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F. Schaltegger.
ihrer Schönheit und ihres Geistes wegen berühmt. Sie dichtete, und ihre beißendenWitze machten in Paris die Runde. Ein Sohn war die Frucht dieser Verbindung.Als der Kaiser davon hörte, spie er Feuer und Flammen, ließ den Bruder kommenund behandelte ihn sehr streng: „Ich habe nicht in Frankreich die Ordnung, die Religionund Moral wieder hergestellt, um solche Skandalgeschichten in der Familie zu dulden!Denke nur nicht daran, diese Frau zur Scheidung zu veranlassen, um sie dann zuheiraten. Nie werden meine Mutter und ich solch eine Verbindung gutheißen, und wenndu sie dennoch eingehst, so hörst du auf, zur Familie zu gehören." Lucien setzte denKopf und ging nach Italien . Er bat um die Unterstützung des Papstes, die ihm derhl. Vater aus Groll gegen den Kaiser gewährte.
Da Joseph nur zwei Töchter hatte, bestimmte im Jahre 1806 ein Senatsbeschluß,daß die kaiserliche Würde, weil Joseph Bonaparte und er ohne männliche Nachkommenseien, auf Louis Bonaparte und seine Kinder übergehen sollte.
Im folgenden Jahr ergriff der Kaiser die Initiative zu einem Versöhnungsversuch,dessen Pfand die Heirat Charlottens, älterer Tochter Luciens, mit dem Prinzen vonAsturien , dem späteren König Ferdinand VII. sein sollte. Diese junge Tochter wurdein die Tnilerien geführt, wo sie schlecht erzogen erschien und nur kurze Zeit blieb.Der Kaiser schickte sie ihren Eltern zurück, nachdem er erfahren, daß sie sich in Briefenüber ihre Tanten und die Großmutter lustig gemacht hatte.
Die Beziehungen zwischen den feindlichen Brüdern waren so schlecht wie möglich,als die kaiserliche Macht auf ihrem Höhepunkte stand. Lucien wohnte dazumal inEngland, wo er als Gefangener zurückgehalten wurde. In den hundert Tagen wardie Annäherung zwischen ihnen rein politischer Natur. Der Kaiser gab seiner Aus-söhnung diesen Charakter und wollte, sein Bruder solle ihm bei den Republikanern undVerfassungsmännern als Gewährsmann dienen. Lucien hinwieder verlangte seinenAnteil an den Erbrechten, die durch den Senatsbeschluß von 1806 den Söhnen Josephsund Ludwigs reserviert worden waren.
Seit 1815 hat er Italien nicht mehr verlassen, wo er ganz in seinen literarischenArbeiten und seinen Familieninteressen aufgeht. Er hatte 1814 vorn Papst den TitelFürst von Canino erhalten, gegen den sich sein Republikanismus nicht sträubte. Außerseinem Sohne Paul, der in Griechenland , wo er als Freiwilliger diente, gestorben ist,und der jungen Marquise Honorati, die mit zweiundzwanzig Jahren der Liebe derIhrigen entrissen wurde, blieben ihm sieben Kinder aus seiner Ehe mit Frau Jouberthon,nämlich: Charles Lucien , Prinz von Musignano, Lätitia, Louis Lucien, Peter Napoleon,Anton, Marie und Konslanze.
7. November.
Die Geburt des Prinzen Napoleon allein schon schien ihn für das glanzvollsteLos zu berufen, da er am 11. Oktober 1804 zur Welt gekommen und kaum zwei Monatespäter das Kaisertum durch die Krönung Napoleons fest begründet worden ist. Kurznach der Krönung in der Notro Oams taufte ihn Pius VII in St. Cloud mit demganzen Pomp der neuen kaiserlichen Etikette. Der Kaiser selbst und Madame Mtzrehoben ihn aus der Taufe. Anno 1806 kam der Prinz nach Holland . Die volleWirkung des Senatsbeschlusses vom 18. Mai 1806 in betreff der Thronfolge schienim Jahr 1807 auf ihn zurückzufallen nach dem Tode seines ältern Bruders Napoleon