indessen nahm er gelegenheit, denjenigen, so ihn be-gleiteten , kürtzlich anzuzeigen , worinn seine lehre bestanden,wie er fälschlich angeklaget, ihm viel falsche artickul, die er niegeglaubet, imputiret worden, und er also gantz li»verschuldetzu diesem richt - platze geführt würde. Wordey er dann bat, siesollten ja glauben, daß er nichts irriges gelehret, und vor seineseele GOtt bitten, wiederholte auch zum öfter,, diese worte: Indeine Hände befehle ich meinen geist. Als das volck sahe, wieer dieses alles mit so grosser ftandhafftigkeit und freudigkeit thäte,muste es ihm das zelignis geben: daß sie zwar nicht wüßten,was er vorhero gethan, jetzt sähen sie aber nichts als gutesvon ihm, wünschten daher, daß ihm ein Beicht - vatter mochtezugegeben werden. Ulrich Reichenthal, ein Geistlicher und ver-ordneter Histonais, oder Beschicht - schreiber des Concil» mel-det , er selbst hätte bey folgender ausführung des Huffen nahebey der richt - statt selbigen befragt: ob er beichten wollte ? Hußhabe mit ja geantwortet. Als aber er, Reichenthal , hierauf ei-nen gegenwärtigen Priester, nahmens Ulrich Schvrand, dervom Conciho macht zu beichten und absolution zu geben hatte,erfordert, hätte er Huffen, wiewol mit höflichen Worten zuverstehen gegeben: wo er die ketzerey, wegen deren er verdammtsey, nicht widerrufst, so könne er ihm nach den CanonischenRechten keine absolution geben. Hussens erklärung darauf warnach Reichenthals bericht: So wäre dann die deicht nicht nö-thig , weil er kein tod, jundcr sey. Hierauf wurde er aufHcr-tzog Ludwigs von Bayern beseht durch die häscher zum scheiter-hauffen gcfuhret, da er denn mit erhabener stimme seufzest:
HErr JEsu Christe / ich will die grausame und erschreck-liche Marter um deines heiligen Evangelii und der lehreGöttlichen Worts willen gern ausstehen, du wollest mirnur mit deiner hülffe und gnade beyftehcn.Als ihm indessendie papierne mütze mit leufeln von dem köpfe gefallen war,und Huß solche auf der erden liegen sahe, lachte er darüber; diesoldaten aber setzten sie ihm mit vielen schmähungen wieder aufdas Haupt. Als man ihn nach diesem dreymal um den scheiter-hauffen führte, dat er die anwesenden, sie möchten doch nichtglauben, daß er um falscher lehre willen den tod verdient hätte,indem er diejenigen irrthümmer, welche ihm seine Widersacherschuld gäbe», gar nicht gelehret. Als er hieranf sich gegen seineWachter bedanckt, und ihm der hencker die kleider auszog, wur-de er mit 7. stricken an ein starckes breit gebunden, und ob manihn zwar' anfänglich mit dem gesichte gegen morgen gekehret, sowurde er doch auf vorher gegangenes geschrey,er sey nicht werth,daß ihn die sonne bescheine, gegen abend gewendet. Als nunauch noch ein einfältiger armer bauer zugeloffen kam, und holnzu dem scheiter - Haussen brachte, lachte Huß darüber, und riefaus: O heilige einfalt! Merckwürdig ist es auch, daß er kurtzvor seinem tode soll ausgeruffen haben: Heute bratet ihr einegans, aber über hundert jähr werdet ihr einen fchwanhören singen, den sollt ihr ungebraten lassen. An-dere sagen , er habe es an die Böhmen geschrieben, da gleichwolin der that kein sicherer beweis deswegen fürzubringc» ist. Alser nun dergestalt angebunden war, ritten noch der Hertzvg Lud-wig von Bayern und des Reichs Erb - Marschall, Graf vonPappenheim , ehe der scheiter - Haussen angesteckt wurde, zuihm, und ermähnten ihn nochmals, er sollte seine lehre wider-ruffen; allein Huß gab zur antwort: Ich schwöre bey demDreyeinigm GOtt , daß ich alles dieses, was mir durchfalsche zeugen schuld gegeben wird, weder geschriebennoch gelehrt habe, sondern in meinen predigten nichtsanders gesucht, als daß ich die menschen nach der heili.gen Schrift in das Reich GOttes führen mochte,weshal-ben ich nun mit freudigem muthe und gutem gewissensterben, und mit diesem tode meine lehre versiegeln will.Als der Hertzvg Ludwig nebst dem Grafen von Pappenheim die-ses vernahmen, ritten sie davon, und befahlen, den scheiter - Haus-sen anzustecken; da indessen Huß mit lauter stimnie das Symbo.lum Nicsenum absung, und dreymal rief: IEsu Christe, duSohn des lebendigen Gottes, erbarme dich mein! bis erendlich das dritte mal von dem rauch und der flamme gehindert,immer den köpf geneiget, und in sich selbst gebätet haben soll, biser verschieden. Es müssen auch alle scriptores ihm durchge-hends das zeugnis geben, daß er mit grosser freudigkeit gestor-ben. Es gaben aber die Böhmen , und insonderheit die Acade-mie zu Prag ihr Mißvergnügen über Hussens Hinrichtung durchöffentliche schriften an den tag. Wie denn auch die Böhmenmüntzen auf ihn schlagen liessen, und dessen gedächtnis feycrllchhielten. Er hat viel jachen geschrieben, welche mit Lutheri vor-rede an. i^8. zu Nürnberg zusammen gedruckt worden. UlrichReichenthals Historie des Concil» von Costantz. Dubravu hi,t.Bobem. jEn. Sytv. histor. Bobem. Tbeobaiai bellum Huffit.Stumpsii bist. Concil. Constant. Jac. Piccolominei narr. de Huf.Iltis. Walpurgeri Huflus combustus , non convictus. Hortzi-vin, de vita & gestis Husli. Rechenberg. Jo. liuss. Martyr.Balbini bist. Bobem. Seyfried. difl'. bist. de Jo. Hufs. vita &morte. Arnolds ketzer - Historie. Herrn, ab Hardt bist. Conc.Constant. *
Hußiten, des Johann Hussens Nachfolger, welche fast diemeljten lehr - sätze behaupteten, so anjctzo die Protestanten glau.den, nur daß sie dem Päpstlichen stuhl noch etwas mehr gemaltund ehre einräumten. Der tod Johann Hussens hat die Böh men dergestalt verdrossen , daß man die Vermehrung seiner an-hanger demselben vornemlich zuzuschreiben hat, welche derge-stalt gewachsen, daß schon an. 1419. über 40000. auf dem bergeThador sich versammelten, allwo sie das heilige Abendmahl uii.ter beyderley gestalt, und mit uiiterlassting der deicht cinpfien-gcn , auch sich zugleich wider alle verfolgung unter einander ver-banden. Ihr erster und vornehmster anführcr war Ziska, (vondem ein besonderer artickul) ein kriegs - erfahrner mann, wel-cher sich ihnen selbst darböte. Dessen erstes werck war, sich ei-nen vesten ort zur retirade auszusehen; wozu er dann einen bcrg,in Böhmischer spräche Hradistie genannt, erwchlte, auf wcl.chem schon vormals ein selbiger zeit verstörtes schloß gestanden,und wo er selbst mit seinen leuihen sich anfänglich gelagert halle.Er hieß solchen Thador, um durch diesen nahmen anzudeuten,daß da gut zu wohnen wäre, und den seinigen desto bessern muthzu machen; befahl auch , daß ein jeder eben an dem orte semebehansung aufrichten sollte, allwo er in dem laaer sein gezeltgehabt; worauf er, den tod Johann Hussens zu rächen, un-menschliche grausamkellen an den Catholischen Geistlichen aus-übte, und durch Plünderung der städte, klöster und täglichenanwachs der relrgions - verwandten sich in einen so förchkcrlichcnstand setzte, daß er des grösten theils vom Reich sich bemächtig-te , des Kaysers Sigismundi armeen, nebst denen, so der Papstund die Teutschen Stände wider sie aufbrachten, bey Chulnaund andern orten aus dem selbe schlug, und auch die benachbar-te landschafften verheerte. Nach dessen tobe an. 1424 · führteProcopius Rasus, (welchen des Ziskä Mutter brudcr an kindcs-statt angenommen,,und den also Ziska selbst für seinen vettcrhielte, auch den Böhmen auf seinem tod - bethe zu einem künf-