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Geschichte des Armenwesens im Kanton Bern von der Reformation bis auf die neuere Zeit / im Auftrage der bernischen Armendirektion dargestellt von Karl Geiser
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meistens solcher Leute, denen auch das strengste Un-gewitter wenig oder nicht schaden könnte, weil siewenig oder nichts haben, das demselben ausgesetztist, auf die Beine, die betteln und schreien: das Un-gewitter habe bei ihnen alles erschlagen. Im Herbstebetteln viele Obst, und wenn es wohl gerät, so be-gnügen sie sich nicht mit dem geringeren.

Wenn der Landmann sein Getreid drescht, sogeht eine grosse Anzahl umher und bettelt Schauben,unter dem Yorwand, ihre Dächer haben Ausbesserungnötig; auch solche, die kein Haus und also auch keinDach haben, gehen an entferntere Oerter, wo man sicnicht kennt und verkaufen hernach die erbetteltenSchauben. Im Winter werden von denen, die zu trägezum pflanzen sind, Pataten (Erdäpfel) gebettelt. Umdas Neujahr muss das sog. Neujahrsingen der Yor-wand zur Bettelei sein oder es wird etwas zum gutenJahr geheischen. An der Fastnacht werden Umzüge,Mummereien und Fastnachtspiele, aller Verboten un-geachtet angestellt, welche auch eine Art Bettelei sindund wer wollte alle Anlässe und Yorwände zu der-selben erzählen. Das ärgste ist noch, dass in einigenGegenden auch die Begüterten betteln. etc.

Am Ende seiner drastischen Schilderung kommtStapfer zu dem Resultat:Mit einem Wort, es herrschtein schändlicher Bettel in vielen Gegenden unseresLandes; und wenn demselben nicht mit allem Nach-druck Inhalt gethan wird (wozu aber mehr erfordertwird, als dass nur eine scharfe Verordnung wider dieBettelei unter einem Schwall von Steigerungs- undGeltstagszeddeln von den Canzeln verlesen werde), sowird derselbe je mehr und mehr überhand nehmen,denn man hat schon längst bemerkt, dass die Betteleieine ansteckende Seuche sei.