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dem Drehstrom stets noch die Frage nach der Wechselzahl hinzu, welche vongrößter Wichtigkeit ist sowohl für die Dimensionierung der Dynamomaschinenund Motoren, als auch für die Bestimmung fast aller bei dem Drehstrom ver-wendeten Apparate und Instrumente. Wie bei den Gleichstrommaschinen, somuß auch bei den Drehstromdynamos als Erregerstrom, d. h. als Strom fürdie Erregung der Magnetschenkel zur Bildung des magnetischen Feldes, Gleich-strom Verwendung finden, da Drehstrom oder Wechselstrom für diesen Zweckungeeignet ist. Dieser Gleichstrom wird meist erzeugt durch eine besondere kleineErregerdynamo im Gegensatz zu Gleichstromdynamos, welche den Magneti-sierungsstrom selbst liefern.
Die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft, deren Chefelektriker M. von. Dolivo-Dobrowolski sich um die praktische Ausgestaltung des Drehstromprinzips großeVerdienste erworben hat, wurde durch die von ihr zuerst ausgeführten elektrischenKraftübertragungsanlagen größten Maßstabes in die Lage versetzt, den Dreh-strommaschinen besondere Aufmerksamkeit zu widmen und hat namentlich dieFrage einer vollkommenen Isolierung gelöst, die angesichts der hohen Spannungen,für die die Maschinen für eine ökonomische Kraftübertragung gebaut werdenmußten, schwierig zu behandeln war. Man ging nachdem davon ab, niedriggespannten Strom zu erzeugen, der für die Fernleitung herauftransformiert wurde,man erzeugt vielmehr jetzt fast allgemein einen Strom von möglichst hoherSpannung, da mit jeder Umwandlung von einer Spannung in die andere natur-gemäß Verluste verbunden sind, die nun vermieden werden. Für die Isolationin den Drehstrommaschinen genügen die für Gleichstrom verwendeten Materialiendeshalb nicht, man wendet vielmehr andere natürliche Körper an, besondersGlimmer oder künstliche, worunter sich das Mikanit der A. E.-G. sehr be-währt hat. Eine besonders sichere, für schwierige Fälle vorzusehende Isolation kannferner dadurch erzielt werden, daß die einzeln hergestellten Spulen mit besondererJsolationsmasse vollständig durchtränkt werden, sodaß Feuchtigkeit in dasInnere der Spulen nicht gelangen kann. Damit diese Durchtränkung mit Jsolier-masse auch zuverlässig geschieht, findet dieselbe im Vakuum statt, sodaß dieJsoliermasse unbehindert in die freien Räume zwischen den einzelnen Drähtenund der Spule eindringen kann.
Bezüglich der Isolation ergeben sich gewisse Unterschiede zwischen Drehstromund Gleichstrom, denn die Isolation ist bei Drehstrom in gewisser Beziehungleichter herzustellen, wie bei Gleichstrom. In erster Linie muß darauf hin-gewiesen werden, daß im allgemeinen bei Drehstrom die die Wickelung auf-nehmenden Nuten größere Dimensionen besitzen, wie bei Gleichstrom, sodaßnatürlich für die Isolation größere Materialstärken genommen werden können.Auch besitzt der Gleichstrommotor im Kommutator gegenüber den Schleifringendes Drehstrommotors ein Konstruktiousteil, welcher durch seine größere Aus-dehnung der Spannung führenden Flächen Jsolationsstörungen leicht Gelegenheitbietet.
Ein fernerer Unterschied zwischen Drehstrom und Gleichstrom bezüglich derHaltbarkeit der Isolation ergiebt sich aus der Thatsache, daß, sobald einmal ein