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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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kräfstigen trachtet. Man schreibt ihm auch das sogenanntebuch der frommen, oder das 8epKer Hafidim, zu , welchesvon der Silten-lehre handelt, und davon die Jüden viel wercksmachen. Es ,st zu Bononien an. i?;8. und zu Basel an.1581. gedruckt worden. Einige aber halten dafür, dieses wercksey chender, und zwar von Iuda obgemeldtem vatter, demRabdi Samuel, geschrieben worden. Woifi> bibl. Hebraa.

* Judas , ein Essäer von geburt, warf sich unter den Ju-den als ein Provhct auf, und solle» nach Josephi bericht alleseine Wahrsagungen erfüllet worden seyn. Da er Anligoiiiim,den söhn Hyrcani, welchem sein bruder Artstobulus niit theilan der Crone von Judäa gegeben hat, gesehen in den kempelzu Jerusalem gehen, sprach er zu seinen discipeln und zu denumstehenden freunden» welche gewöhnet waren ihm nachzusol,gen, um den ausgang seiner Wahrsagungen abzuwarten, daß ernunmehro lieber sterben, als zu feiner schände längerleben wollte, indem das leben Anttaoni beweisen wür-de , wie eitel und nichtig seine wahrsagerische wissendschafft gewesen. Dann er hatte wenig zeit vorher geweiffa-gel, daß dieser Printz den nemlichen lag in dem Stratoni-schen thurn umkommen würde; dieses aber schiene nunmehrounmöglich, da sich Antigonus zu Jerusalem befunden, und dererstbesagte thurn gegen die 600. stadia von Jerusalem ablag ,zumal über diß der tag schon fast vorbey war. Alldieweiler aber also redete, brachte man ihm die botschaffk, Antigo-nus sey eben jetzo in einem unter-irdischen ort, Straton ge-nannt < limgekommen, von welchem er nicht gewußt hat, daßer den nemlichen nahmen führe, welcher dem an dem meergelegenen Stratonischen thurn gegeben, und der nach der HandCäjarea genennet worden. Joseph, antiq. üb. XIII. c. 19. Essind etliche, welche behaupten, dieser Judas sey der nemliche,welcher das zweyte, und vielleicht auch das erste buch der Mac-cadäer geschrieben hat, und er sey auch derjenige gewesen,welcher zusamt dem volck und den vornehmen zu Jerujalem,und dem Sanhedrin den drief geschrieben, welcher in Egyvtenan Aristobulum und zugleichan alle Jüden ist abgelassen worden,die daselbst ihre Wohnung gehabt haben. z.Maceab.X. & XI. 14.

* 3 ufcctö, ein Griechischer Theologus und Historicus, lebtegegen dem ende des zweyten und zu ansang des dritten se-culi. Er verfertigte ein werck von den siebenzig jahr-wvchender prophezeyung Danielis, und dabey eine Lbronograpbiam,welche er bis in das zehende jähr der regicrung Severi fortge-führet hat, so da fällt in das jähr Christi 20;. Eufibius ,iib. VI. c. 6 . bist. eccles. Nicepborus , lib. IV. c. 14. S. Hie-ronymt catalogus &c.

Iudea, oder Judäa , eine Asiatische landschafft in Syrien ,welche auch unter dem nahmen Palästina bekannt ist. Vorzelten wurde sie genannt das land Canaan , und das gelobteland, anjetzo aber heiffel sie insgemein das heilige land. Zualten zeiten wurde unter Iudea entweder das gantze gelobteland verstanden, und da begriff es alle 12. stamme Israel un-ter sich, oder Iudea ins besondere, da es nur den stamm Ju-da, Bemannn und Simevn nebst den stadten Jerusalem , Beth­ lehem , Ascalon, Azot , Joppe, rc. in sich hielt, als welche un-ter dem eigentlichen sogenannten Königreich Iuda begriffenwaren. Zu unsers Heylandes zeiten wlirde dieses land in 6 .theile unterschieden; z. lagen bissest des Jordans, gegen dasMittel-meer zu, nemlich Galiläa, Samaria und das eigentlichsogenannte Iudea; und ;. lagen jenseit diefts sinsses, nemlichTrachonitis , Jturaa ober Peraa und Jdumäa. Nach Jose-phi beschreibung sind die grentzen gegen Mitternacht das dorfAnuach, sonst Borceos genannt, gegen mittag gehet es bis andas Arabische dorf Jordan, und in der breite erstreckt es sichvon dem Jordan bis an die stadt Joppe. Jerusalem liegtmitten darinnen. Dieses herrliche land ist über alle Massenfruchtbar, zumal an wein, öl, balsam und palmen, wiewol esheut zu tage bey weitem nicht mehr in dem vorigen stände;es wird in n. theile unterschieden , wovon Jerusalem als dieKönigliche stadt mit ihrem bezirck das erste und vornehmsteist. Die andern io. theile werden in eben soviel Gouverne-ments und Aemter eingetheilet, als da sind Gophna, Acrabate-ne, Tamna, Lydda , Emaus, Peräa, Jdumäa, Engadi , Hero-dion und Jericho ; Jamnia und Jobba, deren gebiethe bis andie benachbarten länder reichen, werden in dieser eintheilungnicht mit begriffen. Es wurde dieses land anfänglich von denJediisitern und Cananitern besessen, aber zu Josua zeiten ka-men die Jsraelilen, welche die Cananiter vertrieben, und dasland nach und nach einnahmen. Nach des Josua tobe wur-de Iudea eine zeitlang durch Richter regieret, bis auf denSamuel, welcher ihnen auf ihr verlangen aus GOttes besehtSaul , den söhn Kis, zum König gab, welchem David, unddiesem Salomon folgte. Dessen söhn Roboam hielte das volcksehr hart, weswegen so. stamme wider ihn revollirten, undJerobeam zum König erwehlten, die 2. stamme aber Iuda und Benjamin, blieben unter seinem gehorsam. Darauf ent-stunden in Iudea 2. Königreiche , eines von Israel, das an-dere von Iuda . Die Könige von Israel regierten bis aufOstam, welchen Salmanaffer von Assyrien überwand, undnebst dem Israelitischen vvlcke mit sich gefangen hinweg führ-te. Gleiches Unglück betraf nach einiger zeit die kinder Ju-da , indem Nabuchobonosor ihren König Zedckiam gefangennach Babel führte, und den tempel zu Jerusalem zerstörte. Es

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musten also die Jüden unter dieser gefangenschaffl 7». jährdauren, bis ihnen Cyrus vergönnest, in ihr land wieder zurückzu kehren. Anfänglich zwar war Zorvbabel ihr Regent, nachdiesem aber kam die regierung an die Hohenpriester. Antio-chus Epiphanes verfolgte die Jüden auf das äusserste, welchesaber getegcnhett gab, daß sie sich wider ihn empörten, und dieHasmvnacr^n ihren Fürsten annahmen , welche sie von dergemalt der Sprer bcfreyeten. Selbige regierten in Iudea bisauf Juli« Casaris zeiten, welcher Antipalrum in Iudea ein,setzte, gleichivie Augustus Herodem. Nach dessen rode ivurdeArchelaus Herr von Iudea,welcher aber «vegen verübter grau-sainkeik auf anklage seiner Unterthanen im 9. jähre seiner re-gierung nach Vienne in Franckreich relegiret, und Judäa zueiner Römischen provintz gemacht wurde. Agrlppa Maj^rerhielt zwar von dem Kayser Caligula Judeain wieder, undbehielte es unter Claudia, bis er starb, worauf das land nachdiefts Kanftrs Verordnung «viederuin zu einer Röm- provintzwurde. Es suchten sich aber die Jüden gegen ende der regierungNeronis von dem Römischen joche los zu «nachen, wurdenaber unler Vespasiano nach eroberung Jerusalems vollendsunterdrücket, und will Jofephus behaupten, daß in demftldigenkriege 1100000. Jüden umgekommen, und 97000. als sclavenverkauft worden.. Zu KayftrS Adriani zeiten revoltirtcn sieunter ihrem anführer Barcochda abermals, und meynten sichwiederum Herren von Jerusalem zu machen, wurden aber ge-schlagen » und darauf in alle lande zerstreuet. Nach der zeitist Iudea unter der Röiner botmaßigkeit blieben , bis es beyder theilung der Römischen Monarchie unrer das GriechischeReich gekommen. Die Saracenen bemeisterten sich diesesiandes in dein VII. steculo, und ob gleich durch die angestelltencreutz-fahrten selbiges von den Christen mehrenthetls wieder warerobert worden, so vertrieben doch die Saraccner die Christenin dein XIII. strculo völlig daraus, und besitzen es noch. Ge-nes. Judic. Maccab. Mattbaus. Marcus. Lucas. Johannes. Jo-se phus. Vhilo Judaus. Eusebius . Sulpicius Severui, Adricho-mius. Quaresmius. Cunaus, de Republ. Hebrseorum. Heidman ,»/ Paladtina. Menocb'tus , de Republ. Hebr. Sebikard. de JuraRegio Hebr. Dapperi Palästina. Ceüarii not. orb. ant. Leydt-cker. de Rep. Hebraeorum. *

Juden oder Jüden, ein eigenes volck, so ehernals GOttesvolck genennet wurde. Sie stammen von des Jacobs söh-ne, Iuda , her, und lebten nebst den andern stämmen Israeliserstlich in dem lande Canaan , zogen aber nachgehends mitihrem vatter Jacob in Egypten, und wohnten in dem landeGoftn. AIs sie aber daselbst mit schwerer dienstbarkeit geplagtwurden, führte sir GOtt, nachdem sie auf dessen befehl daspassah gehalten, durch Moftn mit starcker Hand aus Egyptendurch das Rothe meer, und brachst sie in das land, welches erihnen verheiffen hatte. Allein weil sie sich an GOtt versün-digten, gab er sie in ihrer feinde Hände, bis sie endlich durchdie gantze welt zerstreuet wurden. Was nun die heutigen,den anlanget, so theilen sie ihre gesetze und ceremonien ingaltungen ein: die erste gattung begreift in sich alle gebötedes geschriebenen gefttzes, so in den büchern Mosis enthal-ten ; die andere hält in sich die geböte deS mündlichen gest»tzes, welche die von ihren Rabbinen zusammen getragene sa-tzungen sind, die sie die geböte der weisen keuche nennen , undim Talmud zu sinden sind; die dritte gattung fasset ihre ge-brauche in sich. Unler diesen werden die 2. ersten gattungenvon allen Jüden durchgchends angenommen , sie seyen auchan weichem orte der welt sie wollen, ausser denen , welchevon der Caraitischen sectc sind ; was aber die gewohnheitendettift, so sind sie darinnen nach den örtern , da sie wohnen ,von einander unterschieden. Ihr gantzcr gottesdienst bestehetheut zu tage allein in gewissen gebären, die sie in ihren schu-len verrichten, gestalt sie nach der zerstörung ihres lempels zuJerusalem nicht mehr opfern dörfen. Sie erkennen 7. grund-articknl ihres glaubens, welche folgende sind : ,.) daß GOtt ei-nig und ewig sey. 2.) Daß dieser GOtt allein anzubäten sey.1.) Daß nicht nur allein Propheten gewesen seyn. sondern auchderer noch seyn können. 4.) Daß Moses der gröste unter allenvon GOtt unmittelbar erkeuchsttcn und getriebenen Provhelengewesen, und daß sein gefttz nach allen geboten von GOtt ge-geben worden. 5.) Daß ermeidsts gefttz unwandelbar sey, unddaß man weder etwas darzu setzen noch davon thun solle, auchnicht könne. 6 .) Daß ihr Meßias als noch zukünftig zu erwar-ten sev, welcher der mächtigste unter allen Königen auf erdenseyn werde. 7/) Daß GOtt am ende der zeit die todten erwe-cken, und darauf sein allgemeines gericht erfolgen werde. Eswaren vor zeiten unterschiedliche steten unter den Jüden,worun-ter die vornehmsten die Samariter, Essäer, Sadducäer undPharisäer waren. Heut zu tage sind die ansehnlichsten dieRabbaniten und Caraiten. In der Türckcv giebt es zweyerleyJüden, nemlich solche, die in dem lande gcbohren sind, oder ein-heimifthe und fremde, welche letztere also genennet werden,weil ihre vorfahren aus Spanien oder Porlugall gekommensind. Die erste» unter diesen tragen turbans oder dünde vonunterschiedenen färben, wie die Orientalischen Christen, undsind von selbigen an nichts anders unterschieden, äls an ihrenschuhen, welche schwartz oder violet-braun sind ; da hingegendie Christen rothe oder gelbe schuh tragen. D.ie ausländischenJüden tragen auf dem köpfe eine gewisse mütze, die wie einSpanischer Hut aussiehet, aber keinen rand hat. Sie sind

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