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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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F, Schaltegger.

ihre Ankunft. Wir haben von Frau von Abrantes gesprochen, die Besorgnisse erregt,^' indem sie ihre Welt aufkrempelt, und von den Denkwürdigkeiten der Frau Parquin, indenen die Königin ihre kleinen Beschwerden anbringen will. Sie würde es unter ihrerWürde gefunden haben, sie in ihre eigenen Denkwürdigkeiten aufzunehmen. Ich bin sehrglücklich, daß ich diesen Anlaß habe, um gemeinsam mit ihr zu arbeiten. Es ist fürmich eine Ablenkung und ein Rettungsast. Das macht mich unentbehrlicher und bewirkt,daß sie besser ist mit mir. Wir haben auch von den Salm ^ gesprochen, auf die sie ebensowenig hält wie ich. Ich verließ sie, als der König sie einholte und die Verliebten zurück-kehrten. Sie hat mir auch von dieser Affäre der Söhne Luciens gesprochen. Sie sindnicht allein schuldig, und sie ist der Meinung, daß man sie aus Familiengeist verteidigenmüsse. Sie redet Jörome zu, seine Lebensgeschichte schreiben zu lassen und hat ihm ihrenPlan mitgeteilt. Im Salon nahm ich einen langweiligen Roman des Herrn Salvandivor: 6ori8anärs äe Nolson. Die Prinzeß vergaß beim Einpacken ihrer Musik dieHälfte und nahm dafür meine Walzer zu vier Händen mit. Sie behauptete, das könnemir ja gleich sein. Aber sie kommen von der Prinzeß Theodolinde , und darum besteheich darauf, sie zu behalten.

Die Abreise war auf diesen Morgen 9 Uhr festgesetzt. Um 8 Uhr waren alleunten. Die Prinzeß schluchzte, und auch ^r Prinz war sehr betrübt. Sie hat Eliseeinen kostbaren Ring mit Türkisen gezeigt, den er ihr soeben gegeben. . . Die Pferdekamen erst um 10 Uhr. Der Prinz Napoleon , sehr bewegt und bleich vor Kummer,verreiste zuerst mit Herrn Bohl. Die Prinzeß brach in Schluchzen aus. Mein Prinzhielt sie in seinen Armen und hob sie in den Wagen ihres Vaters; dann lief er demWagen nach und warf ihr einen großen Blumenstrauß zu; dann, als Frau von Redingund Herr von Stolzing verstaut waren, stieg er ebenfalls zu Pferde, um sie zu begleiten.Elise hat gehört, er wolle nach Bad Schinznach verreisen, von dort ins Lager nach Thun ,und später, wie sie glaubt, nach Florenz . Beim Frühstück hat die Königin von allemgesprochen, was über den Kaiser geschrieben wird. Sie sagt mit Recht, sie sei noch dieeinzige, die ihn verstanden habe und die ihn zum reden bringen könne.

Dienstag, 24. Mai.

. . . Der arme Prinz findet den Mut nicht, die Leere zu ertragen, die diese Abreisein ihm zurückläßt. Er hat schon zu Elise gesagt, er gehe am 1. Juni nach Schinznach,dann später ins Lager nach Thun . Ein Gewitter zog herauf. Die Königin war darobbeunruhigt; aber kaum war's vorüber, als der Prinz zurückkam. Er war unterwegsuntergestanden und nicht naß geworden. Sobald er ins Zimmer seiner Mutter trat,habe ich mich schnell verzogen und kam erst wieder zum Vorschein, als man zu Tischging, um ihnen Zeit zur gegenseitigen Aussprache zu lassen.

Nun bin ich wieder, wie ehedem, dem Prinzen zur Seite. Das war mir schonlange nicht mehr passiert. Er erzählte, sie hätten alle mit einander in 1a 8oupe^ angehalten,wo ein köstliches Frühstück auf sie wartete. Vom zärtlichen Abschied erfuhren wir nichts,als daß Prinz Napoleon guten Appetit gehabt habe. Der Prinz behauptet, nichts kommeihm lächerlicher vor, als zu sehen, wie die Prinzeß Mathilde die Scherze ihres Bruders

- Vgl. S. 58, Am», i.

' Wieder ein verschriebener Name, den ich nicht unterzubringen weiß. Der Ort ist wohl an derRoute Konstanz-Rorschach zu suchen; vielleicht Hub bei Romanshorn .