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Geschichte des Armenwesens im Kanton Bern von der Reformation bis auf die neuere Zeit / im Auftrage der bernischen Armendirektion dargestellt von Karl Geiser
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Rede sein; der Vagabund zog von Kloster zu Kloster,von Hospital zu Hospital, sicher, überall Aufnahmeund Nahrung zu finden. Die natürliche Folge davonwar eine erschreckende Zunahme des herumschwei-fenden Gesindels, welches die Strassen unsicher machteund für das Landvolk eine schwere Last bildete. Über-haupt hatte das Landvolk, das zudem an den meistenOrten unter dem Druck schwerer Abgaben seufzte,unter den Mängeln der Armenpflege viel mehr zu leiden,als die städtische Bevölkerung. Diese fand in den ver-schiedenen Korporationen einen Rückhalt und konnteim Notfall in unmittelbarer Nähe bei wolilthätigenStiftungen Unterstützung und Zuflucht finden.

Zudem zogen die Städte selbst, als sich im 15. Jahr-hundert die moderne Staatsidee geltend zu machen be-gann, das Armenwesen in den Kreis ihrer Aufgaben.

In Bern finden wir schon vor dem Jahre 1407 Ver-ordnungen über die Austeilung von Spenden. (AlteStadtsatzung, Handschrift R.) 1408 wird den Zunft-

gesellschaften verboten, an Spielleute, fahrende Frauenund Bettler Neujahrsgeschenke zu geben.

Eine ziemlich ausführliche Spendordnung ist unsaus dem Jahre 1449 erhalten (Stadts. R, 217). Inderselben wird gesagt, dass es von den Vorfahren hereine gute Gewohnheit sei, Gott zu Lob und seinerMutter Maria zu Ehren Spenden auszuteilen. Nunwerden aber dieselben auch an Leute verabreicht, diekeineswegs bedürftig seien und die Gaben unnütz undundankbar brauchen. Um diesem Missstand abzuhelfen,soll jährlich ein ehrbarer Mann als Spendmeister ein-gesetzt werden, der die Spenden unparteiisch nur anwirklich Notleidende zu verteilen hat. Den Schülern,welche sich ohne Not daran gewöhnt haben, an dieSpend zu gehen, ist nichts mehr zu verabreichen, eben-