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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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F. Schaltegger.

an ihrem Hals und wetteiferte an Weiße mit ihren schönen Schultern. Die Spitzen-ärmel ließen ihre schönen Arme sehen und ein Häubchen in rosa Satin mit Tüll undweißen Federn vollendete ihre einfache aber geschmackvolle Toilette.

Bei Tisch saß ich neben dem Prinzen Louis, der mich fragte, ob ich gerne nachItalien reise. Ich habe geantwortet, ich sei entzückt davon und mehr noch darüber, daßich die Reise im Gefolge der Königin machen dürfe. Zu seiner Rechten saß seine Cousine, diePrinzeß Eugenik, mit welcher er in sehr heiterer, lebhafter und geistreicher Art plauderte:Indem ich sie lachen hörte, gewann ich allmählich meine Fassung wieder.

Im Salon machte man Musik. Das ist die Leidenschaft des Prinzen Konstantin:er hat in seinen kleinen Staaten eine trefflich eingerichtete philharmonische Gesellschaft.Auf seine Bitte setzte sich die Königin mit reizender Anmut ans Klavier. Sie sang aus-wendig, wobei sie sich selbst begleitete, die schöne Romanze der Frau Duchambge:

Vous parts 2 briilants st xarso / Du gehst in würdevollem Schmuck X

kour es bal oü js n'irai pns. . . X Zum Tanze, den ich meide. /

Da jedermann Romanzen eigener Vertonung von ihr begehrte, sang sie das „Erbe" „mit

Autorstimme", wie sie sagte, indem sie über ein Halsübel klagte, daran sie seit langenJahren leide.

Als man vom Prinzen Konstantin auch ein Lied erbat, suchte er jemand zurBegleitung. Mir will scheinen, seine Frau, die Prinzeß Eugenie, die gut Klavierspielen soll, hätte es wohl übernehmen können. Aber die Königin, die mich gleich einwenig auf die Probe stellen wollte, sagte, ich sei eine gute Spielerin. In großer Ver-legenheit und unter starkem Herzklopfen ging ich ans Klavier. Glücklicherweise handeltees sich um die sehr bekannte Partitur des Tancred. Nach den ersten Akkorden fandder Prinz die Tonart zu hoch und verlangte dieselbe einen Ton tiefer. Ich nahm allmeinen Mut zusammen und zog mich mit Ehren aus der Sache. Der Prinz Konstantinwar entzückt und jedermann machte mir Komplimente zu Fannys großem Vergnügen.

Arenenberg , 4. Oktober.

Meine Abreise von Jnzigkofen gestaltete sich sehr traurig. Zum erstenmal in meinemLeben entfernte ich mich von allen, die ich bisher geliebt, und fand mich allein inmittenvon Fremden, die, so wohlwollend sie auch sein mochten, eben doch für mich Richter undHerren waren. Ich war froh über die Verteilung der Plätze in den Wagen, die michden ganzen Tag allein zu Fräulein Cailleau, meiner Kammerfrau, gesellte. Ich konnteweinen, da ich an alles dachte, das ich zurücklasse, und an dies unbekannte Leben, in dasich mich so vermessen stürze.

Bei Anbruch der Nacht sind wir auf Arenenberg angekommen; die Königin führtemich selbst in mein Gemach, das über dem ihrigen liegt. Durch eine eigens getroffeneEinrichtung ist der quadratische Pavillon, den wir bewohnen, vollkommen getrennt vonder übrigen Wohnung. Man nannte ihn ehemals das Schloß; es steht auf einer ArtVorgebirge, das den Untersee und die Insel Reichenau beherrscht.

Im Jahre 1816 hat die Königin sich für diesen schönen Sitz einnehmen lassen.Gleich nach der Abreise des Kaisers nach Rochefort und St. Helena hatte sie Paris unter Begleitung eines österreichischen Offiziers in Eile verlassen und, da sie in Genskeine Zuflucht finden konnte, sich nach Aix zurückgezogen, war aber dort nur einige Wochen