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heit fanden sich auch die Ordnung und die Sparsam-keit ein. Die Vergnügungen wurden weniger ausge-lassen, die Feste weniger lärmend.Von Bettlern
hatte das Land vor der Reform gewimmelt; nach der-selben wurde es in Bern zum Sprichworte: dass Dürf-tigkeit sich nur noch neben Trägheit finde. Die letztenSpuren der Leibeigenschaft verschwanden vor domGesetze und der Arbeit. Nach einer kleinen Zahl vonJahren zeichneten sich die evangelischen Kantone durchdie Zeichen von Thätigkeit und Reichtum, die über-all dem Auge begegneten, vor denjenigen aus, die denalten Glauben bewahrt hatten. In wenigen Jahrenwar eine Nation, die nur im wilden Kriege sich ge-fallen hatte, in ein arbeitsames Volk verwandelt, wel-ches durch geregelte Lebensart und stille Sitten sichauszeichnete.“ Mag dieses Urteil teilweise auch etwaszu optimistisch sein, so viel ist sicher, dass im KantonBern nach der Reformation mit auffallender Rasch-heit ein wohlhabender Mittelstand aufblühte und dieBevölkerung innerhalb weniger Jahrzehnte um über50 % zunahm, was neben den günstigeren wirtschaft-lichen Verhältnissen und der Einwanderung von re-formierten Glaubensgenossen wohl hauptsächlich derEinschränkung der Reisläuferei zuzuschreiben ist.
Ein solcher Aufschwung musste sich auch imArmenwesen in günstiger Weise bemerkbar machen,einmal, indem sich die Zahl der Armen verminderte,andernteils dadurch, dass der Einzelne leichter Opferfür seine dürftigen Mitmenschen bringen konnte unddies auch gerne tliat, besonders da auch der wieder-erwachte religiöse Sinn zur Förderung der Wohl thätig-keit mitwirkte. So finden wir denn auch aus diesenJahrzehnten viel weniger Klagen über Bettel und Ar-mut, als in den Zeiten vorher und nachher. Die haupt-