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Der praktische Maschinenbauer : ein Hand- und Lehrbuch über den modernen Maschinenbau, sowie über das Wesen der Elektrizität und ihre Anwendung in der Industrie, insbesondere im Maschinenbau / von G. Ripke und F. Liebetanz
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Von hieraus gelangt er dann ins Freie oder zur Kondensation. Der Dampftritt bei diesen Maschinen ununterbrochen während des ganzen Kolbenhubes ausdem Hochdruckcylinder in den Niederdruckcylinder. Der Kolbenlauf derartigerMaschinen ist nun entweder gleichgerichtet, d. h. beide Kolben erreichen zugleicher Zeit ihre Totpunktslagen, oder entgegengesetzt gerichtet, d. h- wenn dereine Kolben im Totpunkt rechts steht, steht der andere im Totpunkt links undumgekehrt; während im ersten Fall die Kurbeln ebenfalls gleichgerichtet seinmüssen, sind sie im zweiten Fall um 180° gegeneinander versetzt.

Während bei den Wolfschen Maschinen der Dampf direkt vom Hochdruck-cylinder in den Niederdruckcylinder gelangt, ist bei den Compound-Maschinennoch ein Zwischenbehälter, der sogenannte Receiver, zwischen die beiden Cy-linder geschaltet. Der Dampf gelangt frisch in den Hochdruckcylinder, nachseiner Expansion in demselben in den Receiver, in dem er nochmals etwaserwärmt wird, und von dort in den Niederdruckcylinder. Die Kurbeln derartigerMaschinen werden um 90° gegeneinander versetzt, so daß der eine in seinerMittelstellung steht, wenn der andere im Totpunkt sich befindet. Hieraus ergiebtsich schon, daß der Dampf nicht während des ganzen Hubes aus einem in denandern Cylinder strömen kann, vielmehr derselbe in ein Reservoir, den Receiver,geführt werden muß, in dem er so lange aufgespeichert wird, bis der Hub desNiederdruckcylinders so weit beendet ist, daß die Dampfeinströmung wieder be-ginnen kann. Diese Maschinen laufen sehr gleichmäßig und sind am häufigstenim Gebrauch. Sie beanspruchen im Gegensatz zu den folgenden Maschinen sehrviel Platz, da bei ihnen die Anordnung so getroffen wird, daß das Schwungradzwischen beiden Cylindern auf der Kurbelwelle sitzt und daher an beiden Endender Kurbelwelle eine Kurbel angreift. Bei den Tandem-Maschinen ist dieRaumbeanspruchung dadurch etwas eingeschränkt, daß die beiden Cylinder hinter-einander angeordnet sind, also nur ein Kurbelmechanismus vorhanden ist. DieWirkungsweise dieser Maschinen ist dieselbe, wie die der eben besprochenen.

Bei den Dreifach-Expansions-Maschinen werden drei Cylinder neben-einander angeordnet. Zwischen jedem Cylinder ist ein Receiver vorgesehen.Die Cylinder kommen der Reihe nach zur Wirkung, zuerst der Hochdruckcylinder,darauf der Mitteldruckcylinder und zuletzt der Niederdruckcylinder. Die Kurbelnwerden unter 120° gegeneinander versetzt. Die Maschinen laufen äußerstgleichmäßig.

Sehr häufig findet man für stationäre Maschinen die Anordnung derDreifach-Expansions-Maschinen so, daß zwei Cylinder, und zwar der Hochdruck-und Mitteldruckcylinder hintereinander, der Niederdruckcylinder für sich an-geordnet ist. Es sind also zwei Kurbelmechanismen erforderlich, deren Kurbelnum 90° versetzt sind. Das Schwungrad liegt zwischen den beiden Kurbeln.

Es möge nun gleich noch das Folgende für die horizontalen Maschinenmit Bajonettrahmen bemerkt werden. Man unterscheidet rechts und links bauendeMaschinen. Rechts bauend ist eine Maschine, wenn man vor derselben steht,d. h. wenn man den Kurbelmechanismus ansieht und hat das Schwungrad zur