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Geschichte des Armenwesens im Kanton Bern von der Reformation bis auf die neuere Zeit / im Auftrage der bernischen Armendirektion dargestellt von Karl Geiser
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und liier verschwendet und um allerlei Üppigkeitenins Ausland verschickt').

2. Wird geklagt über die vielen Wirtshäuser;auch werden Beben gepflanzt an Orten, wo sich derWeinbau gar nicht lohnt.

3. Die allzugrosse Verteilung und Zerstücklungder Güter.

4. Die Missbrauche der Amtleute, welche ihreUnterthanen hart bedrücken, überhaupt Missständeim Rechtswesen und in der Verwaltung. Die Kom-mission führt dafür eine Anzahl Beispiele an, erklärtaber, es seiender Abusen und Excessen in dem Landso viel, dass selbige zu erforschen mehrere Zeit er-forderte. Wenn die Obrigkeit hier wirklich Abhülfeschaffen wolle, so müsste dann eine besondere Unter-suchung angestellt werden.

Dieses Zeugnis beweist wohl hinlänglich, dass sichder heimische Bauernstand noch lange nicht von derschweren Krisis, die um die Mitte des Jahrhundertsihren Anfang nahm, erholt hatte.

Sehr bemerkenswert ist die Offenheit, mit welcherin dem Berichte der Kommission über die Missbräucheder Amtleute und die Missstände im Rechtswesen undder Verwaltung gesprochen wird.

In der Tliat ist in dieser Beziehung aus dem17. Jahrhundert wenig Erfreuliches zu melden. Dieheimische Verwaltung war besonders vor dem Bauern-krieg eine geradezu schlechte. Wiederholt musstenUntersuchungen und Bestrafungen wegen ungetreuerVerwaltung stattfinden. Hauptsächlich wurde über dieBedrückungen und Erpressungen der Landvögte ge-klagt, welche unter dem Volke oft grossen Unwillen

') Man sieht hieraus, dass die Klagen über Bodenverschul-dung nicht neu sind; im 17. Jahrhundert sah es in dieser Hin-sicht wahrscheinlich schlimmer aus als heute.