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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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F. Schaltegger.

war in Ajaccio nach der Rückkehr vom Feldzug in Sardinien , den der Admiral Trugnetbefehligte. Der Mißerfolg dieses Unternehmens ermutigte geradezu Paoli in seinenTrennungsgelüsten. Napoleon erhielt von ihm Anerbietungen und antwortete ihm insGesicht, Korsika sei französisch und er auch, und er werde, welche Vorteile ihm Englandauch bieten möge, stets den Tod dem Verrat vorziehen.

Die italienische Aussprache der Madame Möre verleiht ihren Worten einen Sinn,den sie in einem andern Munde nicht hätten. Wenn man sie hört, so begreift man denEindruck, den der Kaiser empfangen mußte von den Begebenheiten seiner Jugendzeit,und warum seine Liebe zu Frankreich immer gepaart war mit so starkem Haß gegen dieEngländer.

Aus Ajaccio verjagt, wo er sich während mehrerer Tage verbergen mußte beiVerwandten oder Freunden, eine ganze Nacht verborgen im Hintergrund einer Grotteiin Garten Paravisini, gelang es ihm, nach Bastia zu entkommen und war von da anin Sicherheit an Bord der französischen Flotte. Dasselbe aber war nicht der Fall mitseiner Mutter und seinen Brüdern, die in den Händen der Paolisten zu Geiseln wurden.Es war in den letzten Tagen des Mai 1793. Madame More wollte zuerst dem Sturmdie Stirne bieten und ihre Kinder selbst verteidigen; sie rechnete auf die jungen Burschenvon Bocognano und Bastelica, zweier Dörfer, die für die Bonaparte gewonnen worden,um sie in ihrem Widerstände zu unterstützen. Aber Costa, ein treuer Freund derFamilie, dessen Dienste der Kaiser anerkannt hat, indem er ihm ein Vermächtnis von100000 Fr. hinterließ, überzeugte sie, daß die Partie zu ungleich wäre, und bewog sie,nächtlicherweile die Stadt zu verlassen, um ihr Landgut vor Milelli zu gewinnen. Sieließ Karoline und Jörüme, die beiden kleinsten, bei ihrer Großmutter Ramolino zurückund ging mit ihren drei andern, Ludwig, Elise und Pauline, weg. Kaum waren dieFlüchtlinge unterwegs, als das Haus in Ajaccio umringt wurde. Andern Tags wurdees so vollkommen ausgeräumt, daß man sogar die Beschläge an Türen und Fensternabriß. Selbst Milelli bot keinen sicheren Aufenthalt mehr. Auf den Rat ihres BrudersFäsch, der sie begleitet hatte, erinnerte sich Madame, daß die drei Konventsdeputierten,welche mit einander abgeordnet waren, die Flotte rüsteten für einen Feldzug gegen Ajaccio ,daß Napoleon mit aller Kraft an diesem Vorhaben stupsen werde in dem Wunsche, seinerFamilie zu Hülfe zu kommen, daß also das Heil für sie vom Meere zu erwarten war,es also um jeden Preis galt, die Küste zu erreichen, um sich mit den französischen Fahr-zeugen in Verbindung zu setzen.

Sie machte sich also mit Anbruch der Nacht wieder auf den Weg, indem sie alleihre Verteidiger mit Stutzen und Messern bewaffnet mit sich führte; die von Bastelicabildeten die Vorhut; die von Bocognano die Nachhut; sie selbst gab Pauline die Hand,Fäsch führte Elisa und Ludwig. Es herrschte tiefe Dunkelheit; man folgte schmalen,gewundenen Pfaden, die man bei Tage kaum fand, die aber ganz ungangbar waren inder Dunkelheit; bald über Abgründen hängend, bald in einem Dickicht von Dornen undStechginster sich verlierend; da gab es eine Mauer zu übersteigen, dort einen Bach zudurchwaten; ein Kind schrie, durch eine Staude aufgehalten; ein anderes weinte vorAngst; ein anderes fiel vor Ermüdung nieder und schlief ein.

Es war von Wichtigkeit, die Umgebungen von Ajaccio so schnell wie möglich zudurchschreiten; denn sowie es tagte, wäre man feindlichen Banden begegnet, die nach derStadt marschierten. Indessen bot der Bergbach des Capitello ein Hindernis, das kleine