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F, Schaltegger.
Madame Märe hörte aufmerksam zu, als ich ihn ihr nach bestem Vermögen vorlas.Sie denkt, daß die weite Entfernung ihres Ältesten von Europa die Tragweite dessen, waser sagen könne, abschwäche. Er spielt irrigerweise an auf die Sympathien Rußlands ,Österreichs und Englands für die Sache Napoleons II. Er bringt seine Familie un-geschickterweise in Gegensatz zur französischen Regierung. Das Unglück der Bonapartes, sagtsie, besteht darin, daß sie zerstreut und deshalb geteilter Meinung sind. Sie spricht überdas alles mit außerordentlicher Kraft und Richtigkeit.
Als die Königin den Palast Rinuccini verließ, wollte sie unsere Nachricht dem KardinalFäsch bringen, der sich mit Berufung auf sein hohes Alter und seine schlechte Gesundheitvom Konklave dispensiert. Sie meint ihrerseits, daß die einzigen Hoffnungen, die dem SohneNapoleons heute gestattet sind, Italien zum Gegenstand haben und auf den Titel König vonRom sich beziehen müssen, den er bei seiner Geburt erhielt. Wenn die Einheit Italiens möglich wäre und Napoleon dieses Volk regierte, so könnten sich die Bonaparte drein fügen,Louis Philippe in Frankreich sich halten zu sehen, und sich mit der Julimonarchie aussöhnen.Ich, die ich der Königin zuhöre und mich hüte, sie zu unterbrechen, ich hätte für Italien einen jungen König bereit gehabt, der ihr sicherlich entsprochen hätte, den PrinzenNapoleon Louis . Sie fügte sofort hinzu, die Einheit Italiens sei nur eine Lockspeise, weil siehier den Triumph der französischen Ideen, das Nachgeben und das Zurückweichen Österreichs und die Aufgabe des ganzen Metternich'schen Systems, bestätigen würde. In demAugenblick, da die Rückwirkung der Pariser Ereignisse überall so starke Bewegungenauslöse, würde unser geschworene Feind sicherlich nicht dieses wunderbare, italienischeLand unserm Einfluß preisgeben. . . .
Ebenso naiv ist es zu glauben, daß der König von Rom je über Frankreich herrschen könnte, oder man müßte diese Thronbesteigung durch solche Unruhen und eineso lange Anarchie vorbereiten, daß Herr von Metternich es am Ende bequem findenkönnte, uns durch den Herzog von Reichsstadt regieren zu lassen. Für das Pariser Volk ist der Sohn des Kaisers ein österreichischer Prinz, dessen Mutter nie beliebt war,und dessen Leben in Abhängigkeit und Gefangenschaft an die Erniedrigung erinnert, inder das Kaiserreich endete. So erklärt sich die Gleichgültigkeit, auf welche der GeneralGourgaud stieß, als er glaubte, Napoleon II. gegen Louis Philippe ausspielen zu könnenund in diesem Sinne seinen nutzlosen Appell an die Pariser Bevölkerung richtete.
Der Protest des Königs Joseph wird, wie die Königin fürchtet, ebenfalls ohneWirkung bleiben. Sie kommt den Reklamationen in die Quere, welche die andernBonaparte bei der Regierung von Paris erheben und die dahin streben, von ihr Dotationenund Leibgedinge zu erhalten. Diese Rückwirkung hätte vermieden werden können, wenn diekaiserliche Familie einiger wäre oder, wie Madame Märe sagt, weniger auseinandergeriffen.
Der Kaiser selbst hat diese Klippe vorausgesehen und er hat es verkündigt ineiner Note, die er in den letzten Stunden seines Lebens, inmitten seiner Krämpfe undLeiden diktierte. Diese Note ist seither dem König Joseph übergeben worden durchden General Bertrand. Es war darin gesagt, die Bonapartes sollten sich durch Ver-bindungen mit fürstlichen Familien Roms bemächtigen, da sei ihr Platz; seit dem Jahr1000 habe es Bonaparte in Rom gegeben, ein Bonaparte habe Anno 1540 die Plün-derung Roms durch den Connötable de Bourbon beschrieben. Madame Märe, diePrinzeß Pauline, der Kardinal Fäsch sollen die Kinder von Lucien, Ludwig, Elise dotierenund ihnen zu Versorgungen verhelfen. Der Kaiser fügte an die Adresse Jörömes und der