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Friedrich Leutholfs von Franckenberg Europäischen Herolds ander Theil, oder, Zuverlässige Beschreibung derer europäisch-christlichen Königreichen, freyen Staaten und Fürstenthümer
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von dem Königreiche Frankreich. 25

versaget hatten/so wurden sie A. 1700 genöthi-get/sich dieserwegen an dein Königshofe durchihre vcplittrten/ nebst Überreichung eines ge-schenckes von 420000 pfund / zu entschuldiggen.

«bEhlf, Als nachgehends der Hertzog von Anjou un-

ler dem Nahmen Philippi v/ als verlneinter te-' 'stamentarischer erbe / den Spanischen thron inbesitz nahm/ gieng der krieg zwischen dein Kay-ser/König in Franckreich / und dem vermeintenKönig in Spanien A. 1701 zu allererst in demMeyländifchen an / welches Se.Kayftrl. Mas.als ein Reichs-Lehn vinäiciren wolten. ÜberdieKayserl. armeeführete das ober-commandoPrintz Lux-muL von Savoyen / über dicFran-tzöjsche und Spanische aber anfänglich der re-gierende Hertzog von Savoyen / welchem diebeyden Marschälle von Villeroy und Catinatzugeordnet waren/ biß hernach sorhanes com-mando dem Duc de Vendome aufgetragenwurde. Indessen seynd die Kayserl. gerechtenWaffen durch göttl. beystand in der rampagnejetztgedachtes sahres an dem flußOglio und Ad-dagegen ihre seinde so glücklich gewesen/daß sieM in allen rencontren den sieg darvon getra-gen/ und bereits eine ziemliche anzahl feindlichermannschafft erleget haben. Wie siedenn auchin folgendem jähre 1702 unweitBorgoforte imMantuanischen gebiet einen ziemlichen sieg miteiner an mannschafft ungleich schwachem armeebcfochten. Und ob schon im winter besagtessahres die meisten von den Kayserlichen bese-hete örtcr in Italien wiederum an den feindÜbergängen / Mantua auch von seiner langwie-rigen bloqvade befreyet worden: So lebet mandennoch der beständigen Hoffnung / es werde zu-letzt noch ein glücklicher ausgang die gerechtefache krönen. Sonsten wurde auch A. 1701zwischen derCron Franckreich/ Spanien undPortugal! eine alliance geschlossen / deren ei-gentlicher innhalt in des zweyten Haupt - Ver-trags drittem Haupt-theile zu befinden.

Im vorhergehenden jähre 1700 aber hatteder König wegen der Cronen-folge in Franck-reich/ seinen aufdem Spanischen thron sitzen-den Enckel anlangende/folgende leckren Gentespllblicixen lassen:

Von GOTTesgnaden /Ludwig / Königin Franckreich und Navarra: Allen gegen-wärtigen und zukünfftigen unsern grüß. Dieglückseligkeiten/wormit uns GOTT zeit wäh-render unser regierung nach seinem gnädigengefallen überschüttet/ seynd vor uns lauter be-wegungs-gründe / uns nicht allein vor die ge-genwärtige/ sondern auch vor die zukünfftigezeit zu bemühen / den Wohlstand und die ruhedervölcker zu befördern / über welche uns seinegöttliche Vorsehung die hcnschafft anvertrauethat. Seine unerforschliche geeichte lasten unsnur sehen / daß wir unser vertrauen weder aufunsere macht/ noch in diegrösse unserer ländcr/viel weniger in eine zahlreiche nachkommen-schafft sehen sollen / und daß diese Vortheile/ wel-che wir eintzig und allein von seiner güte em-pfangen/ keine andere bcständigkeit haben / alsnur allein diejenige/welche er ihnen nach seinemgöttlichen willen beyleget. Gleichwie er aberunterdessen haben will/ daß die Könige / so er zurregierung seinervölcker erweklet/die zukünffti-Zwepte Haupt-Handlung.

gen fälle/ welche fähig seynd/Unordnungen unddie blutigsten kriege hervor zu bringen/von wei-tem zuvor sehen / und sich zu dcro abwendungdesjenigen Verstandes gebrauchen sollen/ wel-chen seine göttliche weißheit über sie ausbreitet;so erfüllen wir solchen vorsah zu der zeit / dawir rnitten unter den freuden-bezeugungen un-sers Königreichs einen traurigen künffngenzufall/ dessen stets währende abwendung wirvon GOTT bitten/als eine solche sache anse-hen/ welche sich ereignen könte. Zu eben derzeit / da wir das testament des verstorbenenKönigs in Spanien annehmen; da unser viel-geliebtester und werthester söhn der Dauphinsich seines wohlgegründeten rechts auf dieseCrone/ zu liebe seines zweytgebohrnen sohnes/des Hcrtzogs von Anjou/ unsers vielgeliebte-sten und werthesten enckels begiebet/ als wel-chen der verstorbene König in Spanien zumuniverlsl-erben eingesetzet; da auch dieser nu-mchr unter dem nahmen Philipp V/ Königs inSpanien/bekannte Printz bereit ist/sich in seinKönigreich zu verfügen / und seiner neuen Un-terthanen inbrünstigen wünschen ein genügenzu thun / so halt uns diese grosse begebenheitnicht ab/ unsere äugen weiter/ als auf die ge-genwärtige zeit / zu wenden. Und indem un-sere nachkommenfchafft am allerbesten bestelletzu seyn scheinet/ so halten wir davor / daß essowol die Pflicht eines Königs / als eines Va-ters/erfoderr / unsern willen vor das zukünff-tige/ der meynung/ welche uns diese beyde ei-genschafften eingeben / gemäß zu erklären.Gleichwie wir also versichert seynd / daß derKönig in Spanien/unser enckel/ jederzeit voruns / vor sein hauß / und vor das Königreich/darinnen er gebohren worden/ eben dieselbezuneigung und dieselbe meynung / worvon eruns so viele kennzeichen gegeben/erhalten/ unddaß sein exempel/indem er seine neue Untertha-nen mit den unsrigen vereiniget/zwischen ihneneine immerwährende fteundschaffr und dasvollkommenste vernehmen ftiffen werde: Als»würden wir ihm auch/unserm erachten nach/unrecht thun / worzu wir zwar nicht fähigseynd/und unserm Königreich ein unersetzlichesNachtheil verursachen / wenn wir hinkünfftigeinen solchen Printzen/denwirdem einhelligenbegehren der Spanischen nation verwilligen/als einen fremden ansehen wolten.

Aus diesen Ursachen/ und aus andern wichti-gen betrachtungen/welche uns hierzu bewegen/haben wir aus sonderbarer gnade/völliger ge-malt undKömgl.autorität gesprochen/erkläretund befohlen/sprechen, auch / erklären undbe-fehlcn/wollen und gesalletuns/daß unser viel-geliebtester und werthester enckel/ der Königin Spanien/ das recht seiner geburt jederzeitbehalten solle/eben auf die art und weise / alsob er würcklich in unserm Königreich Hof hiel-te. Wie nun unser vielgeliebtester und wer-thester einiger söhn/der Dauphin / der wahreund rechtmäßige Nachfolger und erbe unsererCrone und Länder/und nach ihm unser vielge-liebtester und werthester, enckel/ der Hertzogvon Burgund / rechtmäßiger erbe ist : Also/wenn es sich zutrüge/ (welches doch GOTTverhüte!) daß unser ermeldeter enckel / derHertzog von Burgund / ohne männliche leibes-D erben/