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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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F. Schaltcgger.

Gastwirt, der, obschon er ein Augsburger war, sehr gut französisch sprach, klagte unsden Ausfall, den das Jahr an englischen Reisenden gebracht. Man bleibt zu Hause,weil man Unruhen befürchtet. Österreich beunruhigt durch die Vorbereitungen, die esin Italien trifft. Die Tirolerjäger wurden dorthin verbracht; italienische Truppen mar-schieren durch Tirol. So mußten auch letztes Jahr die Italiener die Unruhen in Ungarn unterdrücken helfen, während ihnen die Ungarn soeben Fesseln geschmiedet hatten, viviäsot impera! ist die Devise der Despoten.

Trient ist berühmt durch das Konzil, das von 15451563 hier abgehalten wurde,und das die Satzungen der Kirche bestimmt hat. In der Kathedrale von Sta. Maria-Maggiore zeigt man noch die Bank der Kardinäle und den Platz, wo der Kardinal vonLothringen als Delegierter Frankreichs seinen Sitz hatte. Eine andere Bank war fürdie Bischöfe bestimmt, die andere Völker vertraten. Der spanische Gesandte, ärgerlichdarüber, daß er seinen Platz hinter dem österreichischen und französischen Gesandten er-halten hatte, nahm einen Stuhl, stellte ihn neben den Tisch des Sekretärs und behaupteteihn hartnäckig.

Die Päpste Paul III. , Julius III. und Pius IV. folgten aufeinander während desKonzils; und in einer Zeit, da die Katholiken und die Protestanten einander in denHaaren lagen, nahm man einen Pestfall zum Vorwand, um den Ort der Verhandlungenfür einige Zeit nach Bologna zu verlegen.

Die Tiroler sind eifrige Katholiken. Einer der Beweggründe, daß sie im Jahr1809 sich gegen die Bayern erhoben, war die Unklugheit, die diese damit begingen, daßsie einige Klöster aufheben wollten. Die Insurgenten drangen durch eine List in Trient ein, indem sie einen Bergbach, der eine Mühle treibt, benutzten. Vier Patrioten warfensich trotz seinem reißenden Lauf hinein und öffneten den andern die Tore.

Die Stadt zählt 30000 Seelen und nimmt sich prächtig aus am Fuß hübscherHügel, die mit Weinbergen bedeckt und mit Landhäusern übersäet sind auf einer Land-zunge, welche die Adda umfließt. In den Straßen sieht man viele Priester von allenAltersstufen, sehr wenig nachdenklich. Die sehr hübschen Frauen schmücken sich mit Ohr-ringen und Korallenhalsbändern; aber ihre Kleider sind sehr schmutzig und zuweilenLumpen ähnlich.

Mestre , 20. Oktober 1830.

Nachdem wir am Morgen Trient verlassen hatten, durchführen wir tiefe, blumen-reiche Täler, wo der Pflanzenwuchs und der Reichtum des Bodens durch ein äußerstmildes Klima begünstigt werden. Die Bevölkerung aber, elend, zerlumpt und unsauber,bildet einen traurigen Kontrast zu dieser lachenden Natur.

Bald finden wir wieder die Spur des Kaisers. Schon am Abend zuvor in Laviszeigte mir der Prinz die Brücke, die am 5. September 1796 der Nachhut der Öster-reicher, die den Tag zuvor in Rovereto geschlagen worden war, entrissen wurde. Diesererste Erfolg bahnte Napoleon den Weg nach Trient . Er befand sich hier zwischen denbeiden Teilen der feindlichen Armee, deren einer nach Norden gegen das Tirol zurück-geworfen war, während der andere nach Osten durch die Brentaschlucht gegen Bassanomarschierte. Mit aller Schnelligkeit warf er sich auf dieses zweite Korps in der Hoffnung,es zu schlagen und ihm den Weg nach Mantua zu verlegen, das der österreichische Generaleben im Auge hatte, um sich wieder zu verproviantieren.