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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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* Es werden zwar bin lind wieder noch andere sehr linge-lttik ^ reimte Meynungen den Mahomedancr» beygelegt, allein ohnei gründ., wie solches mit vielen cxcmpeln Adrianus Reiandusbestätiget hat. Dahin gehöret, daß einige vorgeben, als wenn< die Mahomedancr gläubtcn , daß ein »cber ,n seiner religionkönnte selig werden ; inglcichen , daß sie GOtt dem HErrn el-nen leib beylegen sollten, oder daß sie behaupten sollten, GOtt7 , 7 « ^ wäre selbst der urhebcr des bösen. Ferner wird ihnen fälschlichangerichtet, daß sie den adend-stern oder die Venus anbatelen,t? oder gar alle geschöpft, auch die Hunde und andere thiere, wieetliche keine scheu getragen vorzugeben. Fälschlich wird th-r» nen auch beygelegt, daß sie die göttliche provldcntz laugneten,

^ k* tngleichen, daß sie glaubten, GOtt und die Engel bätelen für

H den Mahomed, oder daß sie selbst, wenn sie däretcn, das ge-

ficht gegen mittag richteten, und daß sie gläubten, durch,das^ viele wasche» würde die unreinigkeit der seelcn oder die fünde

feit ii;.. von ihnen genommen. So findet auch,keinen gründ , daß sie

««UM, ? sollte» die Hölle läugnen, und von den bösen geistern vorgebe»,

daß sie GOtles i>nd des Mahomeds freunde wären. Anderezwar geben vor, Mahomed habe gelehrt, daß auch die teufetdereinst würden selig werben, gleichwie solches unter den Chri-sten Origenes behauptet, welches aber von andern geläugnetwird, als welche die Worte, so in dem Alcoran stehen, nichtOK·-.* von den teuft!» oder böstn engeln, sondern von den Geniis ver-stehen, welche Mahomed zwischen den guten und bösen engelnjCu/i gesetzct, und deren etliche gläubige , etliche aber ungläubigegeuennet, davon die ersten die stligkeit zu hoffe» hätten , die an-Hern aber würden mit den ungläubigen menschen in ewigkeitverdammet werden. Von dem zustande der seligen sollen die"" 7 .** Mahomedancr, dem gemeinen vorgeben nach, glauben , daß«lasse derselben höchste glückseltgkcit allein in der belustiqung der äus-a ja:ftrlichen sinne und in ansübung fleischlicher Wollüste bestehenna,«* würde, welches sich gleichfalls gantz anders befindet. Sinle-mal keincsweges Mahomed die seligkeit der seinigen nach demwer:: tobe allein in der sinnlichen crgctzung gesetzt hat; und ob gleichunter den belohnungen, die er den seinigen nach dem tode vcr-sprachen, auch der fleisthlichen ergetzungen Meldung geschiehet,tW so sind doch viele unter den Mahomedauern, welche dieses ver-Lr d blümier weise verstehen, und von den ergetzungen der seele, dieAm>r:: dadurch beschrieben wären , auslegen wollen. In diesen undtiivielen andern lchr-puncten wird also die Mahomedanische reii-iqWi: gion von vielen weit anders vorgestellet, als sie sich in derthat befindet, wozu noch viele historische irrthümmer kommen,«KSa die man in dem Alcoran will angetroffen haben, so aber vonandern, die alles etwas genauer untersuchen, darinnen nichtiotafc Munden werden.

Diejenigen nun, welche die lehre des Mahomeds anneh-t täf- tuen, werden von ihnen Muselmänner geuennet, das ist, rccht-gläubige, und ihre Fürsten und Könige heiffen Emir Elmu-imm inenim , daß ist, Fürsten der gläubige». Unter denstlbcndine desto bessere einigkeck zu erhalten , hat Mahomed auf dasii«·, schärfste verboten , daß man von den rcligions-puncten nichtdifputiren sollte. Dem allen ungeachtet hat er seinen cndzwecknicht erreichen können, sintemal nach seinem tode grosse und vie-® *5°' le spaltungen unter ihnen entstanden sind; und zwar so entstund», ·, erstlich ein streit wegen der nachfolge in der regierung, welcher

nw 7 zu einer solchen spailung gelegenheit gegeben, die noch bis auf

«i>M den heutigen tag währet. Denn etliche behaupteten , daß Ali,w? 1 ; des Mahomeds schwteger-sohn, sein rechtmäßiger Nachfolger

ei* hc* wäre, welches auch Mahomed selbst verlangt hat; andere

eint? aber wollten, daß ihm Abubeker succediren sollte, welche letz-

»M, lern auch die oberhand behielten. Dem Abubeker folgte Omar,

und diesem Osman , worauf endlich Alt die regierung erlang-WB ' te; allein es widersetzte sich ihm Muavia, der auch einen gros-$ Ktö* sen anhang bekain. Lieraus nun entstund ein grosser streit,indem einige, worunter sonderlich die Perser, vorgaben, daßirrtKW' Ali der rechtmäßige Nachfolger des Mahomeds sey , und woll-

(flisärt ten Abubeker, Omar und Osman, wie auch den Muaviam

0t- nicht ^afür erkennen; die Svrer aber, die Egyptier und an-

dere Saracenen folgten dem Muavia, und hielten den Abu-bekcr, Omar und Osman für rechtmäßige Nachfolger desMahomeds. Hierzu kamen nachgehends nöch andere strettig-L'flfi keilen von unterschiedenen rcligions-puncten, betreffend die.{ii eigenschafften GOkkes , dessen rathschlüsse, prophezeyung, dieauthorität des Alcorans und dessen auslegung, unterschiedenegebrauche im bäten , fasten, waschen , und so ferner, wvrzu<^uch noch der unterscheid in der kleidung kommt, indem dieM^ Perser einen schlechten bund von wollenem tuch, die Türckeneinen gewundenen von leinwand auf ihren Häuptern tragen.Über dieses giebt es auch noch viel andere steten unter denMahomedancr», so, daß einige derselben 72. zehlen, andereaber setzen 4. bis Haupt-seelen, davon eine jede wiederum inviek andere zertheilet ist.

Sonst haben auch einige angemercket , daß die Mahoine«dänische religion von ihrem urhever so eingerichtet wäre, daßdadurch ein mächtiges Reich könnte fundirel und erhalten wer«den. Viele lehr-satze find so beschaffen, die menschen durch ver-frtw stattung der Wollust an sich zu locken. Die grossen verspre»chungen i_ so denen geschehen, welche ihr leben im kriege Wideralle, so sich ihnen entgegen setzen , eindüssen würden ; inglei-0 :chen die opinion der falalitat, und daß man kemesweges ster-konnte, wenn die von GOtt bestimmte stunde noch nicht># 1 ; vorhanden, und andere bey ihnen reciplrte Meynungen find0 ,

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capabel, die leuthe zur tapftrkeit im kriege anfznmuntern. Umgute ordnnng zu erhallen, dienet gar viel das verbot deswem-trinckens. Das verbot alles disputircns von religions»stechen dienet darzn, die cinigkeit, so viel als möglich, un-ter ihnen zu erhalten, welche billig unter die grund-vcste al-ler Republiquen und Königreiche kan gezehlet werden. Auchkommt ihnen wohl zu statten, daß sie die Unwissenheit , soviel als möglich, bey den ihrigen zu erhalten sich bemühen,welches alles dennoch nicht zulänglich ist , den rechten entzweckzu erhalten, weil der rechte gründ, nemlich die Wahrheit der re-llgion ihnen mangelt , und das gantze gebäude sowol ihresReichs als ihrer religion sich auflauter lügen gründet. Duma.

Jiexui, de hasres. 7 beopbanet. Nicepborus Cinfiuntwop. Canta.cuzmus. Cear< nns. Zonaras. Forbeßus, inltruct. hiltor. Theolog,lib. IV. p. 17). seq. Hottmgerui, hiltor. Orient, üb. XI. LeMoyne , in variis sacris p. ;or. scq. Andrea , in confusionefeste Mahomed. IVidmanßadius, in notis ad theolog. Maho-med. & in epitome Alcor. Guadugno/ur , in apologia pro rg»ligione Chriitiana contra Achmet Perfam. ifeß'eru , in Theo-log. Mahomed. Maracciui , in prodromo ad refutadonemAlkorani. Reiandus , de reiigione Alahomed. &c. Bßus , inlmper. Turc. (siehe Mahomed.)

Mahomed I. ein Türckischer Sultan, war einer von Ba«jazelö söhnen, welchen Tamerlanes in einen Vogelbauer steckenließ. Er succedirte seinem bruder Musa , welchen er nach derTurckischcn >ahr-zahl 8-6. oder A. 0 . 141;. fwiewol die hi-storten-schreiber dißfalls sehr unterschiedener mcynungen sind)bey der stadt Sorankows überwand , und des abends in ei-nem gezclte umbringen ließ. Worauf Mahomed gantz Ro-manien eingenommen, und vollkommener Herr worden. Erschickte auch seine Gesandten an alle benachbarte Potentaten,um mit ihnen friede zu schltessen. Er machte sich durch seinesiege und treue berühint und beliebt, wie ihm denn das lobbeygelegt wird, daß er seine zusage unverbrüchlich gehalten.Das Otlomannische Reich ist unter seiner und seines sohnsAmuralh 11 . regierung ziemlich empor gekommen. Er nö-thigte den Herrn von Caramania , welcher inzwischen, da Ma,homed und fein bruder Musa einander im Reich herum jagten,im trüben zu fischen hoffte, ihin ;. städte und ein schloß abzu-treten. Darneben eroberte er auch Pontum, Cappadocien,Servien , einen theil von Sclavonien und Macedonien, undzwang die Wallachen, daß sie ihm jährlich einen gewissen tri-but erlegen musten. Er verlegte seine residentz nach Adriano­ pel , fieng an vestcn fuß in Thracien zu setzen, und plündertedie Venetianische Hcrrschaffr an dem Ionischen meere, welcheaber Lamp,aco und einige andere städte von ihm eroberten.Ferner führte er auch krieg wider Jsmael, den Fürsten vonSmopi, weil leidiger seinen bruder Mustapha in schütz ge-nommen. Hingegen war er gegen die Griechen, die sich dessel-ben bemächtiget hatten , so danckbar, daß er ein bündnis mitihnen gemacht, welches er treulich beobachtet. Von der zeitseines lodes , wie auch des anfangs seiner regierung werden un-terschiedene meynungen geführt. Die allerwahrscheinlichste istdiese, daß er an. -42-. oder nach der Türckischen jähr - zahl824. am schlage gestorben. Cbakondyl. hist. Turc. Lumcla-vius , neue chrvnick Türcklfch. nation rc.

Mahomed II. der cilfte Türckische Sultan, von den sti»nigen Bojuc , d. i. der arosse zugenannt , war ein schreckenvon gantz Europa , und der glücklichste unter allen ungläubi-gen Potentaten. Er succedirte seinem vatter Amurath II. an.1451. in dem --sten jähre seines alters, und ließ gleich beydem antritce seiner regierung die merckmale seiner grau-samkeit sehen , indem er seinen bruder Tursinen in seinergegenwart durch seinen favorilcn Most» ersäuffen ließ, Mo-st» selbst aber der raache seiner mutier auslieferte, dieihm das Hertz mir ihrem messer vor den äugen des grau-samen Mahomeds durchstieß, die leber heraus schnitte/ undden hnnden fürwarf. Hierauf suchte er seine Herrschafftenunmäßig auszubreiten , und rnachte dahero mit den Despotenund dem Kaystr Palävlogo friede, damit er desto nachdrückli-cher dem Caramano in Iconien unter die äugen rücken könnte.Er war auch in dtestm zuge so glücklich, daß er Caramanumin 6. monalen zu paaren trieb. Dieses aber bestärckte so garseinen Hochmuth, daß, als er aus Asien nach Europam ge-kommen , er sowol mit dem Kaystr Constantino Paläologoals mit den Despoten den frieden brach, und sodann derstadt Constantinopel alle pässe, wodurch ihr aus Scythieneinige hülsse zugeschickt werden konnte, abschnitte. Nachdemer nun also sich in sicherheit vor auswärtigem succurs gest-tzet, rückte er mit einer grossen armer vor die stadt, delaqer.te sie zu wasser und zu lande, und bekam sie endlich an demListen tage, als er den soldaten die freyheit zu plündern ge-geben , mit stürm ein , da dann der geilheit und grausamkeitfreyer zügel gelassen wurde. Dem Kaystr Constantino ist derköpf abgeschlagen , und selbiger durch die gantze stadt an ei-nem spiesse herum getragen, seine tochter aber bey der kafelihrer ehre beraubet, und darauf zerhauen worden. Selbstdie wunderschöne Irene, welche ihn, wie berichtet wird, et,liche tage in ihrer liebe gefesselt hielte, muste endlich gleichfallsseinem raach-schwerdte in dem 17. jähre ihres alters herhal-ten , damit er zeigen möchte, daß er kein sclave eines schwa.chen werckzeuges wäre. Constantinopel ward zwar durch die

grau-