von dem Königreiche Frankreich. SA
stig/und vertiefet sich nicht gern in iubtilenfachen/ oder solchen studien/welche einer tieff-smnigkeit bcdürffen. Alan muß ihnen aberdoch dieses auch lassen / daß sie eines sehr leb-haften und penetranten Verstandes sind. ^Dar-neben haben sie aber gar unruhige gemüther/und können bald mißhelligkeiten/ feindfehasstenund auffruhr anspinnen/ welche dann beyzule-gen die duelle ihnen ein gar raiionables mütel zuftyn anscheinen ; dadurch aber vorzeiten soviel morde und entleibungen so wol an hohen/als niedern standes-pcrsonen erfolget. Heuti-ges tages ist dieses blmige selbst-gerichte durchdie scharffen Konigl-ciecrets zwar ziemlich einge-leget worden; sintemal sie an keinem orte inder welt scharffer/ als in diesem Reiche/gestraftwerden/ und dennoch lasset art von art nichtganh ab: denn es har einen ungemeinen grostftn Adel/welcher von nichts anders/ als vomoegen / profellion machet / und offtmahlsdurch die rencontre-i dasjenige ausführet/waszuvor durch die duelke geschehen/ wiewohl auchjene nicht ungestrafft bleiben. Sie pflegenaber auch offt pr-Ltexre davon zu nehmen undan fremder Herren Höfen als exilez sich auszuge-ben/ alles zu pevemiren und nach Frankreich anihre conkclsncen zu überschreiben.
Hiebevor hat man sie also befunden/ daß sieglücklichere congusraneen/ als behauptet' ihrerCongueKen/ gewesen ; so weit sie es aber mitSpanien zu thun gehabt / sonderlich gegen dasNieder-und Teutschland/ haben sie sich ungernwas wieder abnehmen lasten: im streite habensie anfangs beherht und mit grosser furie gefoch-ten/ hernach aber bey befundenem resoluten wi-derstände abgelassen.Dahcr die alten Spanierdurch ihre bestandigkeit sowohl in rathschlägen/als auch in Waffen/der Frantzofen anlauffe mitgrossem glück und nutzen öfters zernichtet haben.Allein die letztem kriege und darinn fürgefallene-Lones haben gnugsam erwicsen/daß es derNa-tion so wenig an Nachsatz und dauerhaffter aus-haltung in den blutigsten schlachten gefehlet/ alsin grosser furie sie bey dem ersten angriffaufdenfeind getroffen ; und geben die Historien allerfeculorum , daß sie streitbar sind/ ja sie glau-ben / daß sie es allen völckern darinn zuvorthatemDer keuschheit und die wenigsten Fran-Hosen ergeben/ doch verliessen sie sich in dem un-natürlichen verdammten liebes-bxauch nicht sofebr / als die Spanier oderJtaliäner. AnHöflichkeit und angenehmen verhalten wird soleicht kein volck diese Nation übertreffen / daherfleauch in converigtionsthr beliebt sind.Man kanihnen auch den rühm der gelehrsamkeit keinesweges abschneiden. Absonderlich aber hat esvor diesem viele berühmte rechts-gelehrte gege-ben/und befleißigen sie sich/alle und fedewissin-schafften in ihrer mutter-sprache bekandt zu ma-chen; dahero auch mehr gelehrtes stauen - zim-mer/als in einem andern lande/zu finden ist. Indersittcn-lehre/poesie/ rede-kunst/Historie/ vor-nemlich aber in den gcschichten ihres varerlan-des/in der mgcketi,und nahmentlich in der civil-und Militär bau-kunst / verdienen sie einen son-derbaren rühm. In den ritterlichen und an-dern zum Wohlstand gehörigen exercitien aberhaben sie sich gleichsam zu lehnneistern aller an-dern Nationen gemacht. Was treu und
glauben anbelanget/da wollen viele zweiffeln/ob auf der Frvrtzoscn rcdlichkeit zu bauen sey :
Indem in - und ausserhalb gerichts viel ge-schwinde stücke praÄim'er/auch die ämter an die-jenigen/so das meiste geld geben/oerkanfft/ unddie mLntg weniger/ als der werth der kauftsum-ma/ angesehen werden. Ausserhalb tandeskan sich die Nation nicht wohl vertragen/ undmißgönnet einer dem andern den bissen brodt.
Wie heilig die bündnisse/ ftieden-schlüsse undpacta mit andernCronen und Staaten gehal-ten werden/ ist am tage. Die schwere/saurearbeit ist ihnen verdrießlich/ und rühret unterandern auch mit daher / daß sie zur see nichtmächtig sind/ wie die Hol,'-und Engeilander/weiln die schiff-arbeit sehr schwer und hart ist.Hergegen aber machen die luftigen und leichtekünsteund Handchicrungen ihr werck. Wiewolsie doch andere sauere handwercke auch treiben/und solches mit solcher zierligkeit/ als kaumein volck unter der sinnen. Ihrem Königesind sie biß zur sclaverey ergeben/und achtenvor eine gloire/in ihres Monarchen gegenwartoder zu dessen gefalligkeit/ leib und leben/gutund blut aussusctzen.
Man harre in vorigen zelten einen andern sty-lum/dre jähre und tage zurechnen/als itzorDenn das jähr fienge man mit Ostern anMmdwar bißweilen der letzte Mami der letzte tag desverschienenen jahres/welches aber K. Carl IXA.l)6z imZ9 articul des Edicts de Roußillon/und durch ein anders A. is66 änderte/ und diezeit-rechnung nach demJulianischen ealendereinführete. Hernach hat man den Gregoriani-schen angenommen/als er vor den tag käme.
Franckreich ist ein überaus volckreichcs Doictreich,land/und wimmelt gleichsam von inenfihen/^"k-Fr-ist auch allenthalben gcdauet/ und mit stadten ^ ^ 'und dörssern fast besäet/wie das erempel vonAgvitanien zu nehmen. Bey der schatzung/welche vor hundert jähren unter dem regimentBönig Carls lX fürgcnommen worden/ hatman mehr als zwanyig Millionen menschenbefunden/ die das kopff-geld bezahlet. Seit-her solcher zeit nun ist das Königreich an täir-dern und lenken viel mächtiger und reicher wor-den/ daß man dahero nicht irren solle/ wennman ihme eine anzahl von 24. Millionen men-schen zueignete. Die Frantzofen geben vor/der K.-nig k^tine alleine' aus Pariß 222220streitbare lenke wassnen/ und von denen/wel-che lieberey tragen/und i8biß zo fahre alt sind/eine starcke armee formiren. Was hergegendie vcrfe-lg-und austreibung derer Hugonoktenvor cinsamkeit an vielen orrcn verursachet/ undwas die manufattur vor grosse Veränderungund abgang erlitten/ ist auch am tage.
Die Unterthanen wurden vormahls in dreyund«: des-srdnungerr und stände abz-etherm/ i.) in suben.den geistlichen stand/ 2.) weltlichen oderAdels-stand/gemeinen oder bürgerli-chen stand / worunter die unter-obrigkeitGauch mit begriffen. Wiewohl nun herum rstages/ da der Staat von Feanckreich eine c.-dere gestalt bekommen/ und kein stand das K-ringste mehr zu sprechen hat/ diese abtheilungbey dem tt-uu pubUco wenig nutzen findem wollenwir sie doch zum unterschied der UlZmtalcn be-halten. Und zwar so bestehet der geiststcheD z stand