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Der praktische Maschinenbauer : ein Hand- und Lehrbuch über den modernen Maschinenbau, sowie über das Wesen der Elektrizität und ihre Anwendung in der Industrie, insbesondere im Maschinenbau / von G. Ripke und F. Liebetanz
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strommotore unterscheiden sich von den Gleichstrommaschinen in nichts, sodatzjede der letzteren auch als Motor laufen kann-.

Beim Hauptstrommotor liegen die beiden Schenkel (Feldmagnete) in der-selben Wickelung wie der Anker, weshalb bei wechselnder Belastung Stromstärkeund Spannung steigen oder fallen. Da hier die Stromquelle mit der Be-lastung des Motors nicht nur in Stromstärke, sondern auch in Spannungvariieren muß, so folgt, daß bei Serienmotoren nicht für zwei oder mehrereMotoren gegenseitige Beeinflussung stattfinden kann und jeder Motor seine eigeneStromquelle haben muß. Der Serienmotor wird deshalb nur da vorteilhaftanwendbar sein, wo die elektrische Energie nur nach einer bestimmten Verbrauchs-stelle übertragen werden soll. Ihre vornehmste Anwendung finden daher dieSerienmotoren bei den elektrischen Bahnen, ferner zum Antriebe von Schiebe-bühnen, Krahnen, Drehbrücken u. s. w. Der Hauptvortsil der Übertragung durchSerienmotoren liegt in der Möglichkeit der Anwendung sehr hoher Spannungenund damit der Überwindung großer Entfernungen bei geringem Leitungs-querschnitt.

Für den Betrieb auf elektrischen Bahnen sind sie aus dem Grunde wichtig,weil im gleichen Maße, wie ihre Geschwindigkeit fällt, ihre Zugkraft steigt oderumgekehrt. Bei den elektrischen Bahnen wird, um aus dem Ruhezustände inBewegung zu kommen, eine große Zugkraft bei geringer Geschwindigkeit verlangtund gleicherweise muß bei Steigungen eine größere Zugkraft verfügbar sein. Insolchen Fällen wird der Serienmotor langsamer gehen, aber eine proportionalgrößere Zugkraft entwickeln. Seine größte Geschwindigkeit bei gleichem Stromeerreicht er auf ebener Strecke, da hier nur eine geringe Zugkraft nötig ist-Der Umstand, daß der Motor sein eigenes Gewicht und das des mindestensleeren Wagens zu ziehen hat, verhindert ihn an dem sogen.Durchgehen", dennman hat es in der Hand, den Motor sofort auszuschalten, wenn der Wagenauf abschüssige Bahn gerät-

Für Kraftübertragungszwecke allgemeiner Natur sind sie weniger geeignet,einesteils aus den angeführten Gründen und dann deshalb, weil sich mit ihneninfolge der Spannungsschwankungen gleichzeitig elektrische Beleuchtung nicht be-treiben läßt-

Auch bei dem Nebenschlußmotor ist der Stromlauf derselbe wie in derNebenschluß-Dynamomaschine. Bei deren gleichbleibender Spannung ist diemagnetisierende Kraft der Magnetwickelung immer die gleiche, da die Wickelungin einem besonderen Leitungszweig liegt. Deshalb wird bei allen Nebenschluß-motoren bei veränderlicher Belastung stets eine gleichmäßig hohe Tourenzahlbleiben. Ein Nebenschlußmotor wechselt unter Zugrundelegung einer gleich-bleibenden Spannung ohne weitere Regulierung von selbst seine Tourenzahl vomLeerlauf zum Vollauf um nur etwa 6°/g. Die Schwankung, wenn auch nochso gering, giebt den Beweis, daß das magnetische Feld bei Vollbelastung stärkergeworden ist. In der That tritt infolge des größeren Ankerstromes bei Voll-belastung eine stärkere Magnetisierung des Ankereisens auf, die das magnetischeFeld der Pole verstärkt. Wird also die Belastung des Motors vergrößert, so

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