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Geschichte des Armenwesens im Kanton Bern von der Reformation bis auf die neuere Zeit / im Auftrage der bernischen Armendirektion dargestellt von Karl Geiser
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Der Schulbesuch ist bei Kindern, die verkostgeldetsind, beinahe durchgängig ein ganz schlechter. Ammeisten sind alte, kranke und gebrechliche Arme zubedauern, die gewöhnlich ganz ungenügend versorgtsind.

Pfarrer Stapfer spricht sich über die Verkostgel-dung nicht günstig aus:Ich kenne Gemeinden, welchemit den Kindern und auch mit Presthaften, deren Er-haltung ihnen obliegt, eine Art von Steigerung an-stellen und sie dem Wenigstfordernden zur Verpflegungüberlassen, ohne sich zu bekümmern, ob sie bei dem-selben wohlgehalten, wohlerzogen und also bei Zeitenin den Stand gesetzt werden, ihren Unterhalt zu er-werben. Ich habe auch solche gesehen, die arme Kin-der oder Presthafte, die des Bettels gewohnt sind, umein geringes Kostgeld annehmen, damit sie dieselbenzum Betteln gebrauchen können, weil die Marechausseegewöhnlich bettelnde Kinder und Presthafte laufenlässt, da sie hingegen erwachsene und starke Bettleranhält, und weil sie finden, dass ihnen das Erbetteltedas geringe Kostgeld reichlich vergütet und ersetzt.

Koch nicht die schlechteste Art der Versorgungist nach Ansicht des Anonymus von 1795 die Vertei-lung der Armen, besonders der Kinder, auf die Höfe.Nahrung und Kleidung erhalten sie in der Regel hiergenügend. Sie werden tüchtig zur Landarbeit, aberweniger zum Schulbesuch angehalten, Kinder, die soerzogen worden, sind in ihrem späteren Leben gewöhn-lich ländliche Dienstboten. Der Manufakturarbeit sindsie selten kundig, noch weniger haben sie Gelegenheit,ein Handwerk zu erlernen.

Die allerschlechteste Art der Yerpflegung ist aber,wie der nämliche Verfasser sagt, der Umgang, dener geradezueine schändliche Gewohnheit nennt.