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Geschichte des Armenwesens im Kanton Bern von der Reformation bis auf die neuere Zeit / im Auftrage der bernischen Armendirektion dargestellt von Karl Geiser
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gaben fürWifling (Halblein) zum Austeilen an armeLeute. Nach dem "Wortlaut der Aufzeichnung von1506 muss man schliessen, dass solche Austeilungenvon Kleiderstoffen schon früher regelmässig vorkamen,und auch in den späteren Rechnungen erscheinenimmer grössere oder kleinere Summen für Tuch, vondem wenigstens ein Teil für arme Leute bestimmtwar. (Zu Weihnachten 1485 wurden an arme Leute1727 Ellen verteilt, 1506 1431 Ellen, später werdendie Ausgaben für dasjenige Tuch, welches für dieArmen bestimmt war, nicht mehr besonders aufge-führt.)

Viel bedeutender als die Armenpflege, die von derStadt selbst ausging, war die Wirksamkeit der frommenStiftungen.

Für die Kranken war gesorgt im Seilerin-Spitalund im Bröwenhaus (beide Anstalten nach der Refor-mation verschmolzen und im Inselkloster untergebracht).Im Siechenhaus fanden die mit Aussatz und andernansteckenden Krankheiten Behafteten Unterkunft, derobere und der untere Spital, durch deren Vereinigungspäter der sog. grosse Spital oder Burgerspital ent-standen ist, waren Armenversorgungs- und Pfründer-anstalten. Durchreisende Pilger, Wallfahrer und krankeReisende wurden in der Elenden-Herberge verpflegt.Daneben bestanden noch eine ganze Anzahl von klei-neren Anstalten. Alle diese Stiftungen in einer Stadtvon höchstens 7000 Einwohnern! Man sieht, dass derwohlthätige Sinn des Mittelalters Grosses zu leistenvermochte.

Auch die kleineren Städte des bernischen Gebietshatten meist ihre Spitäler, Siechenhäuser etc. DasLandvolk dagegen war hauptsächlich auf den Ertragder spärlichen Armengüter der Ortskirchen und auf die

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