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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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Am Hofe einer Exkönigin.

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Wir machen Halt in Borgo im Val Sugana , wo das Generalquartier und dieArmee am 6. September lagerten. Primolano ist der Ort, wo Wurmser andern Tagsgeworfen wurde. Ganz nahe dabei gewahren wir das kleine Fort Cavolo, das in denFelsen gehauen und so hoch gelegen ist, daß man es von oben angreifen müßte, um eseinzunehmen. Etwas weiter vor fahren wir durch das Dorf Cismone, wo der Kaiser,der ohne Gefolge, ohne Gepäck und sterbend vor Hunger anlangte, als Diner die Hälfteeiner Brotration genoß, die ein Soldat mit ihm teilte. Im Lager von Boulogne brachtedieser Soldat ihm diesen Umstand in Erinnerung und nicht zu seinem Schaden, wie derPrinz beifügte. Indessen war der Eindruck, den der Kaiser von diesem Teil des Feld-zugs bewahrt hatte, nicht der beste, weil trotz all seinen Anstrengungen hier in denBergen seine Stellvertreter in der Gegend von Mantua ihn schlecht bedient hatten. Siehatten dem geschlagenen Wurmser gestattet, sich in dieser Festung zu bergen, statt ihnzur Kapitulation zu zwingen. '

Infolge einer ganz natürlichen Jdeenverbindung spricht die Königin nur vom Herzogvon Bassano.i Sjx ist Patm der Klara von Bassano. Der Herzog hat während desganzen Kaiserreichs eine große Rolle gespielt, hauptsächlich aber in den beiden Jahren,da er das Portefeuille der äußern Angelegenheiten in Händen gehabt, d. h. von 1811bis 1813. Zuerst unterzeichnete er den Allianzvertrag mit Preußen und Österreich undsuchte die Koalition, die sich um den Kaiser Alexander zu bilden begann, zu vereiteln.Aber schon machte Schweden gemeinsame Sache mit Rußland . Nach dem unglücklichenFeldzug von 1812 sah er die Trümmer der großen Armee Littauen passieren, wo eralle Vorbereitungen für Winterquartiere getroffen hatte, um ihr zu erlauben, wiederfesten Fuß zu fassen. Die Zeit der Rückschläge war eröffnet. Obschon sie ganz militärischerNatur waren, machte man ihn doch nach dem Waffenstillstand von 1813 für den Bruchmit Österreich verantwortlich. Der Kaiser mußte einen untadelhaften Minister opfern,der ihm enge verbunden blieb bis zur Abreise nach Elba , und der ihm wieder dientewährend den hundert Tagen.

Das Nachtquartier in Bassano ist schlecht; aber weiter gestaltet sich die Reiseangenehm durch sommerliche Wärme auf vollkommen unterhaltenen Straßen. Wir kommenan österreichischen Truppen vorüber, die nach Mailand marschieren. Ihre imposanteMenge läßt mich für die armen Italiener wünschen, daß sie nicht an Widerstand denken.

In Treviso sehe ich Frauen in Schleier gehüllt oder einfach mit Blumen geschmückt;andere folgen der französischen Mode oder tragen Mantillen aus schwarzen Spitzen. DieMänner dagegen sind hier wie in den andern Städten Italiens damit beschäftigt, unsauf eine Art zu fixieren, die uns verwirrt und an den Magnetismus erinnert, den dieKröte auf die Nachtigall ausübt. Die arme Prinzeß Karvline war darüber umso mehrerschrocken, als sie von heftigen Zahnschmerzen gequält wurde.

Der Gasthof zurPost" in Mestre ist der schmutzigste, den ich je gesehen, obschonder Kaiser von Österreich, der Kaiser Alexander und alle möglichen Erzherzöge hier schonlogiert hatten. Hier läßt man alle Wagen zurück, die bis zu unserer Rückreise auf unswarten; nur derjenige der Prinzeß Karoline wird verkauft.

' Hugo Bernard Wäret, 17631839, einst Generalsekretär Napoleons , einer seiner Vertrauten,t811 zum Herzog von Bassano erhoben, durch die Bourbonen verbannt, lebte bis 1820 in Linz undGraz ; amnestiert ging er nach Paris zurück, 1821 zum Pair, 1834 zum Minister und Kabincttschefernannt, starb 1839 in Paris .