Band 
IV. Band.
Seite
245
JPEG-Download
 

243

sie entlassen, machten die Gesandten den Königinnen ihre Aufwartung,und der durch einen reichen und geschmackvollen Anzug sehr erhöhteGlanz der Schönheit Maria Theresia'S von Oesterreich, der GemahlinnLudwig'S H v., hinterließ einen tiefen Eindruck auf die Gemüther dersolchen Anblicks ungewohnten Eidgenossen. Endlich besuchten diese nochin den obersten Zimmern des Schlosses den zweijährigen, unter derAufsicht der Marquise von Montosier stehenden Dauphin, ein hübschesKind, das Anfangs heftig erschrack, aber bald, von jener Dame be-gütigt und ermuntert, sowohl den Gesandten selbst, als den sie beglei-tenden Edelleuten mit sehr anmuthiger Geberde das rechte Händchengab, und mehrere von ihnen seine Freunde nannte').

Montag verrichtete man in der Frühe einige Geschäfte, speistedann bei dem Grafen von Soissonö und wartete Abends dem Herzogevon OrleanS und seiner Gemahlinn, der schönen und geistreichen Prin-zessinn Henriette von England, Tochter Karl'S I-, im sogenanntenl>3l3,5 63i-älN3l auf. Dienstag früh sahen sie die Minister Louvoisund Colbert, speisten bei dem Marschall Turenne und besuchten Abendsden Prinzen von Conde und seinen Sohn, den Herzog von Enghien,in ihrem Pallaste in der Vorstadt St. Germain. Der Marschall vonGrammont aber, der sie am Mittwoch bewirthete, ließ nach der Tafelden berühmten Moliere vor ihnen spielen. Am 15. und 16. bewirthetesie der Marschall von Villeroi, Gouverneur von PariS, und der Mar-schall d^Aumont. Unterdessen wurden die Geschäfte täglich mit denMinistern verhandelt").

Sonntag, den 18. November, bei Tagesanbruch verkündete derDonner von 24 Stücken groben Geschützes von der Bastille die Feier-lichkeit des Bundschwures, zu der sich die Gesandten gegen neun Uhrversammelten und dann nebst ihrer Begleitung in königlichen Hofkutschenin den erzbischöflichen Pallast geführt wurden, wo sie blieben, bis manihnen gegen zehn Uhr die Ankunft des KönigS bei der Kirchev3me meldete, und sie der König durch den Prinzen von Conde, denHerzog von Enghien und die Ceremonienmeister abholen ließ. In derKirche wies man ihnen ihre Plätze zur Linken deö Königs an, zu dessenRechten die Herzoge, Pairs und Marschälle von Frankreich, dieBischöfe und fremden Gesandten standen. Während der Messe tratenjedoch die Protestanten auf eine Gallerte beiseits und kehrten erst,

') Hauptmann Johann Georg Wagner's, Ritter, Gtadtschreiber und desgeheimen Raths zu Solothurn parisische Reiß, Handlung und Pundt-schwur. Solothurn 1664.

2) Ibiä.