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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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feiten sehr gram, und wünschte, daß er ein storch, die Teutschenaber stsche wären. Er regierte 4. >ahr, einen monat und 7.taae, und starb zu Perugia an. 128;. den 22, mart. Platina.VuCbL·. Papir. MaJJbn. in vita Pontif. Spontan. & Rai-nald. in annal. eccles.

Martinus lll. oder, wie andere die Papste zehlen, V. son-nen Otto Coluinna genannt, war von geburt ein Romer, emsobn Agapeti Columna. Er hatte seine beforderung zur Cardl-nals- würde dem Papst Jnnocentio VII. zu dancken, der ihman 1405. dieselbe conferiret, und wurde in unterschiedenen Le-qationen auch andern Verrichtungen gebrauchet. Es geschaheaber, daß bey der grossen spaltunq, die damals rn der Occl--dentalischen kirche war, auf einmal drey Papste erwehlet wa-ren , davon gerne ein jeder allein Papst gewesen wäre, Grego,rius Xll. Johannes XXIII. und Benedictus XIII . Weil nundiese drey heftig sich darüber zanckten , und dadurch grosses ar-gernis und unruhe in der kirche anrichteten, kam es endlich da-hin , daß durch vielfältiges bemühen des Kaysers Digismundrdas Concilium zu Costnitz versammelt, und auf demselben Jo-hannes und Benedictus abgesetzt wurden, Gregorius aber begabsich selbst dieser angemaßten ehre, und starb bald darauf fürgrosser bekümmerniö. Nach diesem ward auf dem gedachtenConcilio der Cardinal Otto Columna von den Cardinälen undeinigen andern aus den vornehmsten nalionen darzu verordnetengeistlichen Personen erwehlet. Solches geschahe an. 1417. andem tage Martini, dahero er auch den nahmen Martini an-nahm. Er wird wegen der sonderbaren klugheil, die er in sei-ner regierung verspüren lassen, gerühmel, und ist nicht zuläuqnen, daß er selbst auf dem Loncilio zu Costmtzl die vorha-bende resormation der Clerisey und des Römischen Hofes garkünstlich zu hintertreiben wußte, indem er dem Kayfer vorstell-te , daß jetzo keine bequeme zeit dazu wäre, die siiche wäre vongrosser Wichtigkeit, und vieler gefahr unterworffen, dabey mansich also wohl zu bedencken. Sonsten verursachte ihm der PapstBenedictus XIII . einige unruhe.Denn ob er gleich von dem Con-cilio zu Costnitz abgefetzet war, wollte er sich doch nicht so leichtaccommodiren , als der Papst Johannes that. Denn er hieltsich zu Peniscola in Catalonien auf, woselbst er von Alvhonso,dem Könige in Aragonien , beschützet wurde. Dieser Alphon-sus war von dem Papst gar sehr offendiret, indem er Ludovicovon Aniou den titul und die Investitur des Königreichs Nea-polis gegeben hatte. Dannenhero auch , als der Papst dasConcilium zu Siena hielt, schickte Alphonsus einen Gesandtendahin, der sich auf das äusserste bemühete, es dahin zu brin-gen , daß man Benedictum wiederum für einen rechtmäßigenPapst erkennen möchte. Nun starb zwar zur selbigen zeit an.1424. Benedictus; allein auf anstiften des Königs Alphonst er-wehrten die zwey Cardinäle, die er bey sich gehabt, Aegidimnde Munion > einen Canonicum zu Barcellona, zum Papst, derden nahmen ClementiS VIII. annahm, und auch alsbald sich un-terstund , Cardinäle zu creiren, aber von dem Concilio zu «2ie-na verdammet wurde. Auch verglich sich endlich der PapstMartinus mit dem Könige Alphonfo , worauf Clemens an.1429. sich freywillig dieses tituls begab , und mit dem Bischoff-thum von Majorca zufrieden war. Was aber Johannem an-langet , der durch hülffe Cosmi Medices wieder aus seinem ge-fängnis, darein er aufbefehl des Concilii zu Costnitz war gele-get, befreyet wurde, submittirte sich derselbe dem Papst Marti-no freywillig, dahero auch derselbe ihn gar wohl empsieng, undzum vecano des Cardinals - Collegii machte. Sonsten bemü-hete sich auch dieser Papst, die Vereinigung der Lateinischen undGriechischen kirche zu befördern, darinn er doch seinen end-zweck nicht erhielt, so wenig als er die Hußiten unterdrückenoder zum gehorsam bringen konnte, ob er gleich alle Fürsten und Stande in Deutschland mit ernst ermähnet, die Waffen wi-der sie zu ergreiffen. In Italien machte er sich sehr beliebt, in-dem er durch beylegung der streitigkeiten unter den ItaliänischenFürsten den frieden wieder hervor brachte, wie er denn auch dieWohlfahrt, erhaltung und Verbesserung der stadt Rom ihmäusserst angelegen seyn ließ, und also starb er mit grossem rühmbey der Römischen kirche den 20. fedr. an. 14; i. in welchem jäh-re nachgehends das Concilium zu Basel angieng, welches ervorherv bey anfhedung des Concilii zu Siena bestimmet hatte.Platina , in vita Pontif. Rom . Jacobi, in bibl. Pontif. ActaConcilii Constantiensis ab Hermanno von der Hardt edita.Ba ovius. Spondanut. Raynaldi annal. eccles. Heidegger, hüt.Papatus, &c.

Rönige von Aragonien und Gtcilien:

Martinus, König von Aragonien . Sein vatter war Pe-trus IV. mit dem zunahmen Ceremoniosus , welcher am i;87.mit tobe abgieng, und feine mutier Eleonora, eine tochter Pertri, Königs von Sicilien. Sein älterer bruder, Johannes, suc-cedirte in dem Reich. Er aber heurathete an. 1,72. Mariamde Luna, des Grafen Don Lope de Luna einzige tochter, undbekam mit ihr die Herrfchafft Luna und Segorve. Über diesesgab ihm sein vatter die Baronie Ererica , mit dem titul einerGrafschafft, und machte ihn zum Connetable des Reichs, auchward er nachgehends zum Hertzoge von Momblanc erklärt.Sem söhn gleiches nahmens vermählte sich an, i;86. mit derSicilia,nützen Erb - Königin Maria, worauf er selbst sie bey-de m dieses Königreich begleitete, und ihnen solches behauptenhalf. An. i)9;. starb sein älterer bruder, Johannes, ohne

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männliche erben, dannenhero er demselben aufdem Araqvni-schen throne nachfolgte, ungeachtet seines vorfahren tochter Jo-hanna , vermählte Gräsin von Foix , ihm anfangs darin» vor-gehen wollte. Seine regierung war gar friedlich. Allem ererlebte das Unglück, daß obgemeldeten seines einzigen fohns ein-ziger Printz Friedericus, an. 1400. dessen mutker, Maria, an.1401. und dessen vatter, der jüngere Martinus, an. 1409. die-ses zeitliche gesegneten. Wiewol nun solcher gestalt der Arago-nifche König , MartinuS, auch das Königreich Sicilien er-hielt , so sahe er sich doch ohne leibeS - erben, ohne gemahlin,und theils wegen seines alters, theils aber wegen seiner unge.meinen dicke, fast ohne Hoffnung , einige posterität zu erlan-gen. Indessen ließ er sich dennoch überreden , mit einer ausdem Königlichen Aragonifchen Hause entsprossenen Dame,Donna Margaretha, Gräfin von Prades , sich zum andernmal an. 1409. den 17. sept. zu vermählen. Allein die vergebli-che bemühungen, so er anwendete, seinen zweck zu erreichen,beschleunigten seinen tod, welcher in dem kloster ValdonzellaSbey Barcellona, den letzten may an. 14m. erfolgte, und zwarin währendem lachen, welches durch eine kurtzweilige rede sei-nes Hof-narren, Borra, verursacht worden. Man begrubihn zu Poblete, und nach vielen streitigkeiten succedirte ihm so-wol in dem Königreich Aragonien , als in Sicilien , seinerfchwester Eleonorä söhn, Ferdinandus, Jnfant von Casiilien.

Marian. hift. de Efpanna. Turquet , hiit. de lEspagne.

Martinus, der jüngere, König von Sicilien. Seingroß - vatter war Petrus IV. König von Aragonien , mit dembeynahmen Ceremoniosus, feine groß - Mutter Eleonora, einetochter Petri, Königs von Sicilien, sein vatter Martinus, an,fangs Hertzog von Monblanc, nachgehends aber gleichfalls Kö-nig von Aragonien , und feine mutier Maria, des GrasenDon Lope de Luna einige tochter. Er heurathete an. izzs.Mariam, eine tochter und Cron - erbin des Königs Fridericivon Sicilien , durch welche er nach vielen fchwierigkeilen sichin den ruhigen besitz dieses Königreichs fetzte. An. izg;. dcn17. nov. ward ihm ein söhn gebohren , welchen etliche Peirum,die meisten aber Fridericum nennen. Allein derselbe starb an.1400. und das folgende jähr den 26. map starb auch dessen mut-ier, die Königin Maria, zu Catanea. An. 1402. vermähltesich Martinus zum andern mal mit Bianca, der dritten tochterdes Königs Caroli III. von Navarra , mit welcher er einen söhnzeugte, der aber bald wieder starb. An. 140;. im avril thater eine reise zu seinem vatter nach Barcellona. Allein dennächst - folgenden 6. aug. mnfte er von dannen wieder in seinKönigreich zurück reisen, weil Don Bernardo de Cabrera un-terdessen einige Verwirrung daselbst erweckt. An. 1409 . erhielter einen wichtigen sieg wider Brancaleonem Doria und Aimcri.cum, Vice - Grafen von Narbonne , welche in Sardinien ei-nen aufstand erregt hatten. Er fiel aber daselbst in eine kranck-heit, und weil er mit einem Sardinische» frauenzimmer, eheer noch seine vorige gesundheit wieder erlangt, sich allzu starckangriff, so starb er noch dasselbe jähr zu Cagiiari, in der Haupt,stadt des letzt - gedachten Königreichs, den 2?. jul. in der be,sten blüthe seines alters, und ward in der hauvt- kirche alldabegraben , worauf ihm fein vatter in dem Königreich Sicilien succedirte. Er hinterließ von zwey Sicilianischen weids - bil-dern zwey natürliche kinder, nemlich von einer, nahmens The-resia , einen söhn Fridericum , welcher den titul eines Grafenvon Luna führte, und endlich wegen vielfältiger unruhe, so erin Castilien angestiftet, an. 1434. zu Mcdina del Camvo, inverhafft genommen ward, worinn er auch gestorben; hier,nächst von einer, nahmens Agachusa , eine tochter Vivlantam,welche sich nachmals an den Grafen von Niebla verheurathet.Mariana , hilf. de Efpanna , üb. XVII]. XIX. XXI. Zuri-ta , lib. X. c. 74. Fazel. lib. IX. c. 7.

Andere berühmte Leuthe:

St. Martinus, Bifchoff zu Tours in dem IV. feculo, warvon geburt ein Ungar aus Güntz, lat. Sabaria , eines fvldatensöhn, und anfänglich selbst ein soldat, ließ sich taufen , undführte in einem so gefährlichen stände, dennoch ein unschuldi-ges und stilles leben, daß man ihn mehr vor eine» Mönch, alsvor einen fvldaten halten konnte. Itachgehends sonderte er sichvon der welk ab, und erlangte alle tilgenden, die an einem Bi-fchoff erfordert werden. Der heilige Hilarius von Poistersnahm ihn mit nach Franckreich, und bot ihm einen kirchen-dienst an, den er aber unter dem vorwande, GOlt desto besserzu dienen, ausschlug; doch willigte er endlich darein , daß erchn znm Exorcisten und Leser machte, welche eine der gering-sten bediennngen war. Unter diesem grossen lehrmeisier nahmer in der gottseligkeit sehr zu. Nachgehends wurde er wider sei.neu willen zum Bischoss von Tours erwehlet, welche wähl derChristlichen kirche und sonderlich Franckreich lehr nützlich undrühmlich war. Sein eifer vor die sortfetzung des glanbens undausrottung der abgötterey war ungemein groß. Wodurch ersich dann bey den alten Galliern in sonderbare Hochachtung ge-setzt , so daß sie auch von seinem tobe ihre jähre zehlten. Erstarb zu Cande an einem sonnkaq des morgens frühe den n.110». am 400. 404. oder 402. Gleichwie er aber eines sehr stil-len gemuths war, also konnte er niemals in die vcrfolgung derketzer willigen, und eben daher, gleichwie auch um andererUrsachen willen, muffe er viel von der Clcxiftv erdulden. DasErtz - Stift Mayntz hat ihn von seinem erste» Ursprung an zum

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