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Der praktische Maschinenbauer : ein Hand- und Lehrbuch über den modernen Maschinenbau, sowie über das Wesen der Elektrizität und ihre Anwendung in der Industrie, insbesondere im Maschinenbau / von G. Ripke und F. Liebetanz
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Hierbei findet aber gleichzeitig eine besonders beachtenswerte Umwandlungin der Anordnung der Moleküle des Materials statt. Während dieselben bei demursprünglich massiven Block nur in der Längsrichtung parallel zur Achse des-selben gewalzt sind, werden sie hier durch die Einwirkung der Walzen spiral-förmig angeordnet. Die Steigung dieser Spirale wird bestimmt durch den Um-fang des Rohres und das Maß des Vorschubes, welchen das Werkstück erleidet.

Dieses letztere Maß ist für die äußere und innere Oberfläche des neuge-bildeten Rohres annähernd gleich; da aber auf der inneren Wandung dieserVorschub sich auf einem kleineren Umfang verteilt, so ergiebt sich, daß die Stei-gung der Spirale auf der Innenseite entsprechend größer sein wird, und dasProdukt dieses Walzverfahrens ist ein Rohr, bei welchem die Walzrichtungenspiralförmig, einander kreuzend, verlaufen.

Es ergiebt sich also gleichsam ein Gewebe von übereinander gewirkten Spiral-fasern, und diese Erscheinung erklärt die durch zahlreiche Versuche bewieseneThatsache, daß die nach dem Mannesmann-Verfahren gewalzten Röhren eine be-deutend erhöhte Widerstandsfähigkeit, insbesondere in der Querrichtung und gegeninneren Druck, ausweisen.

Es ist gleichzeitig klar, daß durch diese Umlagerung des Materials auseinem massiven Blocke auf den mehr oder weniger dünnwandigen Mantel desneugebildeten Rohres alle im Inneren des Blockes etwa vorhandenen Unganz-heiten, wie poröse Stellen, Spaltflächen oder Gasblasen, wie solche in einemgegossenen Block fast nie zu vermeiden sind, ein Aufreißen der cylindrischenWandung durch den Walzprozeß bedingen, d. h. die Fabrikation an sich bildetzu gleicher Zeit eine außerordentlich scharfe Revision des verwendeten Materialsauf seine Ganzheit, und hierin ist ein äußerst wertvoller Vorzug des Mannes-mann-Walzverfahrens zu erblicken.

Dieser erste Rohrbildungsprozeß, d. h. die Umwandlung des massivenBlockes in den rohrförmigen Körper, wird als dasBlocken" bezeichnet. Mitdiesem Blockwalzprozeß werden hauptsächlich dickwandige Rohre erzeugt, welchedurch einen zweiten Arbeitsvorgang auf demselben Apparat und mit denselbenWalzen zu Röhren von dünner Wandung umgewandelt werden.

Außerdem sind zu dem gleichen Zwecke der Erzielung dünner Wandstärkennoch andere Verfahren in Betrieb, bei welchen teils ähnliche cylindrische odertonnenförmige, teils scheibenartige Walzen zur Anwendung gelangen.

Nach diesem Verfahren werden von den Mannesmannröhren-Werken alleArten Röhren hergestellt von den schwächsten bis zu den stärksten und demgrößten Betriebsdruck.

Die Verbindung schmiedeeiserner Röhren.

Bei den schmiedeeisernen Röhren kommt fast ausnahmslos die Flanschen-verbindung zur Anwendung. Die Flanschen sind mit dem Rohr entweder festverbunden oder lose über dasselbe geschoben.

Die Flanschen, welche fest mit dem Rohr verbunden werden, sind entwedermit diesem vernietet, verlötet oder verschraubt. Die mit dem Rohr vernieteten