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gebracht, zusammen zu tragen. Unter andern hat Eusebius inGriechischer spräche ein Martyrologium verfertiget , das ist, ei-nen oatalogum der Märtyrer, worinn eines jedweden nähme,nebst dem orte und der zeit seines todes zu finden. St. Hic-ronvmus hat es in die Lateinische spräche übersetzt; allein beydesist verlohren gegangen. Das Martyrologium , so man demBcda zugeeignet, ist an vielen orten verdächtig, und enthältdie nahmen etlicher Personen, so erst nach seiner zeit gelebt.In dem IX. siecu!o find viel Martyrologia zum Vorschein ge-kommen , zum erempel Flors, 8ub - viaooni zu Lyon , welcherzwar eigentlich nur supviirr, was in dem nächst-vorhergehenvengefehlt, ferner Wandeiberti, eines Mönchs aus der Trieri«scheu viceces , Usuardi / eines Franzöfischcn Mönchs, welchesauf bcfchl Caroli Lalvi geschrieben ist , und in der Römischenkirche ordentlich gebraucht wird, Adonis , Ertz - Bischoffs vonVienne , und Nötkeri, Abts von St. Gallen . Dieses sind dieälteste und berilhinteste Martyrologia ; wiewol Beck , ein Teut-schcr, gleichfalls eines heraus gegeben, so er aus dem VII. feculozu seyn behauptet, und zwar unter andern auch darum , weilnian auf einen jedweden tag gar wenig Heilige und Märtyrerangezeichnet fände. In den neuern zeiren hat Baronius einMartyrologium Romr.num geschrieben. Dodwell hat in einerabsonderlichen dissertation darzuthun sich bemühet, daß die zahlderjenigen, so unter den Römischen Kaysern den Märtyrer - tvdagsgestanden, sehr mittelmäßig sey, daß die Kirchen-vätter derergar wenig erwehntcn, und daß, wenn man Neronem und Do-mitianum ausnähme, die übrige Heydnische Regenten gar nichtviel Christen um ihres glaubens willen hätten hinrichten lassen,auch sonderlich die meisten Verfolgungen nicht eben durch dasgantze Römische Reich , sondern nur in gewissen proviiitzen ge-wütet. Hingegen der?. Papebroch in stimm actis S'anctorum,inqleichen der P. Ruinart in seiner vorrede über diejenigen acten,die ihm von unwidersprechlicher authorität zu seyn geschienen,und noch viel andere vertheidigten dißfalls das gantze gegentheil.Doch verfahren auch diese zwey noch gar behutsam. Aber woman andern scribenten von Märtyrern, welche die fachen so ge-nau nicht genommen, wollte glauben zustellen, so wäre die zahlder Märtyrer bey nahe unendlich. Z. E. man rechnet 19700.welche unter Scveri regierung zugleich mit St. Jrenäo zu Lyon gelitten, ferner die aus 6666 . soldalen bestehende Thcbeischelegten, die 11000. jungfraucn, i;oooo. so unter Diocletianodie Märtyrer - crone empfangen, 16000. Abyßinische Märtyreru. s. w. Man pflegt auch die unschuldigen kinder, so Herodesermorden lassen, hieher zu ziehen. Der heilige Stephan»»wird Proto - Martyr , oder der erste Märtyrer genannt. Bis-weilen wird der nähme eines Märtyrers auch solchen gegeben ,die um der rechten lehre willen zwar nicht den tod, dennochaber andere schwere drangsalen und Peinigungen erduldet. Jaseil dem unter den Christen so viel spaltungen in glaubens-ja-chen sich erhoben, ist etwas gar gemeines, daß eine jedwedestete den, welcher um solcher absonderlichen mcynungen wil-len , oder in Vertheidigung der von seiner partey angemaßtenrechte, etwas hartes ausstehet, mit dem Märtyrer - tilul beeh-ret , und in eben diesem verstände braucht man solches WortNicht selten von den TÜrcken Und Heyde». Baron. Ruinart.Papebroch. Dodwell. DiHionnaire de Trevoux. *
Martyrius, Bsschoff zu Antiochien , fuccedirte dem Aca-cio um das jähr 458. oder z 9. Erhalte das Unglück, daß zuseiner zeit Petrus Fullo die nnruhe der kirche zu Antiochien stör-te. Denn als dieser dahin kam, vereinigte er sich mit den Apol-linaristen , und widersetzten sich darauf einmüthig dem Marty-rio, den sie beschuldigten, daß er es mit den Nestorianern hiel-te , weil er das Chalcedonensische Concilium vertheidigte. Siebrachten es auch dahin, daß dieser Bischoff von dem KayscrLeone nach Constantinopel eistet wurde, woselbst aber der Bi-schoff Gennadilis sich seiner kräfftig annahm. Daher er vondem Kayser wohl angenommen , von seiner beschuldigunglosgesprochen, und wieder zurück geschickt wurde. Unterdessenhatte sich Petrus Fullo des Binthums zu Antiochien ange-masset. Dahero Martyrius, als er die grosse Unordnung undVerwirrung sahe, selbst öffentlich mit diesen Worten abdanckte:Ich entsage mich einer befleckten kirche, einer ungehor-samen priesterschaffl, eines widerspenstigen volcks, undbehalte mir aUeine vor das prie,Irrthum. Es wollenzwar einige vorgeben, daß dieses vorhero geschehen , ehe Mar-tyrius nach Constantinopel gereiset; allein es findet solches kei-nen gründ. Petrus Fullo nun hatte, was er haben wollte,und setzte sich in völlige posseßion des Bißthums, welches erdoch nicht lange behielt. Denn als der Kayser von allem die-sem Nachricht bekam, ließ er Petrum ins elend verweisen , dadann eincküthig Julianus zum Bischoff erwehlet wurde. Wie-wol dennoch aufs neue Petrus gelegenheit fand, den Bischöff-lichen stuhl zu besteigen, wodurch sehr grosse unruhe in derAntiochischen kirche verursacht wurde. Martyrius aber starb
um das jähr 274. Theodorus Leftor , lib. I. JJberatus , inBreviar . a ig. Nicephorus , lib. XV. Alexander , ein Grie-chischer Mönch , in vita S. Barnabae apud Surium , tom. III.Bajnage , histoire de l’Eglise, liv. III. L. z. §. 8- l>. 1 ?;.
Martyrius, Bifchoffzu Jerusalem , fuccedirte dem Aua-stayo an. 477 - Er war aus Cappadocien gebürtig, und, wieman vorgiebet, ein Mönch und discipul des Euthymii. Eva-grius beschuldigt ihn, daß er es mit den (rutychianern gehal-
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ten; allein Cyrillus, der das leben Euthymii geschrieben, hältihn für rechtgläubig. Dahero etliche in den gcbancken stehen,daß Evagrius dem Zachariä , einem alten Hiiterico , der aberin der Christlichen lehre nicht richtig , gar zu viel zugetrauethätte. Nicephor. in chron. CyriU. in vita Euthymii & Sabteapud Surium ad diem 29. jan. & 4. dec. Evagrius , lib. III.c. 16. Baronius , ad an. 477. & 58$.
MARTYROLOGIUM , oder Märtyr-buch, wird ge-nennel ein kirchcn - buch, darinn das leben und das leiden derMärtyrer , welche die Wahrheit der Christlichen religion mitihrem tobe versiegelt, beschrieben wurde. Wiewol in den älte-sten Martyrologiis nur sonderlich die letzten Worte und reden derMärtyrer aufgezeichnet waren. Bey den Griechen nennte mandiese bücher Menologia und Synaxaria. Sie werden auch bis-weilen Kirchen - Calender genennet. Denn gleichwie die Rö-mer die tage ihres calenders in Fastos und Nefaltos eintheilten,also pflegten die alten Christen die tage ihres calenders in Fe-stes , die sie dem andencken der Heiligen , sonderlich der Märty-rer gewiedwet, und inNefaitos einzutheilen, auch mit unter-schiedenen färben sie zu bezeichnen, nemlich die fest - tage mitrother, und die andern mit schwartzer. Es observiren zwar ei-nige der Gelehrten, daß man bey den Alten auch wol über-haupt alle Annales, Martyrologia genannt; jedoch ist dieses diegewöhnlichste bedeutung , daß es ein solches buch anzeigt,darinn man das andencken der Märtyrer beyzubehalten gesucht,denen man auch andere Heiligen beygefüget. Was nun denUrsprung dieser Martyr - bücher anlanget, will man vorge-ben , daß derselbigcn erster Urheber Clemens, Bischoff zu Rom ,ein discivul der Apostel sey , als welcher in den sieden theilender stadt Rom eben so viel Notarios bestellet, welche die tha-ten , das leiden und die bckänntnis der Märtyrer fleißig auf-zeichnen sollten. Diesem erempel sollen nun viele andere gefol«gel seyn; auf das wenigste hat man eine grosse anzahl der Mar-tyrologiorom , und zwar insonderheit der Märtyrer vieler städ-te und proviiitzen. Hierauf will man behaupten, daß auchEusebius ein Martyrologium geschrieben, welches Hieronymus IN seinem Martyrologia , und Gregvrius I. in seinem libro col-lectaneorum sollen conservirct haben. Andere wollen nichtzweifeln, daß nicht vor diesem in der alten kirche eine solche col-leclion des lcbens der Märtyrer vorhanden gewesen, die noch inder berühmten Spanische» bidliotheck in dem Escurial sich be-finden soll, welches aber billig verworffen wird. Dieses ist ge-wiß , daß Eusebius ein buch von den Märtyrern in Palästinageschrieben,welches in Griechischer und Lateinischer spräche Hen«ricus Valesius dem achten buch seiner kirchen - Historie hinzugefügt. Dasjenige , welches Lucas Dachery, ein dekannterBenedictiner - Mönch, unter dem nahmen Hieronymi herausgegeben, wird gleichfalls von andern nicht angenonimen, alswelche glauben , daß dieses fälschlich dem Hieronymo beygelegtwerde, auch ist nach anmerckung der Gelehrtesten »och keines-wegs ausgemacht, daß Hieronymus ixmals ein Martyrologiumgeschrieben , ob gleich solches von Beda und andern angeführetwird. Was aber des jetzt - bcmeldten berühmten EngelländersBedä Martyrologium anlanget, so ist solches nach dem ge-ständnis der Gelehrten sehr corrumpirt, sintemal sich solche näh-men der Heiligen und Märtyrer darinn befinden, die ausserstreit erst nach dem Beda gelebet. Unter andern hat solches her-aus gegeben Bollandus mit leinen qehülffen in actis Sanctorumdes monats martit < tom. II. woselbst sie versichern, daß sie dasrechte eigentliche Martyrologium Beda, wie sie selbigeö aus vie-len codidbus manuteriptis verbessert, an das tages-licht ge-stellet. Nach dem Beda hat auch Usuardus , ein FranzösischerMönch , seinen flclß hierin» wollen sehen lassen, absonderlich,da ihm des Bedä Martyrologium gar zu kurtz und unvollkom,men vorkam. Dervwegen er auf befchl des Königs Caroli Lal-vi ein grösseres Martyrologium aus des Flori und andern schrif-ten zusammen trug, welches, ob es gleich mit vielen fehler»dehafftet , dennoch bey den Calholischen hin und wieder eingrosses ansehen erhalten. Hierzu kam noch ferner Abo, der indem IX. ßecnlo gelebet, und gleichfalls ein Martyrologium San-ctorum per anni circulura verfertiget hat, welches unter an,dern von Jacobo Mosandro zu Cöln an. 1589. ans tages-lichlgebracht worden. Solisten sind noch viel andere Martyrologiagewisser völcker, städte und Mönchs - orden vorhanden, als daSMartyrologium Anglioanum, Belgicum , Brixianum , Gallica-num, Germanicum, Hispanicum, Italicum,Lusitanicum, inglei-chen das Martyrologium Ordinis S. Benedicti, CanonicorumRegulariuni S. Francisci, Ordinis Malthesiorum , Ordinis Prs-dicatorum und andere; poch ist vor andern sehr berühmt das so-genanteMartyrologiumBomanum,davon viel disputiret worden.Denn es hat dasselbe der Jesuit Heribertus Rvsweidus an. 161;.zu Antwerpen heraus gegeben, und die weit bereden wollen, essey das rechte alte eigentliche Martyrologium der Römischen kir,che; allein es hat ihn Henricus Valesius in einer besondern di-sputation widerleget, die er seinen annotationibus über den Eu»sebium hinzu gefüget, darinn er beweiset, daß die Römische kir che kein besonderes Martyrologium vor demjenigen gehabt, wel-ches man aufbesehl des Papsts Sipti V. heraus gegeben , undBaronius mit noten erläutert hat. Zwar gestehet Valesius, daßdie Römische kirche , gleichwie auch andere Haupt - kirchen derChristenheit , ihren besondern kirchen - calender gehabt ; erläugnet aber, daß diese kirchen - calender eigentliche Mar-tyrologia seyn, weil diese die gantze kirche betreffen, und aus
vielen