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Lölmlein vorlieb nehmen, als bei einem grösseren Lohnim Feld arbeiten wollen“.
Der Landbau wird nach dem Zeugnis der Geist-lichen mit grossem Fleiss und viel Umsicht betrie-ben, obschon natürlich noch manches verbessertwerden könnte. Auch finden sich viele geschickteHandwerker. Als lästiger Überrest des Handwerks-zwangs wird erwähnt, dass die Jüppen-Schneidereinur von Mannspersonen betrieben werden dürfe, währendman diese Arbeit füglich den Weibern überlassenkönnte. Der einzige Ort im Oberaargau (im engernSinne), wo es nach dem Berichte ganz an Industriefehlt, ist das Städtchen Wangen J ). Dort wird nurLandbau und etwas Schiffahrt betrieben. Die dürftigenBurger finden im Armenhaus Versorgung. Die Sitten-zeugnisse für die einzelnen Gemeinden fallen sehrverschieden aus. Die Laster, welche dem Oberaar-gauer vorgeworfen werden, sind die nämlichen wieim Emmenthal, an einigen Orten kommt noch derGeiz dazu. Erfreulicher sind die Nachrichten überdie umsichtige Gemeindeverwaltung in Niederbipp undden merkbaren Rückgang der Verschuldung in Ober-bipp, wo sich in dem Zeitraum von 10—15 Jahrensehr viele Gemeindeangehörige emporgearbeitet haben.
Im Seeland haben Erlach, Nidau * 2 ), Aarberg undBüren städtische Verhältnisse, d. h. wenig Lust zurArbeit, dagegen Hang zu Müssiggang, Trunksucht undLiederlichkeit. Das Handwerk wird vernachlässigt, die
*) Der Bericht über Burgdorf ist bei den emmenthalischenAkten eingebettet. Auch in B. sah es, tvie überhaupt in denkleinern Stiidtcben, mit dem Gewerbefleiss schlimm aus.
2 ) In Nidau bestand indessen eine Sektion der ökonomischenGesellschaft, so dass es also nicht ganz an rührigen Elementenfehlte.