50
F, Schaltegger.
erlaube; die Revolutionäre, nur zu bereit, durch unbedachte Bewegungen diese österreichischeIntervention zu rechtfertigen, die wie ein Damoklesschwert über Rom hängt, endlich dasgemeine Volk, das leidet und wie überall in Unruhen das Heilmittel für seine Übel sieht.
I. Dezember 1830.
Den ganzen Tag haben die Glocken zu Ehren des toten Papstes geläutet und dieEingeladenen der Königin versammelten sich heute abend unter diesen Trauerklängen inihrem Salon.
Die drei Vernet sind unsere Tischgäste. Ich wollte, ich könnte sagen: Joseph Bernet,Marinemaler; Carls Vernet, Historienmaler und Tiermaler; Horace Vernet , Schlachten maler ; aber Joseph ist seit langem tot, und die Vereinigung dieser drei staunenerregendenKünstlergeschlechter wird erst in der künftigen Welt möglich sein. Horace, seine Frauund Tochter speisen mit uns. Er ist soeben zum Direktor der französischen Akademiein Rom ernannt worden und sieht sich so mit 40 Jahren, in einem Alter, wo seinTalent noch nicht seinen Gipfelpunkt erreicht haben kann, diesem Einfluß Italiens unter-worfen, der so wohl imstande ist, ihm neue Meisterwerke einzugeben. Seine Genregemälde:Der „Hund des Regiments" und das „Pferd des Trompeters" haben ihn populär gemachtschon unterm Kaiserreich und ihm Zugang zur Kaiserin Marie Louise verschafft und beiJörüme; aber die Gemälde, die ihm in der Kunst seine Adelstitel verschafft haben,datieren seit der Restauration. Das sind seine Schlachtenbilder von Tolosa , von Jemappes,von Valmy, sein Tod Poniatowskis und namentlich seine Brücke von Arcole.
Er ist von mittlerer Gestalt, mager, mit ausdrucksvollen Zügen; sein Gesicht ent-spricht seinem Ruf besser als sein Gespräch: es schien mir, er sei höflich nur gerade beider Ankunft. An meine Seite gesetzt, hat er sich ein wenig gebessert; aber er macht wirklichzu viel schlechte Witze. Frau Horace Vernet ist weder gut noch schlecht. Ihre Tochterist mit sechzehn Jahren schön wie ein Engel, von jener unbeweglichen Schönheit, die mander schönen „Eisenhändlerin" nachrühmt, und welche durch ihre Ruhe, Frische und ihrenGlanz imponiert.
Am runden Tische sitzend habe ich diese junge und kalte Schönheit die Bauernumschlagen* lassen. Der Prinz wollte mitspielen und hat mich nach seinem Horoskop gefragt.Die Königin beunruhigte sich sehr, als er, eine Karte ziehend, den Tod zog. Sie grämtesich so sehr darüber, daß sie, obschon sie sich über diese Torheiten zu lachen zwang, michbat, noch einen Augenblick bei ihr zu bleiben, nachdem die Gäste weggegangen waren.Ich wollte ihr etwas sagen; sie hörte aber nicht. Das Bild ihres ersten Kindes, dasin Holland starb, stand ihr vor Augen. Sie begann zu reden auf eine so traurigeWeise, daß es mir das Herz zerriß.
ES war am 5. Mai 1807. Der Kaiser mußte 14 Jahre später am selben Tagein St. Helena sterben. Die Krankheit Napoleon Charles' hat nur sechs Tage gedauert,und die Ärzte hatten anfänglich den Krupp nicht erkannt. Keiner von ihnen wußte Rat,um das unglückliche Kind zu retten. Zeuge seines Todeskampfes, ist die Königin derAngst erlegen, verlor das Bewußtsein und verfiel in eine Art Starrkrampf der Betäubungund Unempfindlichkeit. Man trug sie in ein kleines Landhaus der Umgebung des Haags,von da nach Schloß Laeken . Corvisart^ kam, dann Prinzeß Karoline,^ damals Groß-
' Kartenspiel. ^ Der Leibarzt der Königin. ^ Murat.