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Der praktische Maschinenbauer : ein Hand- und Lehrbuch über den modernen Maschinenbau, sowie über das Wesen der Elektrizität und ihre Anwendung in der Industrie, insbesondere im Maschinenbau / von G. Ripke und F. Liebetanz
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gleichzeitig die andere in sich geschlossene eigentliche Arbeits-Wickelung mit ge-ringerem Widerstände eingeschaltet, die nunmehr als Kurzschlußwickelung wirkt.Diese Anker, deren Wickelung also für zwei Widerstands-Stufen eingerichtet sind, ,heißen Stufenanker.

Bei einer weiteren Ankerart wird den Wickelungen des Ankers ein Wider-stand eingeschaltet, der in einem besonderen Apparat, dem Anlaßwiderstand unter-gebracht ist. Die Verbindung zwischen Anker und Widerstand wird durch Leitungenhergestellt, die mittels dreier Schleifringe und Bürsten an dem Anker ange-schlossen sind; diese Anker werden daher als Schleifringanker bezeichnet.

Fig. 1251 zeigt einen A. E.-G.-Drehstrommotor mit Kurzschlußauker. Fig. 1252einen größeren Motor mit Schleifringanker.

Drehstrommotoren mit Schleifringen empfehlen sich besonders dann, wennbei größeren Motoren ein Anlaufen mit Last erforderlich ist; dann aber auchin allen solchen Fällen, in denen der Motor direkt an hochgespannte Leitungenangeschlossen ist. Der hochgespannte Strom tritt nämlich nicht in den Ankerselbst ein; dieser besitzt vielmehr infolge seiner Konstruktion eine erheblich nied-rigere und ungefährlichere Spannung, sodaß auf diese Weise ohne weiteres fürdie Sicherheit der Bedienung Sorge getragen ist. Die Schleifringe dienen alsonicht zur Stromzuführung von außen, sondern nur zur Einschaltung von Wider-ständen in die Windungen des Ankers, Funkenbildung ist bei ihnen absolut aus-geschlossen, da bei den Schleifringen keine Stromunterbrechungen an der Schleif-fläche auftreten. Infolge dieses Umstandes ist auch eine Einstellung der unterbesonderen Umständen angebrachten Bürsten niemals von Nöten; dieselben stehenvielmehr in jeder Lage richtig. Den Vorteil, den man dadurch gewann, daßsich bei Drehstrommotoren kein Kommutator und nur in ganz besonderen FällenSchleifringe nötig machen, erschien so groß, daß man anfangs die Verwendungvon Schleifbürsteu überhaupt prinzipiell zu vermeiden strebte. Die Erfahrunghat aber gezeigt, daß dies nur in beschränktem Maße, nämlich bei kleinen Mo-toren, möglich ist, da der Motor beim Einschalten eine sehr große Stromstärkeaufnimmt. Nun könnte man bei größeren Motoren einen Anlaßwiderstand indie Stromleitungen legen, um ein allzustarkes Anwachsen des Stromes zu verhindern;da der Motor aber hierbei seine Zugkraft verliert, so versagt dies Mittel inallen Fällen, wo er mit Belastung angehen soll, so daß man gezwungen ist, ihnunter Benutzung einer Leerscheibe leer anlaufen zu lassen.

Versieht man dagegen den rotierenden Teil mit drei Schleifringen undschaltet zum Anlassen in den rotierenden Teil einen Widerstand ein, der beizunehmender Geschwindigkeit des Motors allmählich wieder ausgeschaltet wird,so läuft der Motor mit voller Kraft an, ohne das Leitungsnetz übermäßig mitStrom zu belasten. Beim Einschalten beträgt nämlich die Stromstärke etwa 50bis 70 °/g der normalen bei Vollbelastung und wächst, indem der Widerstandausgeschaltet wird, allmählich zu ihrem normalen Betrage an. Läßt man etwashöhere Stromstärken als die normale zu, so kann man die Anlaufskraft nochbedeutend steigern; bei kleineren Motoren erreicht man das 2- bis 3-fache,bei größern das IV, fache der normalen Zugkraft als maximalen Wert.