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Am Hofe einer Exkönigin : aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense / [Valerie Masuyer] ; eingeleitet und übersetzt von F. Schaltegger
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F. Schaltegger.

Königin, Jörüme habe der Großherzogin vor all diesen Unglücksschlägen gesagt, ihm liegenicht viel an dieser Heirat; die Königin hatte fest im Sinne, ihm zu sagen, er soll nichtmehr daran denken; aber sie kam nicht dazu. Herr Bohl besuchte das Schloß Gottlieben ,dessen sich der Prinz Iöröme so bald als möglich entledigen will?

Montag, 10. März 1837.

Herr Conneau hat mir seine Ankunft in Florenz gemeldet, am 7. November (amselben Tag erhielt er Nachricht von dem Straßburger Ereignis). Sobald die PrinzeßCharlotte von seiner Ankunft wußte, kam sie zu ihm, um Nachrichten zu empfangen.Sie hat ihn gefragt, ob er Briefe des Prinzen für die Prinzeß Mathilde habe; seiteinem Monat habe sie keinen mehr erhalten. Ein Kopfschütteln des Herrn Conneauerweckte in mir den Gedanken, er finde, der Prinz sei im Unrecht gegenüber seinerCousine. Da er so große Pläne im Kopf gehabt, mußte er sie vernachlässigen. HerrConneau sagt, der Vater beklage sich hauptsächlich über den Mangel au Vertrauen beimPrinzen, dem er hätte Ratschläge erteilen und Freunde nennen können rc. Das istaber alles nichts als verletzte Eitelkeit.

Am Freitag morgen fand ich die Königin ein wenig ärgerlich gegen den Fürstenvon Montfort und die Prinzeß Mathilde. Sie haben Bälle, Abendunterhaltungengegeben diesen Winter. Beim Vater ist das Mangel an Takt und bei der TochterLeichtsinn. Die Königin bedauert durchaus nicht den Bruch dieser Verbindung, undalles scheint aus zu sein.

28. März.

... Die Königin ließ vor uns das Buch vorlesen, das ihr der Prinz gesandthat. Ich las, als ich an die Reihe kam, unter fließenden Tränen diese lange Erzählungalles dessen, was er seit dem 25. Oktober, da er die Mutter verlassen, erlebt hat. Nebendem Namen der Prinzeß Mathilde steht der Zweifel, ob er im Jahre 1836 das volleMaß des Glücks, das ihm bestimmt war, erschöpft habe.

. Dienstag, 9. Mai.

Diesen Morgen empfing die Königin einen Brief von ihrem Sohn, während ichneben ihr schrieb. Er ist wütend über die französische Regierung und nicht wenig überMathilde. Von allen seinen Basen hat er reizende Briefe erhalten, nur von ihr nicht,und nie würde er eine Frau heiraten, die in solchen Umständen ihm so wenig Herzgezeigt habe.

Samstag, 8. Juli.

Herr Tascher ist zu mir gekommen. Er hat in München Fräulein von Padua(Frau Jaime) getroffen, die von Trieft kam, wo sie den König Jörüme gesehen hat. Erhat ihnen gesagt, er habe nie viel auf die Heirat seiner Tochter mit dem Prinzen gegeben,und hat sich wütend über ihn ausgesprochen.

Freitag, II. August.

Ich habe einen Augenblick mit der Gräfin Camerata über die Prinzeß Mathildegesprochen. Sie sagt, sie sei noch nicht getröstet, obschon man sie gezwungen habe, eszu scheinen.

' Bezahlt war es noch nicht, und die Königin mußte den Kauf an sich ziehen.