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Geschichte des Armenwesens im Kanton Bern von der Reformation bis auf die neuere Zeit / im Auftrage der bernischen Armendirektion dargestellt von Karl Geiser
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Yolke selbst der Hang zu Müssiggang und Aus-schweifungen.

So fehlten alle Bedingungen für einen ökonomi-schen Aufschwung, hingegen vereinigten sich eine ganzeReihe von Momenten, um die Lage des Bernervolkeszu einer sehr gedrückten zu machen und der Ver-armung Vorschub zu leisten.

Eine furchtbare Plage, die zur Zeit des dreissig-jährigen Krieges ihren Höhepunkt erreicht, bildete fürdas Land das herumschweifende Gesindel und Vaganten-volk, das sich sowohl aus Einheimischen als aus Frem-den rekrutierte.

Die Zahl der Hausarmen war, wie wir gesehenhaben, in den einzelnen Gemeinden ungleich, im ganzenaber im Verhältnis zu der Bevölkerung sehr gross; be-sonders war in der Nähe der staatlichen Spendanstaltender Prozentsatz der unterstützten Bevölkerung einausserordentlich hoher.

Mit den fremden Vaganten machte man kurzenProzess; um dieselben zu vertreiben, wurden Bettel-jeginen angestellt, das Vorgehen dabei war von einerrücksichtslosen Härte, die sich nur als Massregel derNotwehr entschuldigen lässt.

Das einheimische umschweifende Volk suchte mananheimscli zu machen. Starke Bettler, die nichtarbeiten wollten, wurden bei den Befestigungswerkenverwendet, in das (allerdings sehr mangelhaft organi-sierte) Schallenwerk gesteckt, in fremde Kriegsdiensteoder auf die Galeeren geliefert.

Für die Pflege der einheimischen Armen bestandeneine Anzahl von staatlichen Pfründer- und Spend-anstalten, die in ehemaligen Klöstern eingerichtet wur-den. Die Verwaltung war aber eine äusserst mangel-hafte, so dass mehrmals sog.Reformationen stattfinden