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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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kinger Ursachen wegen ; die weiber hingegen dörfen sich nicht soschlechter dings von ihren Männern scheiden, sie müstcn sich dennin den dienst und schütz eines mächtigen Herrn begeben. Stan-des .Personen können ihre stauen nicht verstoßen, wol aber mehrdenn eine haben, und die weiber , so den geringsten schein einesehebruchs von sich geben, werden hart gestraft. Ihre kleidersind fast durchgehends von seide. Je vornehmer eine stau ist, jenichr pfleget sie rocke und deren manchmal bis 20. anzuhaben,die aber sehr dünne sind. Ihre art, die kranckhelten zu curiren,ist der Europäischen gantz zuwider. Sie lassen niemals zur aber,geben auch ihren vatienten nichts als gesaltzene, saure und har-te speisen, und ihren kranckendiefreyheit, ihrem appetit zu fol-gen. Ihre Acrtzte urtheilen die kranckheilen aus dem pulse. DieJavaner sind ungemein ehrgeitzig und über den geringstenschimpf sehr empfindlich, dabey aber höflich und aufrichtig, mei-stenrheils von gutem verstände, und tiefer einsichl, auch feindederjenigen, die andern übel nachrede». Alle großsprecher haltensie vor narren , hingegen aber dasjenige sehr genau, was sie ver-sprechen. So unerschrocken und hertzhafft sie sind , so sehr neh-men sie sich in acht, jemanden zu beleidigen , thun auch nichts,was wider ihren stand ist, erweisen einander allen rcspect, sindfeinde des geitzes , diedstahls , geld - spielens und überhaupt al-les bctrugs, geben auch wieder, was man ihnen zu viel giebt.Standes - Personen lesen sich unter ihren Hausgenossen einen ver-nünftigen und tngendhafftcn menschen aus, der ihnen täglich ih-re begangene fehler vorhalten muß. Armuth achten sie vor nichtsschimpfliches, weil sowol hohe als niedrige darein verfallen kön-nen. Ihre gedult und großmuth in Widerwärtigkeiten ist un-glaublich , sie beklagen sich auch über nichts, können das ange-thane unrecht mit einer gelassenen Mine vcrbeissen, und sind voll-kommene meister über ihren zorn. Sie ziehen ihre kinder mitder gröstcn gelindigkeit ohne drohungen und schlüge, und den-noch erweisen die kinder ihre» eitern ungemeinen rcspect, weiljenen bekannt ist , daß diese gcwalt haben, sie zu todten. Dievaller schicken ihre kinder vor dem siebenden jähre nicht in dieschule, indem sie solche nicht eher vor fähig darzu halten. Wennkinder streitigkeilen unter einander haben, so muß eines vongleichem alter dieselben entscheiden, wodurch sie ihren verstandzu schärfen, und ihnen die liebe zur gerechtigkeil einzudrückensuchen. Standes - Personen pflegen ihren kindern, wenn sie 20.oder 2;. jähr alt sind, ihre landschafften und güther abzutreten,sich zur ruhe zu begeben, und ihnen mit rath und that an dieHand zu gehen. Wenn die Javaner jemanden grüssen , so ent-blößen sie die süsse, indem sie ihre schuhe ein wenig vorwärtsdavon abschiebe», wie man es manchmal mit den Pantoffeln zuthun pflegt. Bey annehmung der mitten stehen sie nicht auf, son-dern bleiben sitzen, und mevnen dadurch den ankommenden be-sondere ehre zu erzeigen. Die schwärtzesten zähne sind bey ihnendie schönsten, und die schwartze färbe ein zeichen der freude, dieweisse hingegen ein merckmahl des traurens. In den Häuserntragen die manns - Personen mänlel, bey dem ausgehen aber le-gen sie selbige ab, und ziehen weite Hosen an , die sie bey ihrerzurückkunft wieder ausziehen. Mit den köpfen gehen sie allezeitund allenthalben blos, die Standes - Personen aber lasse» som-mers - zeit einen schirm über sich tragen. Und die vornehmenweibes-personen bedecken ihre Häupter mit einem stück leinwand,jn form eines schleyers. Ihre spräche ist sehr nachdrücklich undwortreich, und die Worte sind nach bewandnis der Personeneingerichtet. Einige gehören vor alte, und andere für jungeleuthe, einige vor Standes - andere vor geringe, einige vor man.nes - andere vor weibes - Personen, ja die qualität der Person, sosich des wvrts oder redens - art gebrauchet, kan ein schimpf - zueinemebren-und ein ehren-Wort zu einer schimpf-rede ma-chen. Ein wort, das in dem munde eines Fürsten ein ehren-wort ist, wird auf der zunge eines bürgers zu einem schimpf-worce, und wenn eine manns - person sich einer redens - art be-dienet, die vor eine weibs - person gehöret, so bedeutet sie gantzwas anders, als wenn sie von dieser ausgesprochen worden. An-derer werte und redens - arten gebrauchen sie sich bey dein reden,anderer bey dem schreiben, und anderer, wenn sie etwas druckenlassen, ja so gar zeit und orl, wenn und wo etwas geredi wird,auch die höhe und tiefe des accents ändern die beheutung derWorte. Bey dem schreiben bedienen sie sich eines doppelten alpha-bets : eines bestehet aus duchstaben, das andere aus siguren,wie bey den Chinescrn. Die kinder der Stands - Personen ge-hen bey den Banzas in die schulen , welche sie lesen, schreibenund bis vierzehen arten von buchstaben machen lernen. Einerdavon bedienen sie sich gegen einen König, der andern gegen ei-nen Unterthan und so ferner , nach bewandnis des standes.Zum schreiben gebrauchen sie an statt der feder einen ehernenoder silbernen Pinsel , und ihre dinte ist nichts fliessendes,sondern eine dicke unb zwar entweder schwartze , oder rotheMaterie von hohem werth. Ihr papier ist feiner und glät-ter als das Europäische, aber nicht so weiß. Dieses beschreibensie nur auf einer seile; weil die andere blau und an einigen ortenmit silberner qlasraute überzogen ist. Ihre art zu schreiben istviererlcy. Die erste und älteste, daß sie von der rechten Hand ge-gen die lincke schreiben, die andere aber gehet von der lincken zurrechten, und die dritte ist der alten Griechen ihrer gleich, welchedie erste zcile von der rechten zur lincken ansiengcn, und die an-dere von der lincken zur rechten machten , auch also Wechsels-weise im jchretben fortfuhren. Die vierte bestehet darin» , daßstein columnen von oben gerade herunter, nach dekChineserHistor. Lexko» iy, Theil.

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und meisten Indianer art schreiben, und von der rechten feiteanfangen. Aufdie Pferde steigen sie von der rechten zur linckenHand. Ihre Waffen sind säbel, dolche, büchsen und lange pi.cken. Diese tragen sie vom zwölften jähre an , und legen so!,che niemals eher ab, als bis sie sich des abendö, und zwar inkleidern auf ihre binzen - decken zur ruhe begeben, da sie diesel-ben an ihre schlaf - stättcn hängen. Gleichwie aber kein Reichin der well ist, welches so grossen und schweren Veränderungenunterworffen, als Japan , also fällt es auch sehr schwer, diercgierungs - art desselben zu beschrclden. Wenn den jähr -.chern der Japaner zu trauen, so haben sie vor s. oder 600. jäh-ren nicht mehr als einen Monarchen, oder Kayser gehabt, wel-.cher Dao oder Dairi genennet wurde, und über gantz Japan herrschete. Dieser hatte 2. grosse Herren , als Staats-bedienteitbey sich, die man Cubes nennete. Wie nun einer davon sahe,daß der Dairi mehr der Wollust als regierungs - sorge nachgieng,so rebellirke er wider denselben, und brachte den andern Staats,bedienten um. Dre vornehmsten im Reiche, so das aufnehmendes rebellirenden Cubo mit eifersüchtigen äugen ansahen, grif-fen zwar zu den Waffen, unter dein verwand, den Dairi zu ver-theidigen, allein ihre rechte absicht war, sich soviel landes, alsmöglich zu bemächtigen, und den Cubo dadurch zu verhindern,sich zum absoluten Herrn von Japan zu machen. Der deswe-gen entstandene krieg war langwierig und hartnäckig , Cuboaber so glücklich, daß er endlich den grösten theil des landes un-ter sein joch brachte. Diejenigen Grossen aber, so einiges landerobert und inne hatten, behielten dasselbe gleichfalls, und nen-neten sich Jacatas , oder Könige davon. Dieses nun war dieUrsache so vieler noch währenden Königreiche. Weil sich aber derrebellirende Cubo zu diesen Königen nicht viel gutes verjähr, undder abgesetzte Dairi noch beym leben war, so verglich er sich mitselbigem , setzte ihn wieder auf den thron , und er blieb Staats«Munster, jedoch so , daß der Dairi nur den nahmen eines Ober-Herrn und Kaysers und die gewalt dignitäten, ticul und wapenzu ertheilen, der Cubo aber die würckliche regierung, admini-stration der landes - einkünste und völlige botmäßigkeit über diearmeen behielt. Bey dieser regierungs - art ist es viel hundertjähre geblieben , und Japan hat 2. Kayser, einen dem nahmen,den andern der that nach gehabt. So umschränckl aber die ge«walt des Dairi ist, so sehr wird er doch von den Königen u ,»dandern vornehmen des landes respectiret, weil er ihrem ehrgertzdurch ertheilung gewisser ehren-stellen,titul und wapen ein genü-gen thun und sie vor andern distinguiren kan. Und eben deswe-gen haben die kleinen Könige stets ihre Gesandten an seinem Ho-fe , machen ihm jährlich reiche präsente, auch wol persönlich ih-re aufwartung, der pöbel aber, der ihn selten zu sehen bekommt,hält denselben so hoch, als einen gott. Seine residentz ist diestadt Meaco, eine von den grösten des landes, in welcher er sich,nebst seiner gantzen Hofstatt aufhält. In seinem pallast hat er;66. götzen, von denen er alle nacht einen an statt der schildwachtvor sein bethe setzen läßt, wenn er nun nicht wohl ruhet, so wirdder götze geprügelt, und auf hundert tage aus dem pallast verban,net ) alsdann aber wieder zu gnaden angenommen , und ch seinevorige ordnung gesetzet. Er hat nicht mehr als eine gemahlin,und so oft der Neumond angehet, muß er sich derselben, bis zumVollmond, enthalten, speiset auch sodann des tagcs nicht mehrals einmal. Wenn seine gemahlin unterm dreißigsten jähre stirbt,so darf er sich wieder vermählen, nicht aber wenn sie bey ihremabsterben über z->. jähr alt ist. Sonsten stellet die gestalt des Dai-ri mehr einen wilden menschen, als Kayser vor, weil man ihmweder haare, bart noch nägel abschneiden darf. Seine vornehm-ste bedienten werden Conges genennet, welche derselbe als Com-missarien durch das gantze land herum sendet, die streitigkeitenzwischen den Königen und andern Grossen des Reichs in der gutebeyzulegen. Und so weit erstrecket sich das ansehen und gemaltdes Japanischen Dairi. Wie aber einer dem andern, nach obenbeschriebener Veränderung in der regierung succediret, davon fin-det man keine Nachricht. Neben dem Dairi, haben auch dienachkommen des Cubo, oder würcklichen KavserS lange zeit zuMeaco residiret, und den Kayftrlichen titul geführet. Alle Köni-ge des landes huldigen dem Cubo, und halten ihre Gesandten anseinem Hofe, um mtt demselben und dem Dairi, des landes undihre eigene angelegenheikcn zu tractiren. Dieser Cubo, oder wieer auch sonst genennet zu werden pfleget,Cubozama, ist der würck-liche besitzcr der obcrwehnten Königreiche, oder Domainen,die ihm jährlich 5. Millionen goldes einbringen. Seit demXVII.sLLulo hat er seine residentz von Meaco nach Ieddo transferiret,und den Dairi zu Meaco gelassen. Die stadt Ieddo ist so volck-reich , als nicht leichtlich eine in Europa . In der ringmauerderselben stehet ein grosses, starck bevestigtes prächtiges schloß,in welchem der Cubozama, oder Kayser, seine gantze familieund Hofstatt residiren. Wie übrigens die regiments - folge dc,rer Cubozama, seit obgemeldter Veränderung, bewandt gewe-sen , davon findet man bis zu den zeiten, da Japan den Euro-päern nach und nach bekannt worden, nichts zuverläßtges auf-gezeichnet , wol aber, daß die Nachfolger des Dairi und Cubo-zama die regierung, obbeschrtebener Massen, neben einander bisan. i z fiz. fortgeführet. In diesem jähre aber gieng es dem Cu.bozama, oder Kanser, eben so, wie es seine vorfahren dem Dai-ri gemacht. Dieser hatte 2. Staats-bedienten, einer war ReichS-Cantzler und hieß Mioxindono, der andere hatte das commandoüber die soldaten und den nahmen Daxandono. Beyde ver-schworen sich wider den Kayser, und belagerten denselben in sei-

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