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Wehe denen, die weise sind — in ihren Augen und vorihren Blicken verständig!
Wehe denen, die Helden sind — Wein zu saufen undtapfere Männer — Meth zu mischen!
Wehe denen, die den Bösewicht gerecht machen auf einGeschenk hin und die Gerechtigkeit der Gerechten einem rauben!
179. Iesajas Lebensabend. (4?)
Gewaltige Kämpfe hatte der Prophet mit seinem Freunde,dem König Hiskia gemeinsam ausgefochten; Kämpfe gegendas stets zum Götzendienst sich neigende, leichtsinnige Volk,das in schweren Zeiten mehr als einmal nur den Trost fand:Lasset uns essen und trinken; denn morgen sind wir tot.Nachdem aber im Jahre 714 v. Chr. auf seinem Rückzugvon Ägypten der Assyrerkönig Sanherib umsonst Jerusalem belagert und eine im Lager ausgebrochene Seuche ihn zurRückkehr nach Ninive gezwungen hatte, konnte Jesaja undmit ihm König und Volk eine Reihe segensvoller Friedens-jahre noch genießen. In hohem Ansehen bei Hoch und Niedrigblieb er dem König als Freund und Berater zur Seite.Wie freundlich der Lebensabend des großen Propheten warund mit welch' friedevoller Stimmung er als hochbetagterGreis rückwärts und vorwärts schauen durfte, zeigen unsnoch einige Worte, die wir aus dieser Zeit von ihm besitzen.Von Gottes Hauch berührt, schaut er in eine lichtvolle Zu-kunft, in eine Zeit, in der sich Gottes wunderbarer Rat-schluß auch äußerlich an seinem Volke und an der ganzenMenschheit erfüllt; noch einmal klingt wie aus dem Mundeeines schon in überirdischen Welten Weilenden die Weissagungauf den König des Friedens, aus den er in tiefster Seele hoffte:
„Es keimt ein Reis aus Jsais verwettertem Stamme, einSproß aus seiner Wurzel bricht hervor; auf ihm ruht derGeist Jehovahs, der Geist von Weisheit und Einsicht, der Geistvon Rat und Tapferkeit, der Geist von Erkenntnis und Gottes-furcht. Dann kehrt der Wolf beim Lamme ein und der Parderlagert sich beim Böcklein; Kalb und Rind und Löwe zusammen,