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Geschichte des Armenwesens im Kanton Bern von der Reformation bis auf die neuere Zeit / im Auftrage der bernischen Armendirektion dargestellt von Karl Geiser
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immer mehr und mehr ihre angesehenen Glieder.Das Schneider-, Schuster-, Tischler-, Sporer-, Schlosser-handwerk wird fast allein von Fremden getrieben.. .Sonst musste der Sohn des Burgers die Kundschaftseines Yaters übernehmen, dadurch wurde das gemeineWesen gut bedient und ehrlich behandelt, und immererhielten die Zünfte aus ihrer Mitte angesehene Zunft-genossen, jetzt überlässt man die Werkstatt meistensden Gesellen. Wir haben von allen Professionen sehrgeschickte Gesellen hier; denn Pfuscher und Anfängerkann man hier nicht gebrauchen, weil den Gesellensehr vieles überlassen wird. Die deutschen Hand-werksbursche, die sich hier auf halten, sind meistensaus dem Württemhergischen; aus Sachsen, Preussen,Niederdeutschland trifft man wenige an. Elsässer,Pfälzer und Hessen lassen sich auch noch sehen; ausdem Kanton nur wenige. Die Bevölkerungstabellenvon 1764 bestätigen diese Bemerkung in vollem Um-fange; die Handwerksgesellen in der Hauptstadt sindwirklich zum kleinsten Teil Berner oder Schweizer,und unter den Ausländern finden sich ganz auffallendviele Schwaben.

In den kleineren Städten des Kantons, sowohlim Waadtland als im deutschen Gebiet, war derVerfall des Handwerks teilweise noch trauriger alsin Bern selbst *). Ausser den von uns schon imvorigen Abschnitt mitgeteilten Ursachen dieser Er-scheinung, der immer zunehmenden Ausschliesslichkeitund Verknöcherung des öffentlichen Lebens, sowieder alles überwuchernden Amtlisucht, werden in denSchriften, die sich mit dieser Erscheinung befassen,

) Eine rühmliche Ausnahme machen Aarau, Zofingen undLenzburg.