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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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Am Hofe einer Exkönigin.

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Buffärmel, die ihren schönen Arm sehen ließen, eine schöne Ranke von kleinen weißenBlümchen auf ihrer jungen, reinen Stirne. Ein breites schwarzes Sammetband um denHals geschlungen, um dessen Weiße hervorzuheben, reichte bis zum Gürtel hinunter,und die Brust war bedeckt mit einem Schmuck von Rubinen und Diamanten. Sie warreizend und der Prinz in Verzückung. Man brachte die Gesundheit der hübschen Prinzeßin Champagner aus. Nach Tisch zog ich mich zurück; ich war bei der Königin.Wagen waren schon angekommen, und schnell schlich ich mich aus dem Hause. Ich bingelaufen wie eine Wahnsinnige und hoffte, mir entfliehen zu können. Bei dunkler Nachtkam ich nach Hause. Das Haus war erleuchtet; eine rauschende und belebte Musikertönte; alles hatte festlichen Anstrich. Der Prinz wollte für den Ball ein Orchesterhaben, das freilich klein genug war.

Samstag, 21. Mai.

Die Prinzeß, befriedigt von ihren Erfolgen des Abends vorher, hat mich freundlichangeredet; aber beim Frühstück konnte sie nicht ohne üble Laune hören, was man vonder Schönheit von Fräulein Merkle und Frau von Zeppelin sprach. Der Prinz, derim Begriff ist, ein Kind von 16 Jahren zu heiraten, das er noch bilden könnte, nimmtim Gegenteil alle ihre Fehler an, um ihr zu gefallen. Er mahnt Fräulein von Perrignyan ihre Pflichten, und gestern sagte ich zu Herrn Conneau, das mache mir Kummer,zu sehen, wie der Prinz so höhnisch werde, daß niemand mehr ungeschoren wegkomme,um seine Base lachen zu machen, deren Glück das ausmache, während er doch vergangenesJahr sich über die Prinzeß Theodolinde so aufgehalten habe, weil sie ein Wort über HerrnRoux gesagt hatte. Aber er ist verliebt und das erklärt alles .. .

Abends sprach die Königin nur von den Absichten des Königs auf Gottlieben .Um 10 Uhr ging ich hinunter um beim Einpacken zu helfen. Ich fand den Prinzenim Vorzimmer. Ich bewunderte den Griff seines Stockes, einen vortrefflich gearbeiteten,goldenen Hundekopf. Elise hatte mir erzählt, daß die Cousine, indem sie ihm denselbenübergab, zu ihm sagte: „Passen Sie auf, das ist das Sinnbild der Treue." Mir sagteer, sein Onkel habe ihm denselben gegeben. ... Er sprach mir mit Tränen im Augevon dem Schmerz, den ihm der Entschluß des Herrn Conneau, nach Florenz zurückzu-kehren, bereite. Er fürchtet, es möchte ihn gereuen. . . . Die Königin war die erste imWagen. Die Prinzeß kam herbei gelaufen, indem sie ihrem Vetter sagte, sie fände dieZeichnung an einer Kassette, die er ihr soeben überreicht hatte, sehr schön. Ich plaudertenoch ein Weilchen mit dem König. Er ging nach Konstanz . Herr Conneau sagte mir,je mehr er nachdenke über die Anerbieten, die man ihm mache, im Lande zu bleiben,umso mehr sehe er ein, welche Torheit es für ihn wäre, darauf einzugehen. Der Königkaufe doch nichts und werde nie hier bleiben. Der Prinz, einmal verheiratet, werde auchnicht hier bleiben; selbst die Königin wisse noch nicht recht, was sie machen solle. Ich habedie beiden Verliebten nach Hochrain ^ fahren sehen und die Königin einen Spaziergangmachen. Ich holte sie ein, und wir haben lange geplaudert. Ich habe ihr den Entwurfeiner Biographie des Prinzen vorgelesen, die sie mir auftrug zu schreiben, und den siean Herrn Buchon ^ schicken will. Er kommt nicht mehr, aber die Großherzogin ^ meldet

l Aussichtspunkt auf dem Seeriicken bei Wäldi , wo der Prinz einen Aussichtsturm hatteerstelle» lassen.

^ Buchon, ein französischer Gelehrter, war Gast auf Arenenberg und hat 1836 Souvenirs äeeourses en Suisse herausgegeben.

^ Stephanie von Baden , eine geb. Beauharnais.