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Geschichte des Armenwesens im Kanton Bern von der Reformation bis auf die neuere Zeit / im Auftrage der bernischen Armendirektion dargestellt von Karl Geiser
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der Hauptstadt, besonders dem Burgerspital und den jKrankenhäusern, noch immer zahlreiche Yergabungen zu.

Passen wir die Darstellung des Systems der Armen-pflege in den ersten Jahrzehnten nach der Reforma-tion, soweit überhaupt von einem System gesprochenwerden kann, in kurzen Worten zusammen, so be-kommen wir also folgendes Bild:

Ziemlich weitgehende Beteiligung des Staates durch*Gründung oder Fundierung wohlthätiger Anstalten ausdem ehemaligen Klostervermögen; Unterstützung zahl-reicher Personen durch Yerfügungen des Rates oderder hierzu verordneten Mitglieder> in den Gemeinden,vielleicht mit Ausnahme der Städte, noch keine orga-nisierte Armenpflege; Unterstützung durch die Dorf- !genossen und Verwandten, wie in früherer Zeit; Armen-pflege der Kirchgemeinden, nur mit sehr spärlichenMitteln ausgerüstet; dagegen sehr intensive Privat -wohlthätigkeit, die als Christenpflicht aufgefasst wird;Unterstützung durch Almosen; zahlreiche Vergabungenfür Armen- und Krankenpflege. fl

So unvollständig uns diese Organisation erscheinenmuss, unterstützt durch den ernsteren Geist, welchendie Reformation mit sich brachte, hat sie doch ihreguten Früchte getragen. Die Reisläuferei wurde durchdie strengsten Massregeln eingedämmt; infolgedessenwuchs auch wieder die Lust zu geregelter Arbeit. Ge-werbe und Landbau hoben sich wieder. Nach grosserTeuerung am Ende der zwanziger und Anfang derdreissiger Jahre folgten wieder etwas bessere Zeiten.Vuillemin sagt in seiner Geschichte der Eidgenossenwährend des 16. und 17. Jahrhunderts:Man fingan, Kapitalien zu sammeln, und mit der Wohlhaben-