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Entwicklung des bernischen Armenwesens in demZeitraum von 1571 bis 1690: Die Zahl der Armenwar besonders bis gegen das Ende des dreissigjährigenKrieges in fortwährendem Wachsen begriffen. DieUrsachen davon sind teilweise, besonders von 1570bis 1600, in den ungünstigen Ernteergebnissen zusuchen. Nachher kam die ungeheure Steigerung derLebensmittelpreise zur Zeit des dreissigjährigen Krieges,welche besonders denjenigen Teil der Bevölkerung traf,der weder selbst Lebensmittel produzierte, noch Ein-künfte in Naturalabgaben bezog, also vor allem dieHandwerker und Arbeiter ohne Grundeigentum. DerRückschlag, welcher in den vierziger und fünfzigerJahren erfolgte, das Sinken der Lebensmittelpreise unddie Entwertung der Güter, machte sich dagegen haupt-sächlich für den Bauernstand bemerkbar. In Verbin-dung mit der Münzverschlechterung führte dies zu derKrisis, welche die Hauptursache des Bauernkrieges war.
Yon diesen Schlägen erholte sich der bernischeBauernstand nur sehr langsam, so dass noch am Endedes 17. Jahrhunderts seine Lage eine gedrückte undnamentlich die Verschuldung von Grund und Bodeneine sehr grosse war.
In den Städten ging Handel, Gewerbe und Hand-werk rückwärts, die Bürgerschaft suchte sich möglichstabzuschliessen, um die Vorteile der Ämter und Nutz-ungen auf einen möglichst kleinen Kreis zu beschränken.Die Folge davon war die Verknöcherung des öffent-lichen und wirtschaftlichen Lebens und der Rückgangder Bürgerschaft an Volkszahl.
Zu diesen Übelständen kam noch die schlechteStaatsverwaltung, unter welcher der Kanton Bern im17. Jahrhundert zu leiden hatte, die Bedrückungen derLandvögte, die mangelhafte Rechtspflege und beim