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berührt, im 18. sah es noch schlimmer aus. In einemoffiziellen Gutachten von 1710 über die Errichtungdes Almosendirektoriums wird darüber geklagt, dassdie Handwerker, sobald sie ein kleines Amtchen be-kommen, sofort ihren Beruf fallen lassen. AuchNormann schreibt, in Bern glaube jeder Burger einangebornes Recht zu einer Versorgung ohne Arbeitund zu einem Dienst ohne Mühewaltung zu haben,strebe unaufhörlich danach, vernachlässige in guterHoffnung darauf sein Gewerbe und gerate häufigdarüber in Dürftigkeit. In der „Beschreibung derStadt und Republik Bern“ lesen wir: „Der Gewerbe-stand in unserm Kanton ist nicht so im Ansehen, wiein vorigen Zeiten. Man weiss noch wohl, wie schätzbardie Gerbereien, Tuchscherer- undWoll enweber-Arbeiten,der Pelz- und Lederhandel unserer Stadt in denJahren der aufblühenden Grösse der Republik waren.Sie sind verschwunden, jene Gewerbe, die unsreBurger-Familien reich machten und dem Staat in denkritischen Zeiten der Kriege Geld und Kredit ver-schafften. Jetzt ist der Kleinhandel mit Allerlei unddie Krämerei mit allerlei Modewaren das allgemeinsteGeschäft bürgerlicher Familien *). Alles will handelnund sollte es auch nur mit Pfeifenröhrchen undSchwefelhölzchen sein. Wohlhabende Bürgersöhnelernen kein Handwerk mehr. So ist es in der Haupt-stadt und so wird es nach und nach auch in denkleineren Landstädten gebräuchlich .... Sonst bliebdoch wenigstens ein Sohn auf des Täters Profession,aber jetzt nur sehr selten. Die Zünfte verlieren daher
Selbstverständlich ist hier nicht von dem Patriziat, sondernvon der sog. „minderen Bürgerschaft“ die Rede. Die Patriziertrieben nur Weinhandel.