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Der praktische Maschinenbauer : ein Hand- und Lehrbuch über den modernen Maschinenbau, sowie über das Wesen der Elektrizität und ihre Anwendung in der Industrie, insbesondere im Maschinenbau / von G. Ripke und F. Liebetanz
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Oddesse-Pumpe kann der Hub, wie oben erklärt, eingestellt werden. Es ist alsoeine wesentlich geringere Kompression nötig, die schädlichen Räume sind kleinerund die Ökonomie ist schon hierdurch allein größer. Für Auspuff und Dampf-eintritt ist nur ein Kanal an jedem Dampfcylinder nötig. Um beim Hubwechselden Dampf hinter den Kolben gelangen zu lassen, sind an den Cylinderendenkleine Ventile 12 angebracht, die mit dem vom Kolben verschlossenen Kanal inVerbindung stehen und sich öffnen, sobald Frischdampf vom Schieberkasten inden Kanal gelangt. Der Kompressionsdruck schließt dieselben, indem er dieWirkung der Belastungsfeder unterstützt.

Fig. 910 zeigt die bildliche Darstellung einer solchen Oddesse-Dampfpumpe.

Die Dampfpumpen ohne Drehbewegung werden sehr vorteilhaft als so-genannte Wasserhabtungsmaschinen in Bergwerken benutzt. Sie haben alssolche das Wasser aus den Schächten zu entfernen. Man bezeichnet sie auchwohl als Senkpumpen. Eine solche Pumpe von Weise & Mouski in Hallegiebt Fig. 911. Die ganze Pumpe wird zwischen einen Trägerrahmen montiertund nimmt so äußerst wenig Platz ein- Sie wird mittels Seilen in den Schachthinabgelassen und bleibt dann an diesen hängen. Genannte Fabrik baut der-artige Pumpen für Tiefen bis zu 200 Metern.

Große Dampfpumpen erhalten häufig eine Dampfsteuerung mit Drehschiebern,die ihre Bewegung ebenfalls von der Kolbenstange erhalten. Hierdurch wird dannauch die Expansion des Dampfes ausgenutzt. Es heißt weiter in Lueger ,Lexikon der gesamten Technik":Zur weiteren Verminderung des Dampfver-brauches in Bezug auf die Pumpenleistung werden Kraftausgleicher an-gewendet, welche derart wirken, daß auf der ersten Hälfte des Kolbenhubes,wobei der Dampf wesentlich durch Volldruck wirkt, die überschüssige Kraft der-selben durch Zusammenpressen einer abgeschlossenen Luft- oder Dampfmenge odereiner Feder aufgespeichert wird, und daß dann auf der zweiten Hälfte des Hubes,wenn infolge der bei Expansion des Dampfes entstehenden Druckabnahme des-selben der Pumpenwiderstand durch die Dampfmaschine nicht mehr überwundenwerden könnte, die aufgespeicherte Kraft die Dampfwirkung in genügendem Maßeunterstützt."

Ohne Expansionssteuerung und Kraftausgleicher und bei Benutzung vonnur eincylindrigen Dampfmaschinen können die Dampfpumpen ohne Drehbewegungfast nur mit Volldruck des Dampfes arbeiten, brauchen also im Verhältnis zurPumpenleistung sehr viel Dampf."

In unserer rastlos fortschreitenden Zeit verschafft sich immer mehr dieSchnelligkeit der Arbeitsleistung und die größere Menge der Arbeitsleistung inder Zeiteinheit Geltung. Eine Vervollkommnung in dieser Beziehung wird immermehr für alle Maschinen angestrebt. So hat man auch die Pumpen so durch-konstruiert, daß man wesentlich höhere Tourenzahlen anwenden kann. Es ergabsich die Anwendung der höheren Tourenzahlen auch schon durch die Vervoll-kommnung des elektrischen Antriebes. Die Kraftübertragung vom Elektromotor