Am Hofe einer Exkönigin.
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Prinzeß Pantine, der Kaiser, gemalt von Gsrard, seine von einem Schüler Canovasgehauene Statue. Ein Kolossalgemälde stellt den Hof der Großherzogin Elise dar: sieauf dem Throne sitzend, ihr Gatte neben ihr stehend, und die Persönlichkeiten ihres Hofsumgeben sie, alle sehr ähnlich, wie man sagt.
Der Marquis Zappi und der Marquis Pepvli sind die mit uns von Herrn Bacciochigeladenen Gäste. Nach dem Mahle tanzen die reizenden Kinder Joachim und KarolineGalopp, dann ein Ballett, das sie im Theater gesehen und' das sie sehr nett nachahmen.Die italienische Arie von Papatacci, die ich nun begleite, wird erbärmlich gesungendurch die Herren Eugen Lebon, Cattaneo und Leute, den Erzieher des Herrn Felix Bacciochi.Herr Lente ist Deutscher in des Wortes verwegenster Bedeutung. Er ist entzückt, jemandemaus Straßburg zu begegnen und mir offenherzig sagen zu können, was er Schlechtesdenkt von den Italienern. Ihre Faulheit, ihre Spitzbüberei, ihre Unsittlichkeit stehenfür ihn in grellem Widerspruch zu dem gesunden Menschenverstand, der Geradheit unddem Fleiß seiner Volksgenossen. Die Leute, die ihre Gedanken ausdrücken in einer Sprache,die sie schlecht sprechen, entwickeln darin gewöhnlich eine Kraft, die gefällt; er hat michgaudiert, und durch einige Worte, die ich mit ihm in seiner Sprache wechselte, verschaffteich ihm das Vergnügen, sich einen Augenblick in Gedanken nach Fulda , seiner teurenVaterstadt zu versetzen.
Der Prinz Louis, als hätte er Herrn Lente durchschaut und ihn mit seinen Gründenschlagen wollen, «zitierte italienische Stanzen, die den reinsten Patriotismus atmen undzeigen, daß das nationale Bewußtsein hier in sehr vielen Herzen erwacht.
Der Abend wurde im Theater zugebracht. Die Loge des Herrn Bacciochi, wie alles, wasihm gehört, ist sehr elegant, auf der Bühne und überall sichtbar. Die Königin, die daswußte, trug glänzende Toilette; ich war weiß gekleidet mit Rosaschleife im Haar. DerTheatersaal ist groß, von anmutiger Form und sehr elegant dekoriert, und gegen italienischeGewohnheit war er hell erleuchtet durch einen schönen Kronleuchter, der aus Paris stammt.Die Musik der „Dame vom See" schien mir sehr schön. Sie ist von Rossini, damitist alles gesagt; aber das Stück ist sehr verwickelt, und um zu folgen hätte es mehrAufmerksamkeit bedurft, als die gewitterschwüle Luft des Saals der Entwicklung derHandlung zu folgen gestattete.
Das Publikum dachte nur an die gegen eine Schauspielerin, die zum erstenmalauftrat, angezettelte Kabale. Diese Unglückliche, eine hübsche, mit sehr schöner Stimmebegabte Frau, zitterte wie Espenlaub und verdarb ihr Talent. Endlich erschien Rubini,der Held des Abends, der beste Tenor Italiens , will heißen eines stimmbegabten Volkes.Seine Stimme ist wirklich von bewunderungswürdiger Weichheit und Kraft; aber ichverwünschte die Unsitte der Italiener, ein Stück zu unterbrechen und die Wiederholungdessen, was ihnen gefällt, zu verlangen, dann den Gang des Stückes noch einmal zuunterbrechen, indem sie am Schluß einer Arie Beifall klatschen und so die Spieler zwingenvorzutreten und zu danken.
3m Zwischenakt empfing die Königin Besuche, unter andern den der Tochter desFürsten Poniatowsky, die mit dem Sohne dieses Marquis Zappi vermählt ist, nebendem ich beim Essen gesessen. Beide sind wunderbar schön. Sie hat herrliches Blond-haar, eine hübsche Gestalt, zarte Züge, ein köstliches Gesamtbild, welches für die Fledermaus-tracht einnimmt.